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[Update] Prozess gegen Recyclingunternehmer – Geständnis ohne große Reue: Ich wollte zuviel

Weiden. Am Landgericht Weiden hat der Prozess gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden begonnen. Ihm wird die illegale Müllverbringung nach Tschechien in 54 Fällen vorgeworfen, außerdem gefährliche Körperverletzung an neun Mitarbeitern, die an einer undichten Batterie-Recyclinganlage arbeiteten.

Weiden. Am Landgericht Weiden hat der Prozess gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden begonnen. Ihm wird die illegale Müllverbringung nach Tschechien in 54 Fällen vorgeworfen, außerdem gefährliche Körperverletzung an neun Mitarbeitern, die an einer undichten Batterie-Recyclinganlage arbeiteten.
Prozessauftakt gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden. Rechts die Verteidiger Rouven Colbatz und Stefanie Amann. Foto: Christine Ascherl

[Update] Prozess gegen Recyclingunternehmer – Geständnis ohne große Reue: Ich wollte zuviel

[Update 14 Uhr] Im Prozess gegen den 53-Jährigen kommt es zu einer Verständigung. Kurz gefasst: Geständnis plus 100.000 Euro Zahlung an den Freistaat – im Gegenzug werden „nur“ gute 3 statt angedachter 4 Jahre Haft verhängt.

Der „Deal“ ist Folge eines Rechtsgesprächs vom Vormittag des ersten Prozesstags. Der Angeklagte gesteht die illegale Müllverbringung von gefährlichen Batterie-Resten und faserverstärktem Windkraft-Schrott nach Tschechien. Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung an sieben Mitarbeitern wird wegen schwerer Nachweisbarkeit eingestellt.

Das Gericht stellt eine Strafe zwischen 3 Jahren bis 3,5 Jahren in Aussicht. Voraussetzung für diesen „Strafrabatt“ ist nach Auskunft von Richter Markus Fillinger die Zahlung von 100.000 Euro an den Freistaat Bayern. Damit soll zumindest ein Teil der Rückholkosten von 600.000 Euro wieder gut gemacht werden. Der Vorschlag kommt vom Gericht. Im Vorfeld des Prozesses waren 50.000 Euro vom Angeklagten angeboten worden. Am Vortag des Prozessbeginns erhöhte die Verteidigerin Stefanie Amann die Summe auf 100.000 Euro. Dies sei mit dem Insolvenzverwalter so abgesprochen.

Damit müsste der 53-jährige Geschäftsführer nicht mehr allzu lange in Haft bleiben. Die U-Haft von zehn Monaten wird abgezogen. Eine Strafaussetzung ist nach zwei Dritteln möglich, also in etwa 16 Monaten.

Geständnis – aber ohne große Schuldeinsicht: „Ich wollte zuviel“

Am Donnerstag trägt Wahlverteidigerin Stefanie Amann eine Erklärung des Angeklagten vor. Fazit: Er übernimmt die Verantwortung für die illegalen Mülltransporte. Aber er habe aus hehren Zielen gehandelt. „Recycling war für mich immer ein Herzensthema.“ Später sagt er auch: „Heute ist mir bewusst, dass ich zu viel und zu schnell wollte. Ich war geblendet von den vielen großen namhaften Kunden und Firmen, die plötzlich mit uns zusammenarbeiten wollten.“

Am 2020 eröffneten Standort Wernberg habe man eine „bis dato einzigartige Batterie-Recycling-Anlage entwickelt“, 74 Meter lang, 13 Meter hoch. Sie könne von kleinsten Knopfzellen bis zu Lkw-Lithium-Batterien alle Batterien in Einzelteile zerlegen. Aber so ganz klappte das nicht. Die recycelbaren Einzelteile waren mit schwarzer Masse verunreinigt. „Es gelang uns nicht, die Probleme in den Griff zu bekommen.“

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Untersuchungshaft „die schlimmste Zeit meines Lebens“

Er übernehme die Verantwortung, dass der Abfall illegal ins Ausland geliefert wurde, an Firmen, die offenbar nicht mehr existierten. Ohne Notifizierung. „Das hätte nicht passieren dürfen.“

In der Haft habe er folgende Erkenntnis entwickelt: „Ich war von meinem Team und der einzigartigen Möglichkeit, alles wiederverwertbar machen zu können, so überzeugt, dass ich für die Aufrechterhaltung dieses Teams viele Entscheidungen getroffen habe, die ich heute sehr bereue.“

Die Firma sei zu schnell gewachsen und habe es mit zu vielen Einzelbereichen des Recyclings zu tun gehabt. Die Lagerkapazitäten reichten nicht mehr. Aber er habe nicht Nein sagen können. Er sei für einen solchen komplexen Betrieb auch zu wenig im Büro gewesen. Sein Fokus habe sich mit der Geburt seiner Kinder immer mehr nach Hause ausgerichtet. „Meine Rolle als Papa war mir wichtiger.“ Er habe viel zu viel „hemdsärmlig“ entschieden.

