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Steinwald wird zum e-Dorf: Köstlerhof als Beispiel

Erbendorf/Ebnath. Die Öko-Modellregion Steinwald gewann den Wettbewerb „e-Dorf“ und wird jetzt mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Was die Modellregion ausmacht, zeigt das Beispiel des Biolandwirtsehepaars Carolin und Hermann Köstler aus […]

Erbendorf/Ebnath. Die Öko-Modellregion Steinwald gewann den Wettbewerb „e-Dorf“ und wird jetzt mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Was die Modellregion ausmacht, zeigt das Beispiel des Biolandwirtsehepaars Carolin und Hermann Köstler aus […]
„Her damit“, scheint „Annerl“ zu bedeuten: Die Kuh von der Rasse „rotes Höhenvieh“ lässt sich von Hermann Köstler mit einem Haferflockenplätzchen verwöhnen. Der Biolandwirt und seine Frau Carolin haben all ihren Tieren Namen gegeben. Foto: Udo Fürst

Steinwald wird zum e-Dorf: Köstlerhof als Beispiel

Erbendorf/Ebnath. Die Öko-Modellregion Steinwald gewann den Wettbewerb „e-Dorf“ und wird jetzt mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Was die Modellregion ausmacht, zeigt das Beispiel des Biolandwirtsehepaars Carolin und Hermann Köstler aus Hermannsreuth bei Ebnath.

Von Udo Fürst

ökobauer, Rotvieh, Kuh, Köstler, eDorf
„Her damit“, scheint „Annerl“ zu bedeuten: Die Kuh von der Rasse „rotes Höhenvieh“ lässt sich von Hermann Köstler mit einem Haferflockenplätzchen verwöhnen. Der Biolandwirt und seine Frau Carolin haben all ihren Tieren Namen gegeben. Foto: Udo Fürst

Liebevoll streichelt Hermann Köstler seinem Annerl über den Kopf, hält ihr ein Haferflockenplätzchen hin, dass sie zwischen ihre großen Zähne nimmt und genüsslich kaut. Annerl ist eine Kuh, gehört zur Rasse des Roten Höhenviehs, das der Landwirt seit fast zehn Jahren züchtet. Zusammen mit seiner Frau Carolin betreibt er in Hermannsreuth zwischen Ebnath und Kulmain einen Demeter-Bio-Bauernhof.

Der Hof ist einer von gut einem Dutzend zwischen Erbendorf und Ebnath, die sich in der Öko-Modellregion Steinwald zusammengefunden haben und ihre Waren gemeinsam vermarkten. Die Modellregion ist ein Projekt der Integrierten Ländlichen Entwicklung Steinwald-Allianz, einem kommunalen Zweckverband rund um den Naturpark Steinwald im westlichen Landkreis Tirschenreuth. Das Gebiet der Steinwaldallianz mit seinen 16 Städten und Gemeinden gilt eher als strukturschwache Region. „Die Bedeutung der Landwirtschaft in der Region ist hoch. Der Ökolandbau mit seiner Flexibilität und seiner naturnahen Bewirtschaftungsform, gepaart mit einer hohen Nachfrage der Verbraucher, kann Arbeitsplätze sowie das Landschaftsbild im Steinwald erhalten“, sagt Allianz-Manager Martin Schmid.

Die Steinwaldallianz ist ein umtriebiger Zusammenschluss und ständig auf der Suche nach Verbesserung und neuen Projekten. Da kommt es nicht von ungefähr, dass man sich kürzlich im Wettbewerb des bayerischen Wirtschaftsministeriums zum digitalen Modell-Projekt „eDorf“ unter 20 Mitbewerbern durchsetzte und zusammen mit Frauenau und Spiegelau (Südbayern) fünf Millionen Euro für die Entwicklung von digitalen Dienstleistungen bekommt, die „den Alltag der Menschen im ländlichen Raum verbessern sollen“.

Eigene Produkte vermarkten

Dazu gehört unter anderem ein mobiler Bauernmarkt, der die Bewohner der Steinwaldkommunen versorgen soll. Man will nun eine digitale Plattform entwickeln, die Kunden, Betreiber und Erzeuger von regionalen Lebensmitteln und Dienstleistungen miteinander bekannt macht. Im Steinwald gibt es viele Nahversorger, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Produkte an den Verbraucher zu bringen. Mit der Aufnahme in das Projekt „eDorf“ soll das bald problemlos via Internet möglich sein.

Spedition Wagner
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Hans Donko, Bürgermeister von Erbendorf und Vorsitzender der Steinwaldallianz: „Es freut mich, dass unser Konzept die Jury überzeugt hat.“ Im eingereichten Konzept spiele der Dorfladen in Fuchsmühl eine wichtige Rolle. Dessen Angebot soll ein Mobil in Orte ohne eigenen Laden und Bankfiliale bringen. Bei der Festlegung der Route und des Angebots des Mobils könnten die Internetbestellungen eine Rolle spielen. Wie sich dies umsetzen lässt, soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden, sagt Donko.

In Carolin Köstlers Hofladen bekommt man viele regionale Lebensmittel wie Kartoffel, Gemüse und Gewürze. Für Letzteres verwendet die Biobäuerin ausschließlich frisches Gemüse und Kräuter aus dem eigenen, biologischen Anbau. „Nach einem Rezept meiner Oma.“

Das Annerl von Hermann Köstler ficht all das nicht an. Zusammen mit ihren etwa 20 Artgenossen trottet sie gemütlich zum Winterunterstand auf dem Köstler-Hof, wo sie lecker-frisches Heu kaut, das ihr Hermann Köstler in die Box gefüllt hat. Der Bio-Landwirt und seine Frau Carolin sehen das neue Angebot entspannt. Sie haben sich in den Jahren einen festen Kundenstamm aufgebaut und leben ganz gut davon. „Wir sind zufrieden“, sagt die Bäuerin, die ihrem Hermann schon kurz nach dem Kennenlernen klar machte: „Ich heirate nur jemanden, der mit mir einen Hof nach Demeterkriterien bewirtschaftet.“ Hermann, der den elterlichen Hof eigentlich aufgeben wollte, sagte ja und gab damit den Startschuss für einen vorbildlichen Biohof, der er heute ist. Neben dem roten Höhenvieh bauen die Köstlers zehn verschiedene Sorten Kartoffel an, darunter welche mit so lustigen Namen wie Rote Emma oder Hermanns Blaue. Kartoffeln sind aber nur ein Teil dessen, was der Demeterbetrieb vermarktet. Neben einem umfangreichen Gemüsesortiment hat Karolin einen florierenden Suppen- und Bratengewürzvertrieb aufgebaut.