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Abschied in München: Eschenbachs Landsleuteverein endet nach 96 Jahren

Eschenbach. Nach 96 Jahren löst sich der „Verein der Eschenbacher in München“ zum 31. Dezember 2025 wegen fehlenden Nachwuchses auf. Kasse mit 500 Euro und die Standarte gehen an den Heimatverein, der das Erbe bewahren will.

Eschenbach. Nach 96 Jahren löst sich der „Verein der Eschenbacher in München“ zum 31. Dezember 2025 wegen fehlenden Nachwuchses auf. Kasse mit 500 Euro und die Standarte gehen an den Heimatverein, der das Erbe bewahren will.
Bitteres Ende eines charmanten städtischen Botschafters in der Landeshauptstadt. Im Nachklang zur Auflösung des Vereins der Landsleute von Eschenbach in München überreichte Vorsitzender a.D. Helmut Haas an den Vorsitzenden des Eschenbacher Heimatvereins Gregor Forster die Restbestände der Vereinskasse. Auch die Tischstandarte und weitere Requisiten gingen „zu treuen Händen“ an den Heimatverein. Foto: Robert Dotzauer

Abschied in München: Eschenbachs Landsleuteverein endet nach 96 Jahren

Der „Verein der Landsleute von Eschenbach und Umgebung in München“ ist Geschichte. Am 5. Januar 1930 in der Landeshauptstadt gegründet, löste er sich mit Beschluss der Mitgliederversammlung vier Jahre vor seinem 100. Geburtsjahr zum 31. Dezember 2025 auf. Die zweifelhafte Ehre eines Totengräbers musste der seit 2003 amtierende Vorsitzende Helmut Haas übernehmen. Die Gründe nannte Helmut Haas bei einer Rückblende mit Bürgermeister Marcus Gradl, Stadtverbandsvorsitzenden Michael König und den Vertretern des Heimatvereins im Hotel-Restaurant Rußweiher.

„Hilfreich stand der Verein der Eschenbacher in München den meist jungen Neuankömmlingen fast 100 Jahre zur Seite. Eine Unterstützung, die zunehmend nicht mehr wahrgenommen wurde“, bedauerte der 85-jährige ehemalige Vorsitzende Helmut Haas. Er führte den Verein seit 2003. Foto: Robert Dotzauer

Kein Nachwuchs

„Es gelang uns nicht mehr, junge Leute für eine Mitgliedschaft zu gewinnen“, bedauerte der Ex-Vorsitzende. Hintergrund der Auflösung seien zudem die Überalterung und der Tod von Vereinsmitgliedern gewesen. Als Beispiel nannte er das Ableben des langjährigen Vorstandsmitglieds Michael Schmidt drei Tage vor seinem 100. Geburtstag. Auch die programmatische Zielsetzung des Vereins, junge Eschenbacher bei der Integration in die Großstadtgesellschaft zu unterstützen, sei auf wenig Interesse gestoßen, bedauerte Haas.

Heimatverbundenheit endet nicht an der Stadtgrenze

Eine Entwicklung, die auch Bürgermeister Marcus Gradl nachdenklich stimmte. Der Rathauschef bescheinigte dem Verein mit Blick auf dauerhafte Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen ein lebendiges Heimatbewusstsein. „Wir bleiben dankbar, dass Menschen fast ein Jahrhundert lang nach dem Verlassen der angestammten Heimat Eschenbach im Herzen behalten haben“, fasste der Bürgermeister zusammen, um zugleich zu betonen: „Wer aus Eschenbach stammt, muss nicht in Eschenbach wohnen, um ein Eschenbacher zu bleiben“. In diesem Sinne wünschte er allen jungen Menschen fern der Heimat viel Glück.

In Biedermeiertracht nahmen die „Münchner Eschenbacher“ am Festzug zum 600-jährigen Eschenbacher Stadtjubiläum 1958 teil. Archivbild: Verein der Landsleute von Eschenbach und Umgebung in München

Vereinskasse geht an den Heimatverein

Auch die Vertreter des Heimatvereins waren sich einig: „Mit der Auflösung des Eschenbacher Vereins geht ein Kulturschatz verloren“. Vorsitzender Gregor Forster sowie Ex-Vorsitzender und der Schriftleiter des Heftes „Heimat Eschenbach“, Karheinz Keck, versicherten, das Vermächtnis des Vereins und die Erinnerung an heimatverbundene Eschenbacherinnen und Eschenbacher weiter zu pflegen. Ein Versprechen, das Helmut Haas mit der Übergabe der Vereinskasse mit einem Bestand von 500 Euro an die Vertreter des Heimatvereins honorierte. Zudem übergab Hass „zu treuen Händen“ alle Requisiten des Vereins einschließlich der Tischstandarte.