Die Untersuchungshaft sei für die Familie und ihn die „schlimmste Zeit seines Lebens“. Er erwähnt die Beerdigung seines Vaters, an der er aufgrund der U-Haft nicht teilnehmen konnte. „Ich wünsche mir nichts mehr, als zu meiner Familie nach Hause zu kommen.“

So lief der erste Prozesstag

Kurz nach 9 Uhr war der Angeklagte durch den Hintereingang in den Schwurgerichtssaal gebracht worden. Der Weidener zog den Kopf ein, das Kinn zur Brust gesenkt. Der 53-Jährige trug einen DINA4-Ordner, der die Handfesselung verbirgt. Etwa ein Dutzend Kameras waren auf ihn gerichtet. Seine Verteidiger – Rouven Colbatz aus Weiden und die Münchnerin Stefanie Amann – nahmen auf dem Tisch vor ihm Platz, um ihm bis zum Verhandlungsbeginn Sichtschutz zu gewähren.

Um 9.20 Uhr eröffnete Vorsitzender Richter Markus Fillinger die Sitzung. Die Personalien gab der 53-Jährige mit fester Stimme an. Als Beruf nannte der dreifache Vater „Maurermeister“. Mitangeklagt ist ein tschechischer Kompagnon, vertreten von Anwalt Johannes Zintl.

Das wird dem Angeklagten vorgeworfen

Staatsanwalt Andreas Falk verlas die Anklage, was eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. 54 Mal soll der Unternehmer illegal Müll nach Tschechien und in einem Sonderfall nach Polen gebracht haben. Motiv: Gewinnsucht.

Es gibt zwei große Tatkomplexe:

  • Zum einen die illegale Müllverbringung nach Tschechien, vor allem von faserverstärkten Kunststoffen aus dem Rückbau und Recycling von Windkraftanlagen.
  • Zum anderen steht eine Batterie-Recyclinganlage im Zentrum der Anklage, die Batterien in gefährliche und ungefährliche Bestandteile zerlegen sollte. Die Maschine war undicht, was zu erhöhten Kobalt- und Nickelwerten bei neun Mitarbeitern führte. Auch die Trennung funktionierte nicht sauber, woraufhin der 53-Jährige den mit schwarzer Masse verunreinigten Mix auf tschechische Deponien kippen ließ.

Enorme Mengen: 16.000 Kilo Batteriereste, 700 Tonnen Rotor-Schrott

Die Mengen an Müll, die Staatsanwalt Falk auflistet, sind enorm. Laut Anklage schaffte der Unternehmer allein 16.000 Kilogramm verunreinigte Batterie-Reste in über 50 „Big Bags“ nach Tschechien. Die Fahrt ging vorgeblich zur Firma Piroplastik, einer reinen Briefkastenfirma, wie sich herausgestellt hat. Stattdessen lud der Lkw die Säcke auf einer illegalen Deponie in Jirikov ab. Teils sollen die „Big Bags“ nicht einmal ordentlich verschnürt gewesen sein. Eine Verseuchung des Erdreichs wird nicht ausgeschlossen.

An GFK- und CFK-Abfällen, also glasfaser- und kohlenfaserverstärken Kunststoffen, soll der Angeklagte 700 Tonnen illegal nach Tschechien gebracht haben. Offiziell ebenfalls an die (Briefkastenfirma) Piroplastik, in Wahrheit auf illegale Deponien in Horni Hospice (bei Brünn) und Slizany. Einmal wurde ein Lkw vom Zoll gestoppt. Daraufhin sollen Frachtbriefe gefälscht worden sein. Die Rede ist von 37 Transporten.

Neun Mitarbeiter mit krebserregenden Stoffen in Kontakt

Noch viel schlimmer wäre, wenn sich bewahrheitet, was die gefährliche schwarze Masse mit den Mitarbeitern machte. Staatsanwalt Falk bezichtigt den 53-Jährigen der gefährlichen Körperverletzung in neun Fällen. Die Batterie-Recyclinganlage war ein Prototyp eines bayerischen Anlagenbauers. Genehmigungsbehörde war das Landratsamt Schwandorf, die Überwachung oblag dem Gewerbeaufsichtsamt der Regierung der Oberpfalz.

