Millionen-Erbe im Visier: Prozess um mutmaßlich gefälschtes Testament startet in Weiden

Millionen-Erbe im Visier: Prozess um mutmaßlich gefälschtes Testament startet in Weiden
Der Fall beschäftigt die Justiz seit über sechs Jahren. 2020 war die Partnerin im Alter von 51 Jahren verstorben. Eine Woche später legte der Mann bei einem Amtsgericht in Nordrhein-Westfalen, wo das Paar einen Wohnsitz hatte, ein Testament vor. Zuständig war letztlich das Amtsgericht Weiden, weil die Frau aus dem Landkreis Neustadt/WN stammte. Das Paar war nicht verheiratet.
Das Amtsgericht hatte Zweifel und lehnte die Erteilung eines Erbscheins ab. Der Wortlaut des Testaments lautete in Auszügen: „Alles Vermögen – Haus, Apotheke, Pferd, Grund – vererbe ich meinem langjährigen Lebensgefährten.“ Wert: über 3 Millionen Euro.
Auch noch Abschiedsbrief vorgelegt
Nach der Ablehnung soll der jetzt Angeklagte mit einer Fälschung nachgelegt haben: Er gab beim Amtsgericht Weiden einen angeblichen Abschiedsbrief ab. Der Wortlaut des Briefs, ebenfalls in Auszügen: „Ich kann nicht mehr. (…) Du erbst nun alles von mir. Ich existiere fort durch dich!!!!“ Unterzeichnet waren beide Schriftstücke mit dem Namen der Verstorbenen.
Es bestanden Zweifel an der Echtheit der handschriftlichen Dokumente, die durch mehrere Graphologen bestätigt wurden. Das Amtsgericht Weiden versagte dem Lebensgefährten den Nachlass. Es sah andere acht Verwandte der verstorbenen Frau als erbberechtigt an. Der Rechtsstreit ging bis vor das Oberlandesgericht, das die Entscheidung des Amtsgerichts Weiden letztlich bestätigte.
Auf das Nachlassverfahren folgten daher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Weiden wegen Urkundenfälschung. Diese Ermittlungen führen nun – über sechs Jahre nach dem Tod der Frau im Februar 2020 – zum Prozess am Landgericht Weiden.
Strafkammer unter neuem Vorsitz
Den Vorsitz der Strafkammer führt erstmals der aus Tirschenreuth zurückgekehrte Landgerichtsvizepräsident Markus Fillinger. Peter Werner, der zuletzt im Champagner-Verfahren die Strafkammer leitet, wird künftig eine Zivilkammer übernehmen. Verteidiger des 61-Jährigen ist der Weidener Rechtsanwalt Dominic Kriegel. Der Angeklagte ist wohnhaft in Franken.




