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Flaschen-Dieb ist letzter Zeuge im Champagner-Prozess: Ich dachte: Damit lässt sich gut handeln

Weiden/Arnheim. Das Landgericht am heutigen Donnerstag vernimmt den letzten Zeugen im Champagner-Prozess. Patrick B. (47) hatte 2019 die 20 Flaschen aus einem Lager gestohlen. Der Niederländer verkaufte sie im Internet - im Glauben, es handle sich um Champagner.

Weiden/Arnheim. Das Landgericht am heutigen Donnerstag vernimmt den letzten Zeugen im Champagner-Prozess. Patrick B. (47) hatte 2019 die 20 Flaschen aus einem Lager gestohlen. Der Niederländer verkaufte sie im Internet - im Glauben, es handle sich um Champagner.
"Ich habe ein Problem. Wie können wir das lösen?" Mit diesem Foto reklamierte ein Käufer aus Amsterdam den dunkelbraunen "Champagner" beim Verkäufer in Arnheim. Screenshot: De Stentor

Flaschen-Dieb ist letzter Zeuge im Champagner-Prozess: Ich dachte: Damit lässt sich gut handeln

„Showdown“ im Champagner-Verfahren. Am Freitag werden die Plädoyers erwartet, eventuell sogar schon das Urteil. Der Angeklagte Theo G. ist schon seit letzter Woche auf freiem Fuß. Er reist – mit neuem Haarschnitt – zum Prozesstag aus den Niederlanden an. Party habe er nicht gemacht, sagt er auf Nachfrage. Er vertrage nicht einmal mehr ein Glas Rotwein.

Bei seinen Verteidigern Philip Müller und Dr. Alexander Stevens macht sich vorsichtiger Optimismus breit. Stevens‘ Podcast-Kollegin Jaqueline Belle ist im Zuhörerraum. Es wird mit einem Freispruch gerechnet. Daran wird wohl auch der letzte Zeuge nichts mehr ändern.

Neuer Haarschnitt: Der Angeklagte (stehend, rechts) ist seit Freitag auf freiem Fuß. Zum Prozess reist er jetzt an. Mit einem Urteil wird am Freitag, eventuell auch erst am Montag, gerechnet. Foto: Christine Ascherl

Zeuge „fürchtet um sein Leben“

Der Zeuge Patrick B. sitzt in den Niederlanden und wird per Video vernommen. Nach Weiden wollte er nicht anreisen. Er fürchte um sein Leben, auch seine Adresse will er nicht nennen. Patrick B. ist auf dem Screen im Weidener Landgerichtssaal gut zu sehen und gut zu hören. Offenbar umgekehrt ebenso. Auf Nachfrage „Kennen Sie den Angeklagten“ antwortet Patrick B.: „Nein. Ich habe ihn nie zuvor gesehen.“

Patrick B. berichtet, dass er Ende 2019 neuer Verwalter des Lagers „Multi Storage“ wurde. Er habe mit einem Mitarbeiter Boxen geräumt, deren Nutzer nicht zahlten oder unbekannt waren. Die Mieter wurden mit aufgeklebten Zetteln über die geplante Räumung informiert. Wenn keine Reaktion erfolgte, habe man verwertbare Sachen auf „marktplaats“ inseriert. Unbrauchbares landete im Container.

In diesem Lager im niederländischen Arnheim befanden sich die 20 präparierten Moet-Flaschen, ehe sie versehentlich in Umlauf gerieten. Screenshot

Kunden beschwerten sich

In einer der Lagerboxen stand eine Palette mit einer Holzkiste. Darin lagen etwa 20 kleine Holzkisten, je mit einer weißen Drei-Liter-Flasche „Moet & Chandon Ice Imperial“. „Ich habe das aufgemacht und direkt gesagt: Damit kann man gut handeln.“ Er und ein Freund verkauften den vermeintlichen Champagner auf marktplaats.nl zu je 250 bis 275 Euro.

Prompt hagelte es Beschwerden. „Es gab viele Reklamationen.“ Patrick B. kann sich an drei Kunden erinnern, die ihr Geld zurück wollten. Darunter war ein Käufer von zehn Flaschen aus Amsterdam. „Ich habe auf WhatsApp Nachrichten bekommen, dass die Flasche verdorben war, mit braunem Inhalt.“

Zoigltermine
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Nebenklägerin vor Ort

Wie man heute weiß, enthielten die Flaschen flüssiges MDMA (den Rohstoff für Ecstasy). Reinstes Gift. Mindestes zwei der Flaschen wurden bei Partys geöffnet. Das führte zu Vergiftungen: bei einer Silvesterparty 2021/2022 in Blaricum bei Amsterdam, ein zweites Mal mit tödlichen Folgen in Weiden am 13. Februar 2022. Nebenklägerin Franziska Voigt, die in Lebensgefahr war, ist mit Anwältin Dr. Simone Bayer im Sitzungssaal.

Der Zeuge wird auch nach Jacek G. gefragt, der ebenfalls Mieter des Multi-Storage war. Mit ihm habe es immer wieder Diskussionen gegeben, weil er Boxen unerlaubt mit Möbeln zustellte. Jacek G. ist eine Schlüsselfigur im Verfahren. Erst war sein Bruder Hauptverdächtiger, dann er selbst. Schließlich bezichtigte der Pole den jetzigen Angeklagten Theo G.

Immer wieder Polizeieinsätze am Standort des Lagers

Weiteres Thema sind die Drogen-Funde in den Folgejahren.  Im Juni 2020 stellte die Polizei in Arnheim Fässer mit Abfällen eines chemisches Drogenlabors sicher. 2021 kam es zu einer weiteren Razzia, bei der die niederländische Polizei 662 Kilogramm Crystal fand. 

Laut Patrick B. betraf dieser spektakuläre Aufgriff eine andere Halle auf der Halbinsel im Niederrhein. Den kleineren Fall mit den Fässern habe er selbst gemeldet, als er diese morgens in einer halboffenen Box des „Multi-Storage“ entdeckt hatte.

Gegen Mittag sind die Richter sowie Staatsanwalt Christoph-Alexander May mit ihren Fragen durch. Jetzt dürfen noch die Verteidiger sowie die Nebenklagevertreter ihre Fragen stellen.

Updates folgen.

Immer wieder Adresse größerer Aufgriffe von Drogen, hier ein Bericht von Gelderland.nl über den Fund von Fässern im Lager in Arnheim. Screenshot: Christine Ascherl
Champagner-Prozess: Landgericht Weiden entlässt Niederländer aus U-Haft

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