Das Gewerbeaufsichtsamt warnte schon im August 2024 vor akut toxischen Stoffen in den Metall -und Kunststoff-Bestandteilen. Die krebserregenden Stoffe gerieten laut Gewerbeaufsicht an die Luft, weil ein Bauteil undicht war. Die Behörde ordnete eine medizinische Untersuchung der zuständigen Mitarbeiter an. Ergebnis: Sieben Mitarbeiter hatten erhöhte Werte von Nickel und Kobalt im Urin, zwei weitere litten an Nebenwirkungen durch verunreinigte Luft (Atemlosigkeit, Übelkeit etc.).

Es wurden Schutzausrüstungen verteilt. Außerdem wurde versucht, die Undichtigkeit der Anlage zu beseitigen. Der Unternehmer forderte vom Anlagenbauer die Beseitigung der Mängel. Das oberbayerische Unternehmen sah den Fehler bei der Recycling-Firma und bestand zudem erst auf Zahlung offener Rechnungen.

Gewerbeaufsichtsamt stand auf der Matte

Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der 53-Jährige ließ die Anlage weiterlaufen, bis zur Durchsuchung im März 2025. Laut Anklage nahm damit der Angeklagte billigend in Kauf, dass die Mitarbeiter weiterhin die krebserregenden Stoffe einatmeten.

Angeklagt ist auch das Betreiben einer nicht genehmigten Anlage. Die Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes Schwandorf besuchte das Betriebsgelände im März 2025. Die Mitarbeiter stellten dabei eine Lagermenge von gefährlichem Abfall in Höhe von 210 Tonnen fest, genehmigt waren 49. Das Landratsamt hatte schon des Öfteren, unter anderem im Januar 2025, auf die deutliche Überschreitung hingewiesen, so Falk.

Im September 2024 soll der Angeklagte zudem eine Analyse des Prüflabors gefälscht haben. Er übersandte den gefälschten Bericht an den externen Abfallberater, der den Abfall daraufhin als nicht gefährlich einstuft.

Der Prozess: Aktuell bis September terminiert

Insgesamt sind zwölf Hauptverhandlungstage vorgesehen.

Die weiteren Verhandlungstermine sind auf folgende Tage festgesetzt, jeweils beginnend um 9 Uhr:

  • Freitag, 12.06.2026
  • Freitag, 03.07.2026
  • Donnerstag, 09.07.2026
  • Freitag, 17.07.2026
  • Donnerstag, 23.07.2026
  • Freitag, 24.07.2026
  • Mittwoch, 05.08.2026
  • Donnerstag, 06.08.2026
  • Freitag, 07.08.2026
  • Dienstag, 08.09.2026
  • Mittwoch, 23.09.2026

Zu den insgesamt zwölf Verhandlungstagen sind etwa 40 Zeugen und Sachverständige geladen. Hierzu zählen insbesondere Mitarbeiter von Abfallentsorgungsunternehmen, Vertreter staatlicher Aufsichtsbehörden sowie deutsche und tschechische Ermittlungsbeamte.

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Weiden/München. Neben den bereits bekannten 2,1 Millionen Euro staatlicher Förderung ist im Zuge der Insolvenz der Roth International GmbH auch eine Beteiligung von einer Million Euro verloren gegangen. Das geht aus einer Antwort des bayerischen Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Laura Weber hervor.

Prozessauftakt gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden. Rechts die Verteidiger Rouven Colbatz und Stefanie Amann. Foto: Christine Ascherl
Prozessauftakt gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden. Rechts die Verteidiger Rouven Colbatz und Stefanie Amann. Foto: Christine Ascherl
Prozessauftakt gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden. Rechts die Verteidiger Rouven Colbatz und Stefanie Amann. Foto: Christine Ascherl
Verschont vom Presseinteresse: der zweite Angeklagte (rechts), ein tschechischer Staatsangehöriger, mit Verteidiger Johannes Zingl. Foto: Christine Ascherl
Prozessauftakt gegen einen 53-jährigen Recycling-Unternehmer aus Weiden. Rechts die Verteidiger Rouven Colbatz und Stefanie Amann. Foto: Christine Ascherl
Staatsanwalt Andreas Falk. Foto: Christine Ascherl
Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Weiden mit Vorsitzendem Richter Markus Fillinger (Mitte), links Richter Florian Bauer, rechts Christoph Freimuth. Foto: Christine Ascherl
Vorführung durch die Hintertür: Kurz nach 9 Uhr wird der Angeklagte in den Schwurgerichtssaal gebracht.Foto: Christine Ascherl