TenneT: Ostbayernring geht in Betrieb - Vorbildregion für ganz Bayern

TenneT: Ostbayernring geht in Betrieb - Vorbildregion für ganz Bayern
Die Besonderheit bei Windischeschenbach: Hier ist parallel der alte Ostbayernring zu sehen, der komplett abgebaut wird. Die Trasse wurde in diesem Bereich an die Streckenführung der Autobahn angelehnt. Ähnliche Verlagerungen gibt es bei Falkenberg. Hier geht der neue Ostbayernring östlich an der Autobahn entlang und entlastet naturnahe Bereiche wie den Mühlnickelweiher.
TenneT baut den Ostbayernring im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland. Pressereferent Markus Lieberknecht begleitet das große Stromprojekt von Beginn an. Die bisherige Freileitung stamme aus den 1970er Jahren und entspreche in keiner Weise mehr den Anforderungen, erklärt der TenneT-Experte. Die Energiewende sei gelungen, es werde in großem Stil Wind- und Solarstrom produziert. Jetzt muss dieser Strom auch fließen können.
Zwei große Stromprojekte: Südostlink in der Erde, Ostbayernring als Freileitung
Aus diesem Grund werden aktuell in der Region zwei große Stromprojekte umgesetzt: der Südostlink (Erdkabel, „Stromautobahn“ von Nord- nach Süddeutschland) sowie der Ostbayernring (Freileitung), der die Versorgung innerhalb der Oberpfalz und Oberfrankens sicherstellt.
Der Südostlink, eine Gleichstromtrasse, wird auf politischen Druck hin komplett unter der Erde verlegt. Der Ostbayernring kann nicht in den Boden: Die Übertragungsverluste sind bei Wechselstrom zu groß; es käme nichts an. Er verbindet die Umspannwerke in Ostbayern, darunter Etzenricht und Schwandorf.
Freileitungen lassen sich deutlich schneller umsetzen. Obwohl auch der Aufwand für den Neubau des Ostbayernrings groß war. Lieberknecht erinnert an die Nachtarbeiten bei der Überquerung des Waldnaabtals. Alle 350 bis 400 Meter steht ein Mast. Der Ostbayernring verläuft bei der A93 über das Waldnaabtal, in dem auch noch eine Bahnlinie verkehrt. Üblicherweise wird über die Gleise ein Schutznetz gezogen, wenn der Seilzug erfolgt (also die Leitungen eingezogen werden). Das war im Waldnaabtal aufgrund der extremen Hanglage nicht möglich. Es musste nachts gearbeitet werden, als kein Zug fuhr.
Geräusche leiser, kein Einfluss auf Wetter
Lieberknecht kann mit Freude mitteilen, dass der Bau komplett unfallfrei verlief. Sicherheit sei ein ganz großes Thema. Es gibt aufwändige Unterweisungen, auch unangemeldete Kontrollen. Nahe der Autobahnraststätte Waldnaabtal stehen zurzeit der alte und der neue Ostbayernring nebeneinander. Vom Boden aus ist gut zu erkennen, dass im neuen Ring Vierer-Seile gespannt sind, also vier statt zwei Kabeln ein Quadrat bilden. Die Kabel sind erstaunlich schwer: Der TenneT-Experte zeigt ein Anschauungsobjekt von etwa 1,20 Metern Länge. Es wiegt locker 15 Kilogramm.
Künftig fließt viermal so viel Strom durch den Ostbayernring. Wird das Knistern dann lauter? Lieberknecht meint: „Nein, im Gegenteil.“ Durch die Anordnung der Kabel im Viererbündel sinkt das sogenannte Koronageräusch. Er widerspricht auch der hartnäckigen Meinung, die Freileitungen hätten Einfluss auf das Wetter. „Das ist nicht der Fall. Die Wetterbildung findet in mindestens acht Kilometern Höhe statt.“
Was ist mit elektromagnetischen Feldern?
Thema bei den Bürgern sind elektromagnetische Felder. Es gibt vorgeschriebene Mindestabstände zu Wohnbebauung (400 Meter innerhalb Ortschaften, 200 Meter außerhalb), die natürlich eingehalten werden, so Lieberknecht. Seine Faustregel ist, dass schon nach 125 Metern Abstand von einer Freileitung die elektromagnetischen Felder nicht mehr von den elektromagnetischen Feldern in einem üblichen Haushalt zu unterscheiden sind.
Die Planungen für den Ostbayernring liefen seit 2014, der Bau startete 2021. Erst wurden die Masten gestockt, dann kam der Seilzug. Parallel arbeiteten manchmal rund 200 Arbeiter am Ostbayernring. Inbetriebnahme ist jetzt im Sommer 2026. Die Bauzeit ist damit länger als die Planungszeit.
Festakt mit Markus Söder in Marktredwitz
Ohnehin wird der Rückbau des alten Ostbayernrings noch bis 2027 dauern. Der Übergang muss ja nahtlos erfolgen, um nicht ganze Ortschaften wie Windischeschenbach stromlos zu machen. Neben den Tennet-Vierer-Bündeln mit 380.000 Volt sind auf der untersten der drei Etagen auch Leitungen von Bayernwerk mit 110.000 Volt gezogen worden. Angelaufen ist auch das Aufforsten unter den 70 Meter hohen Masten. Gepflanzt werden Niedergehölze und Vorwaldstrukturen.
Am 14. Juli ist der große Festakt in Marktredwitz geplant. Erwartet werden Tim Meyerjürgens, Vorsitzender der Geschäftsführung von TenneT Germany, Ministerpräsident Markus Söder, Walter Jonas, Regierungspräsident der Oberpfalz, sowie Landräte und Bürgermeister aus Oberfranken und der Oberpfalz.
Für Lieberknecht und seine Kollegen ist das Projekt Ostbayernring damit fast abgeschlossen. „Ostbayern ist für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht für den Ausbau der erneuerbaren Energien.“ Auf sie warten neue Aufgaben im Süden Bayerns. Dort sei man längst nicht so weit wie in der Region. „Ostbayern ist Vorbildregion für den Rest Bayerns“, sagt Lieberknecht.
Parallel starten Erdarbeiten für den Südostlink
Parallel laufen die Arbeiten für den Südostlink, der komplett als Erdkabel verlegt wird. Der Abschnitt bis Marktredwitz ist schon fertig. Hier kann man sich ein gutes Bild machen, was in den nächsten Monaten auf dem Abschnitt bis Schwandorf zu erwarten ist.

Sued-Ost-Link: TenneT zieht Stromtrasse durch Nordbayern – Tiefbau Gollwitzer beteiligt
Hof/Weiden/Schwandorf. Bei einem Baustellenbesuch bei TenneT in Hof zeigt sich: Der Sued-Ost-Link ist in Oberfranken fast fertig verlegt. In der nördlichen Oberpfalz startet der nächste Abschnitt. Auf politischen Druck erfolgt die Verlegung komplett per Erdkabel. Sprich: Trotz des enormen Eingriffs wird die gigantische Stromtrasse später kaum sichtbar sein.



















