[Update] Champagner-Prozess geht in Verlängerung - Flaschen-Dieb: Ich dachte, damit lässt sich gut handeln

[Update] Champagner-Prozess geht in Verlängerung - Flaschen-Dieb: Ich dachte, damit lässt sich gut handeln
[Update, 15.45 Uhr] Der Champagner-Prozess geht in die Verlängerung. Der Hauptbelastungszeuge Jacek G. wird noch einmal vernommen. Termin dafür ist Mitte April. Die Strafkammer am Landgericht Weiden wird zudem für 30. März den hauptverantwortlichen Zollermittler noch einmal anhören. Mit einem Urteil und Prozessende ist damit erst am 22. bzw. 29. April zu rechnen.
Hintergrund: Bei der ersten Einvernahme des Zeugen per Video aus Polen war die Zeit ausgegangen. Die Verteidiger konnten nur sehr knapp, die Nebenklage-Anwälte überhaupt keine Fragen stellen. Die Nebenklage besteht auf ihrem Fragerecht.
Der Prozess am Donnerstag:
„Showdown“ im Champagner-Verfahren. Am Freitag werden die Plädoyers erwartet [Achtung: Update, Freitag ist abgesagt], eventuell sogar schon das Urteil. Der Angeklagte Theo G. ist schon seit letzter Woche auf freiem Fuß. Er reist – mit neuem Haarschnitt – zum Prozesstag aus den Niederlanden an. Party habe er nicht gemacht, sagt er auf Nachfrage. Er vertrage nicht einmal mehr ein Glas Rotwein.
Bei seinen Verteidigern Philip Müller und Dr. Alexander Stevens macht sich vorsichtiger Optimismus breit. Stevens‘ Podcast-Kollegin Jaqueline Belle ist im Zuhörerraum. Nach aktuellem Stand ist durchaus ein Freispruch denkbar.
Zeuge „fürchtet um sein Leben“
Der Zeuge Patrick B. sitzt in den Niederlanden und wird per Video vernommen. Nach Weiden wollte er nicht anreisen. Er fürchte um sein Leben, auch seine Adresse will er nicht nennen. Patrick B. ist auf dem Screen im Weidener Landgerichtssaal gut zu sehen und gut zu hören. Offenbar umgekehrt ebenso. Auf Nachfrage „Kennen Sie den Angeklagten“ antwortet Patrick B.: „Nein. Ich habe ihn nie zuvor gesehen.“
Patrick B. berichtet, dass er Ende 2019 neuer Verwalter des Lagers „Multi Storage“ wurde. Er habe mit einem Mitarbeiter Boxen geräumt, deren Nutzer nicht zahlten oder unbekannt waren. Die Mieter wurden mit aufgeklebten Zetteln über die geplante Räumung informiert. Wenn keine Reaktion erfolgte, habe man verwertbare Sachen auf „marktplaats“ inseriert. Unbrauchbares landete im Container.
Kunden beschwerten sich
In einer der Lagerboxen stand eine Palette mit einer Holzkiste. Darin lagen etwa 20 kleine Holzkisten, je mit einer weißen Drei-Liter-Flasche „Moet & Chandon Ice Imperial“. „Ich habe das aufgemacht und direkt gesagt: Damit kann man gut handeln.“ Er und ein Freund verkauften den vermeintlichen Champagner auf marktplaats.nl zu je 250 bis 275 Euro.
Prompt hagelte es Beschwerden. „Es gab viele Reklamationen.“ Patrick B. kann sich an drei Kunden erinnern, die ihr Geld zurück wollten. Darunter war ein Käufer von zehn Flaschen aus Amsterdam. „Ich habe auf WhatsApp Nachrichten bekommen, dass die Flasche verdorben war, mit braunem Inhalt.“
Nebenklägerin vor Ort
Wie man heute weiß, enthielten die Flaschen flüssiges MDMA (den Rohstoff für Ecstasy). Reinstes Gift. Mindestes zwei der Flaschen wurden bei Partys geöffnet. Das führte zu Vergiftungen: bei einer Silvesterparty 2021/2022 in Blaricum bei Amsterdam, ein zweites Mal mit tödlichen Folgen in Weiden am 13. Februar 2022. Nebenklägerin Franziska Voigt, die in Lebensgefahr war, ist mit Anwältin Dr. Simone Bayer im Sitzungssaal.
Der Zeuge wird auch nach Jacek G. gefragt, der ebenfalls Mieter des Multi-Storage war. Mit ihm habe es immer wieder Diskussionen gegeben, weil er Boxen unerlaubt mit Möbeln zustellte. Jacek G. ist eine Schlüsselfigur im Verfahren. Erst war sein Bruder Hauptverdächtiger, dann er selbst. Schließlich bezichtigte der Pole den jetzigen Angeklagten Theo G.
Immer wieder Polizeieinsätze am Standort des Lagers
Weiteres Thema sind die Drogen-Funde in den Folgejahren. Im Juni 2020 stellte die Polizei in Arnheim Fässer mit Abfällen eines chemisches Drogenlabors sicher. 2021 kam es zu einer weiteren Razzia, bei der die niederländische Polizei 662 Kilogramm Crystal fand.
Laut Patrick B. betraf dieser spektakuläre Aufgriff eine andere Halle auf der Halbinsel im Niederrhein. Den kleineren Fall mit den Fässern habe er selbst gemeldet, als er diese morgens in einer halboffenen Box des „Multi-Storage“ entdeckt hatte.
Gegen Mittag sind die Richter sowie Staatsanwalt Christoph-Alexander May mit ihren Fragen durch.
Angeblich von Polen bedroht
Auf Nachfrage der Verteidiger räumt der niederländische Zeuge ein, vom polnischen Hauptbelastungszeugen Jacek G. bedroht worden zu sein. Als Stevens wissen will, ob der Pole auch der Eigentümer der Flaschen sein könnte, sagt Patrick B., dass alles darauf hin deute. Am Nachmittag wird der Zeuge entlassen.
Allerdings kommt es nicht wie erwartet am Freitag zu den Plädoyers und dem Urteil. Wie Richter Florian Bauer nach einem Rechtsgespräch am Nachmittag mitteilt, muss der Hauptbelastungszeuge Jacek G. noch einmal als Zeuge geladen werden. Die Nebenklagevertreter konnten beim letzten Termin keine Fragen stellen. Grund war die Uhrzeit: Das polnische Amtsgericht, dass die Videovernehmung möglich machte, schloss am Freitag um 15.30 Uhr.

Champagner-Prozess: Landgericht Weiden entlässt Niederländer aus U-Haft
Weiden. Das Landgericht Weiden hat am Freitagnachmittag den Angeklagten im Champagner-Prozess auf freien Fuß gesetzt. Der Niederländer Theo G. wurde mit sofortiger Wirkung aus der U-Haft entlassen.