Spannende Vereinschronik

Mit der Vereinsauflösung geht eine lebendige Geschichte von Menschen zu Ende, die ihre Heimat Eschenbach verließen, um andernorts Arbeit und eine neue Existenz zu finden. Spannend liest sich der Werdegang und die Entwicklung des Vereins. Die Chronik, verfasst von Reinhard Entdorf, Ministerialdirigent bei der Obersten Baubehörde, und Reinhold Knollmüller, langjähriger Schulleiter des Gymnasiums in Landsberg, beginnt mit dem Satz: „Zum Sterb’m z’vüll, zum Leb’m z’weng“ oder „Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“. Schon die ersten Sätze dieser Zeit beschreiben die Lebenswirklichkeit vieler Menschen aus der nördlichen Oberpfalz und damit auch Eschenbachs.

Hoffen auf bessere Zeiten in der Großstadt

Vielen jungen Leuten blieb in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg nichts anderes übrig, als ihre Heimat zu verlassen. Naheliegend war in der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise der Weg in bayerische Großstädte, die bessere Arbeitsbedingungen versprachen. Gleichwohl wog der Verlust der Heimat schwer. So fanden sich gleichgesinnte Landsleute in geselliger Runde zusammen, um an die alte Heimat zu erinnern. Eine Entwicklung, die auch ehemalige Eschenbacher dazu bewegte, am 5. Januar 1930 einen „Verein der Landsleute von Eschenbach und Umgebung“ zu gründen.

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Schon zur Gründungsversammlung trafen sich 45 Landsleute, heißt es in der Chronik. Zum Gründungsvorsitzenden wählten die Mitglieder Hans Schreml. Der jährliche Vereinsbeitrag betrug eine Mark für weibliche und zwei Mark für männliche Mitglieder.

Oberpfälzer Sitzweil im Hofbräuhaus

Das rege Vereinsleben endete vorübergehend mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, um vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzublühen. Laut Protokollen schwärmten die „Neu-Münchner“ in den 1950er und 1960er Jahren von den rauschenden Rußweiherfesten bei Besuchen in der Heimat. 1980 organisierte der damalige Vorstand Michael Schmidt das 50. Gründungsfest. Schon damals forderte Schmidt eine „Blutauffrischung“, die dann tatsächlich in den 1980er Jahren mit einer Eintrittswelle junger Leute Zukunftshoffnungen auslöste. Von einem verjüngten Vorstand um Hans Müller unterstützt, wurde schließlich das 70-jährige Bestehen zum Höhepunkt der Vereinsgeschichte.

Unvergessen bleibt allen Akteuren die vom Eschenbacher Verein der Landsleute in Zusammenarbeit mit der Stadt und mit Musikvereinen aus der Heimat ausgerichtete spektakuläre „Oberpfälzer Sitzweil“ am 12. November 2000 im Festsaal des Hofbräuhauses. Die Ära Hans Müller endete 2003. Mit vielen Ideen und großem Elan setzte Helmut Haas das „Heimaterbe“ fort. Regelmäßig trafen sich die Mitglieder im Stammlokal „Braunauer Hof“, um Nachrichten aus der alten Heimat auszutauschen und um die wenigen „Neuankömmlinge“ einzuführen. Begegnungen mit nachlassendem Zuspruch. Schlussfolgerung war die Auflösung des Vereins.

Die „Sitzweil“ pflegte der Münchner Verein intensiv. Das gemütliche Beisammensitzen in geselliger Runde machte Lust auf Heimat. Johann Andreas Schmeller aus Tirschenreuth, Schöpfer des Bayerischen Wörterbuchs (1827/37), beschrieb den Wortschatz wie folgt: „Bey keiner andern Gelegenheit, selbst beym Bierkrug nicht so sehr als da, kommt ds reiche Capital an natürlichem Witze in Umlauf, mit dem das Volk ausgestattet ist“.

Unvergessen bleibt mit 1.000 Gästen die Ausrichtung der Oberpfälzer Sitzweil im Festsaal des Münchner Hofbräuhauses durch den Verein der Eschenbacher Landsleute, der Stadt und einer großen Delegation aus der Heimat. Unser Bild zeigt den Auftritt der Stodtbergsaitn. Archivbild: Verein der Landsleute von Eschenbach und Umgebung in München

Abschließende Übergaben und Dank

Bitteres Ende eines charmanten städtischen Botschafters in der Landeshauptstadt. Im Nachklang zur Auflösung des Vereins der Landsleute von Eschenbach in München überreichte Vorsitzender a. D. Helmut Haas an den Vorsitzenden des Eschenbacher Heimatvereins Gregor Forster die Restbestände der Vereinskasse. Auch die Tischstandarte und weitere Requisiten gingen „zu treuen Händen“ an den Heimatverein.

„Hilfreich stand der Verein der Eschenbacher in München den meist jungen Neuankömmlingen fast 100 Jahre zur Seite. Eine Unterstützung, die zunehmend nicht mehr wahrgenommen wurde“, bedauerte der 85-jährige ehemalige Vorsitzende Helmut Haas. Er führte den Verein seit 2003.

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