Kokainkurier auf der A6 gestoppt: 37-Jähriger schockiert über fast neun Jahre Haft

Kokainkurier auf der A6 gestoppt: 37-Jähriger schockiert über fast neun Jahre Haft
Das entspricht 185.000 Konsumeinheiten, Wert: eine halbe Million Euro. Der Ukrainer sollte das Kokain von Kehl nahe der französischen Grenze nach Prag bringen.
Die Bundespolizei kontrolliert seit zweieinhalb Jahren mit einer festen Kontrollstelle die Einreise; die Grenzpolizei konzentriert sich auf die Ausreise. In jede Richtung fahren auf der A6 täglich rund 7.500 Fahrzeuge. Ihr Geheimnis verraten die Grenzpolizisten nicht, warum sie ausgerechnet diesen schwarzen Octavia – einen Mietwagen – anhielten.
Letzte Kontrollmöglichkeit vor der Landesgrenze
Im konkreten Fall waren es Schleierfahnder der Grenzpolizei Waidhaus. Die beiden saßen in ziviler Kleidung in einem Zivilfahrzeug an der Abfahrt Waidhaus. Von hier aus sind es nur noch wenige hundert Meter bis Tschechien. „Wir beobachten den Verkehr und selektieren auf gewisse Art und Weise“, sagt einer der Beamten. „So war es auch mit diesem Auto.“
Sie beschleunigten aus dem Stand, schlossen auf und leiteten den Skoda aus dem fließenden Verkehr aus. Die Kontrolle erfolgte auf einer Wendeschleife, der letzten Kontrollmöglichkeit vor der Landesgrenze. Ein Grenzpolizist griff in den Rucksack und stieß unter Kleidung auf ein fest umwickeltes Paket. Maße: 20 mal 30 mal fünf Zentimeter.
Ohne Geständnis droht zweistelliges Strafmaß
Zwischen den Folien war eine Schicht grüner Paste, „wie Wasabi“, aufgebracht. Später stellte sich als weiterer Inhaltsstoff Benzin heraus. Der Sinn sollte wohl sein, es möglichen Spürhunden schwer zu machen. Auf der Dienststelle kam sich der Beamte vor „wie an Weihnachten“: Er packte Hülle um Hülle aus. Bis der Inhalt da lag: 1000 Gramm weißes Pulver. Der Wirkstoffgehalt des Kokains liegt bei fast 90 Prozent. Insgesamt wurden in zwei Taschen sieben Pakete gefunden.
Leugnen zwecklos. Für den Angeklagten geht es am Dienstag vor der 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Markus Fillinger nur noch um Schadensbegrenzung. Im Fall eines Geständnisses werden 8,5 bis 9,5 Jahre in Aussicht gestellt. Ohne Geständnis kündigt Fillinger ein zweistelliges Strafmaß an.
„Arbeitsnomade“ in Westeuropa
Der Ukrainer entscheidet sich für ein Geständnis. Der Bauarbeiter war schon vor dem Krieg in Westeuropa ansässig, zunächst in Spanien, zuletzt in der Slowakei. Dort habe er bei einem Hilfsverein für die Ukraine einen Georgier oder Armenier kennengelernt, der ihm diese Kurierfahrt anbot. Als Bezahlung seien ihm 30 Gramm Kokain in Aussicht gestellt worden. Der 37-Jährige konsumiert seit zehn Jahren selbst fast täglich Kokain. Die Haarprobe stützt diese Angaben.
Der forensische Gutachter Dr. Thomas Lippert attestiert ihm zwar eine Kokainabhängigkeit. Letztlich spricht sich der Psychiater aber gegen eine Therapie aus. Rechtliche Voraussetzung dafür wäre eine gewisse Erfolgsaussicht. Die liegt nicht vor: Der 37-Jährige spricht zwar mehrere Sprachen, Ukrainisch, Russisch, mehrere slawische Sprachen und Spanisch, aber kein Deutsch. Zudem ist davon auszugehen, dass er nach der Haft sofort in die Ukraine abgeschoben wird. In so einem Fall übernimmt der Staat die Therapiekosten nicht.
Staatsanwalt: „Das war kein Lehrlingsstück“
Richter Fillinger hält die Strafe in seiner Urteilsbegründung für „sicher nicht überzogen, sondern tat- und schuldangemessen“. Am Landgericht Weiden wurden zuletzt für ein Kilo Kokain sechs Jahre Haft verhängt. Entsprechend höher müsse sich der Besitz und die Beihilfe zum Handelstreiben bei sieben Kilo auswirken.
Die Strafkammer nordet sich mit den acht Jahren und neun Monaten Haft bei der Forderung des Staatsanwalts Christoph-Alexander May ein. „Es drängt sich schon der Gedanke auf, dass das nicht das Lehrlingsstück war.“ Verteidiger Matthias Haberl fordert 8,5 Jahre, also den unteren Rand des vereinbarten Strafrahmens. Er verweist auf die bislang weiße Weste des Angeklagten.
Im letzten Wort äußert sich der Vater eines 13-jährigen Sohnes geschockt über die Höhe des Strafmaßes: : „Ich habe mit einer so hohen Strafe nicht gerechnet.“

Mit Fliege und Hemd zum Urteil: Sieben Jahre Haft für Regensburger Kokain-Händler
Weiden. „In Berlin gäb's dafür zwei Jahre“, sagt ein Anwalt. In Weiden sind es sieben. Das Landgericht Weiden hat einen 29-Jährigen aus Regensburg wegen Drogenhandels verurteilt. Er und seine Frau hatten ein Kilo Kokain aus Bremen geholt.




