Schlupfwespen aus Drohnen schützen Maisfelder in Weiden

Schlupfwespen aus Drohnen schützen Maisfelder in Weiden
In einer perfekten Linie schwebt die grüne Drohne über das Maisfeld am Stadtrand von Weiden. Für das menschliche Auge unsichtbar verliert die Drohne in regelmäßigen Abständen kleine Kügelchen. „Auf einen Hektar werden 100 Kugeln abgeworfen. Alle zehn Meter eine Kugel mit einer Bahnbreite von wiederum zehn Metern. Man kann natürlich auch eine höhere Dichte wählen, aber das wird normalerweise nicht gemacht“, meint Joachim Ruben. Er ist Drohnenpilot und prüft auf einer Art Tablet, das er sich um den Hals gehängt hat, die Flugbahn des Geräts.
Jede abgeworfene Kugel hinterlässt einen kleinen roten Kreis auf dem Bildschirm und bildet so eine Perlenkette. An den Bildschirmrändern liest Joachim Ruben Werte wie verbleibende Kugeln, Geschwindigkeit, Höhe und Akkustand der Drohne ab.
Seit vier Uhr morgens ist Joachim Ruben auf den Beinen. Er fährt im Auftrag des Dienstleisters Agrar-Drohne Bayern zu den Feldern verschiedener Landwirte, um Hunderte seiner kleinen Kugeln abzuwerfen. Der Inhalt ist stets der gleiche: Schlupfwespen.
Feinde gegen Feinde
Seit den 1980er-Jahren ist der Maisanbau in der Oberpfalz rasant gestiegen. Mais hat sich als die Futterpflanze für Tiere und Biogas etabliert: hoher Energiegehalt, relativ anspruchslos gegenüber Bodenart und Witterungsbedingungen. In den Landkreisen NEW und TIR werden jeweils über 7000 Hektar Silomais angebaut. Im Zuge der Klimaerwärmung haben sich aber auch seine Feinde ausgebreitet, namentlich der Maiszünsler, eine Schmetterlingsart, die ursprünglich auf Mittelmeerländer beschränkt war und seit 15 Jahren flächendeckend in Deutschland anzutreffen ist. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) vernichtet der Maiszünsler jährlich vier Prozent der weltweiten Maisernte. „Bekämpft wird der Schädling inzwischen mithilfe natürlicher Feinde wie den Schlupfwespen, die die Eier des Schädlings anstechen und parasitieren“, erläutert Gerhard Gradl von der landwirtschaftlichen Fachschule in Weiden.
„In einer Kugel sind sechs Entwicklungsstadien von Schlupfwespen“, sagt Joachim Ruben. Die Drohne hat er mittlerweile gelandet und den Akku ausgetauscht. Jetzt geht es an das Nachladen mit Fressfeinden. „Pro Stadium halten sie zwei bis drei Tage, dann schwärmt das nächste Tierchen aus. Damit kann man 14 Tage überbrücken.“ Oftmals reicht dieser einmalige „Luftschlag“, um zu verhindern, dass sich Larven des Maiszünslers in die Pflanzenstängel fressen.
Geförderte Effizienz
Nach kurzem Boxenstopp fliegt die Drohne von Joachim Ruben weiter. In vier Minuten schafft die Drohne einen Hektar Fläche. Damit ist die Methode deutlich effizienter als das Ausbringen der Kügelchen per Hand. Im Gegensatz zum Ausbringen von Insektiziden bleiben Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegenlarven erhalten, die sich um Blattläuse kümmern können.
Finanzielle Unterstützung erhalten Landwirte vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Das AELF fördert den Drohneneinsatz über das Kulturlandschaftsprogramm mit 50 € pro Hektar.
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