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OTH Amberg-Weiden
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150 Jahre Kolping in Weiden – dann endet eine lange Geschichte

Weiden. Die Kolpingsfamilie Weiden St. Josef blickt am 6. Januar 2027 auf 150 Jahre zurück und verabschiedet sich zugleich mit einem Schlussgottesdienst um 18 Uhr. Fehlender Nachwuchs und hohes Alter erzwingen die Auflösung.

150 Jahre Kolping in Weiden – dann endet eine lange Geschichte

Foto: Reinhard Kreuzer
Foto: Reinhard Kreuzer

Ein besonderes Jubiläum und zugleich ein endgültiger Abschied stehen der Kolpingsfamilie Weiden St. Josef bevor. Am 6. Januar 2027 könnte der Verein auf 150 Jahre Geschichte zurückblicken. Doch genau an diesem Tag endet seine Geschichte als eigenständige Gemeinschaft. Ein feierlicher Schlussgottesdienst um 18 Uhr bildet den Abschluss.

Die Geschichte begann am 6. Januar 1877. Stadtpfarrer Josef Käs griff die Idee Adolph Kolpings auf und versammelte rund 60 junge Männer in der Bäckerei Josef Merkl am Unteren Markt. Dort gründeten sie den Weidener Gesellenverein, aus dem später die Kolpingsfamilie St. Josef hervorging.

Kolping half jungen Handwerkern

Adolph Kolping, am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren, erlernte zunächst das Schuhmacherhandwerk, studierte anschließend und empfing am 13. April 1845 die Priesterweihe. Die Industrialisierung veränderte damals die Arbeitswelt grundlegend. Viele junge Handwerker lebten unter schwierigen Bedingungen. Kolping wollte ihnen Halt, Bildung und Gemeinschaft geben und gründete deshalb Gesellenvereine. Auch in Weiden fand diese Idee schnell Anhänger. Die Mitglieder bauten ihre Gemeinschaft auf und wollten bald auch ein eigenes Haus schaffen. 1893 trieb Präses Kooperator Stahl den Bau eines Gesellenhauses in der Asylstraße voran. Zwei Jahre später weihten die Kolpingsöhne das Haus ein.

Die Jahre nach 1933 brachten schwere Zeiten. Um das Kolpinghaus vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, überschrieb die Kolpingsfamilie das Gebäude 1934 an die Pfarrei St. Josef. Dennoch konnte sie ihr Vereinsleben nicht ungehindert fortsetzen. Von 1935 bis Mai 1936 untersagten die Machthaber die Zusammenkünfte. Die Kolpingbrüder trafen sich trotzdem in der Sakramentskapelle von St. Josef. Der Zweite Weltkrieg riss tiefe Lücken in die Gemeinschaft. 170 Kolpingssöhne standen im Kriegseinsatz, 26 von ihnen kehrten nicht zurück.

Nach dem Krieg blühte das Vereinsleben wieder auf

Nach 1945 brachte Präses Georg Eckl die Gemeinschaft wieder zusammen. Die Mitglieder trafen sich regelmäßig. Vorträge, religiöse und geistige Bildung, Gesang und Theater gehörten zum Programm. Auf Eckl folgten Franz Ettenreich und ab 1952 Josef Hörmann als Präses. 1953 musste der große Saal des Josefshauses wegen Baufälligkeit schließen. Prälat Müller bat Hörmann, die Bauherrschaft für einen Neubau zu übernehmen. Hörmann nahm die Aufgabe an, sammelte Geld und trieb das Projekt voran. Am 7. Januar 1961 weihten die Mitglieder den Neubau ein. Viele Weidener erinnern sich noch heute an die Veranstaltungen im Josefshaus. Dort trafen sich Generationen, feierten, diskutierten und pflegten Gemeinschaft.

Das Jubiläum 1977 brachte die Kolpingsfamilie auf den Höhepunkt

Zum 100-jährigen Bestehen stellte die Kolpingsfamilie 1977 ein großes Festprogramm auf die Beine. Fast eine Woche lang bestimmten Festgottesdienst, Festzug und Tanz das Geschehen. Ministerpräsident Alfons Goppel übernahm die Schirmherrschaft. Vorsitzender Adolf Menner hatte das Jubiläum organisiert. 17 Jahre lang hatte er die Kolpingsfamilie geführt und ihr zu einer starken Entwicklung verholfen. Unter Menner entstanden eine aktive Jugendgruppe und mehrere Familienkreise. Die Kolpingsfamilie zeigte sich lebendig und zukunftsorientiert. 1990 übernahm Peter Seibert den Vorsitz.

Grammer Solar
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Vorsitzender Karl Zitzmann führt den Verein zum Abschluss, nun endet die Vereinsgeschichte, die Auflösung ließ nicht nicht mehr vermeiden. Sicher werden einige Mitglieder sich bei den benachbarten Kolpingsfamilien aufnehmen lassen. Foto: Reinhard Kreuzer

Doch gerade in dieser Zeit traf die Gemeinschaft eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt. Das Josefshaus ging an Private. Karl Zitzmann, der heutige Vorsitzende, blickte kritisch auf den Verkauf zurück: „Leider wurde in dieser Zeit das Josefshaus an Private, als buchmäßig abgeschriebenes Objekt, verkauft. Der Verkauf ist heute noch schmerzlich, vor allem wenn man sieht, was daraus geworden ist.“ Für Zitzmann wog der Verlust besonders schwer. Die Arbeit und die finanziellen Opfer, die Präses Hörmann und viele Kolpingssöhne für das Haus geleistet hatten, schienen damit vergessen. Nach dem Verkauf wechselten die Mitglieder zunächst ins Pfarrheim St. Maria und später ins Pfarrheim St. Josef. Ab 1995 führte Gerhard Fink die Kolpingsfamilie. Zuvor hatte er bereits die Kasse verwaltet. Hans Schneider übernahm später diese Aufgabe und kümmert sich bis heute gewissenhaft um die Finanzen.

Die Gemeinschaft verlor immer mehr junge Mitglieder

Auch die personelle Basis veränderte sich. Viele aktive Mitglieder schieden aus, die Jugend blieb zunehmend fern. Namen wie Heinrich Schüßlbauer, Franz Diedl und Sieglinde Kurz prägten über viele Jahre die Schriftführung. Johann Troppmann und Heinz Nefe unterstützten den Vorstand als Stellvertreter. Auf geistlicher Seite begleiteten unter anderem die Präsides Käs, Fleischmann, Eckl, Ettenreich und Hörmann die Kolpingsfamilie. Heute steht Stadtpfarrer Markus Schmid als Präses an ihrer Seite. Zitzmann selbst fand nach einem persönlichen Schicksalsschlag wieder enger zur Gemeinschaft zurück. „Als meine Frau 2010 verstarb, kam mir wieder Kolping in den Gedanken und meine Nochmitgliedschaft. So rettete mich dieser Verein aus meiner Blase“, erzählt er.

2013 verabschiedete die Kolpingsfamilie Gerhard Fink als Vorsitzenden. Eine schwere Krankheit ließ ihm eine weitere Mitarbeit nicht zu. In dieser schwierigen Phase übernahm Philomena Seibert die Leitung und schloss damit ein großes Vakuum. Sie plante ihre Amtszeit allerdings nur für eine Wahlperiode. Die Kolpingsfamilie suchte deshalb nach einer dauerhaften Lösung und versuchte sogar eine Fusion mit der ebenfalls in Weiden ansässigen Kolpingsfamilie Neunkirchen. Die Gespräche führten jedoch zu keiner Einigung.

Die Suche nach einem neuen Vorstand blieb erfolglos

2015 standen noch mehr als 100 Mitglieder in der Kartei. Trotzdem fehlte eine Vorstandschaft. Damit fehlte dem Verein zunehmend die Grundlage für eine dauerhafte Weiterarbeit. Schließlich erklärte sich Karl Zitzmann bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Nachdem er seine Krebserkrankung überwunden hatte, stellte er sich der Aufgabe und baute erneut eine Vorstandschaft auf. Seine Amtszeit verlängerte sich inzwischen zweimal. Für den heute 84-Jährigen bedeutete das eine besondere Verantwortung. Doch auch die übrigen Vorstandsmitglieder kamen inzwischen ins hohe Alter. Alle waren über 80 Jahre alt. Nachwuchs rückte nicht nach. Bei der letzten Wahl fand sich kein Stellvertreter und kein Schriftführer. Lediglich Beisitzer ließen sich noch gewinnen, und auch diese waren teilweise älter als 85 Jahre.

Zum 150. Geburtstag kam der Abschied

Dabei hatte die Kolpingsfamilie bis zuletzt noch Leben gezeigt. 45 Mitglieder stehen aktuell in der Mitgliederliste. In diesem Jahr fanden Liederabende, Spieleabende und Vorträge statt. Auch die beliebte Altkleider- und Papiersammlung gehörte weiterhin zum Angebot. Früher sammelten die Kolpingsmitglieder zusätzlich Schuhe. Doch diese Aktivitäten konnten die strukturellen Probleme nicht lösen. Die Gemeinschaft hatte keine Mitglieder mehr, die Verantwortung im Vorstand übernehmen wollten oder konnten. So verbindet sich mit dem 150-jährigen Jubiläum ein Abschied. Am 6. Januar 2027 lädt die Kolpingsfamilie zum feierlichen Schlussgottesdienst um 18 Uhr ein. Danach endet die Geschichte der Kolpingsfamilie Weiden St. Josef als eigenständiger Verein. Einige Mitglieder werden sich den Kolpingsfamilien im Umkreis anschließen.

Karl Zitzmann will den letzten Abschnitt deshalb nicht ohne einen großen Dank beschließen. Er dankt allen Mitgliedern, die über Jahrzehnte Zeit, Ideen und Kraft in die Kolpingsfamilie investierten und ihr die Treue hielten. Sein Dank gilt ebenso Präses und Stadtpfarrer Markus Schmid, der Gottesdienste und Veranstaltungen ermöglichte. Auch Mesner, Ministranten und alle Mitwirkenden, die mit Musik, Lesungen, Dekorationen und ihrer Anwesenheit zum Vereinsleben beitrugen, schließt Zitzmann ausdrücklich ein. Nach 150 Jahren bleibt damit eine lange Geschichte. Die Fahne, die einst bei Prozessionen voranging, die Erinnerungen an das Josefshaus, an Theater, Feste, Vorträge und gemeinsame Abende – all das gehört künftig zur Vereinsgeschichte. Die Kolpingsfamilie geht, ihre Spuren in Weiden bleiben.

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