Schrumpfende Rücklagen belasten Vorbach - Bürgerversammlung sucht Lösungen

Schrumpfende Rücklagen belasten Vorbach - Bürgerversammlung sucht Lösungen
Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine Gemeinde in Bayern eine Haushaltssperre ausruft. Auch das gewöhnlich finanzstarke Vorbach stöhnt unter steigenden Ausgabenlasten und geringeren Steuereinnahmen. Was tun? In der Bürgerversammlung gibt es Antworten.
An der weißen Wand im Oberbibracher Schützenhaus-Saal erinnern Hochzeitsscheiben an glückliche Paare und an zielsichere St. Sebastian-Schützen. Ein Bild mit Symbolkraft. Glückliches Vorbach? Das war einmal. Auch Vorbach ist derzeit von einem sorgenfreien Gemeinwesen weit entfernt, wie sich in der gut besuchten Bürgerversammlung in Anwesenheit von Ehrenbürger Adolf Meier herausstellte. Auch die Gemeinde hat zunehmend Probleme, Wünsche und Notwendigkeiten auf einen Nenner zu bringen.
4,7 Millionen Euro Kreisumlage
Nach erheblichen Einbrüchen bei der Gewerbesteuer, bisher die tragende Säule aller Vorbacher Investitionen, heißt es, sparen und doch klug investieren. Die Treffsicherheit der Oberbibracher Schützengilde im Blick gilt es für Bürgermeister Alexander Goller und seine Räte, zunächst die Spielräume bei den Pflichtaufgaben zu durchleuchten und gleichwohl die freiwilligen Leistungen nicht anzutasten. Laut Präsentation des Bürgermeisters ist es ein Balanceakt. Weniger Gewerbesteuer, Rückzahlungen und vor allem 4,7 Millionen Euro Kreisumlage in den Jahren 2026/27 lassen die Rücklagen gewaltig schrumpfen.
Nach diesem buchhalterischen Blick in die Gemeindefinanzen beleuchtete „Gastgeber“ Alexander Goller ungeachtet der schrumpfenden Gemeindekasse die derzeit laufenden „mutigen“ Investitionen. Unter anderem beschrieb der Bürgermeister die Projektstände beim Radwegbau Oberbibrach–Schlammersdorf und die Fortschritte beim Glasfaservollausbau. Deutlich umfangreicher war ein Blick in einige Zukunftsprojekte, die gewaltige finanzielle Kraftanstrengungen erfordern.
Beispielhaft nannte der Gemeindechef die Erschließung der Baugebiete Neustädter Straße und am Weinberg in Oberbibrach, die Fortentwicklung des Hochwasserschutzkonzepts mit den Innerortsplanungen in Oberbibrach, Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen an der Grundschule Oberbibrach und energetische Verbesserungen im Gemeindezentrum und für das Alte Schulhaus in Oberbibrach. Zudem thematisierte der Gemeindechef den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Oberbibrach. Der Bauentwurf werde von allen Akteuren mitgetragen, betonte Goller.
Zwei neue Feuerwehrhäuser
Brauchen wir jeweils in Vorbach und Oberbibrach ein neues Feuerwehrhaus? Eine Frage, die offensichtlich einige Bürger umtreibt und die der Bürgermeister mit der Notwendigkeit von Katastrophenschutzräumen für beide Gebäude begründete. Gerne hörten die Oberbibracher Brandschützer auch von der Bestellung eines neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF‑L). Dabei handelt es sich um Zukunftsinvestitionen mit einem überschaubaren finanziellen Risiko, betonte Goller. Der Bürgermeister rechnet „konservativ“ bis Ende 2027 wieder mit einem Rücklagenbestand von zirka zwei Millionen Euro.
Sorgenkind Dorfladen
Eine Absage erteilte Goller dem Sparen an dem, was ein Dorf braucht. Im Fokus stand mit dieser Feststellung der Dorfladen als Bestandteil der freiwilligen Leistungen der Kommune. Seit der Eröffnung am 15. Oktober 2017 steigt das Defizit kontinuierlich. Als Beispiel nannte Goller die explodierenden Betriebskosten und die Personalausgaben durch die gesetzlichen Mindestlohnregelungen. Für 2026 erwartet der Bürgermeister ein Rekordminus von zirka 170.000 Euro!
Ein Thema, das auch in der anschließenden kurzen „Jetzt red i“-Debatte eine Rolle spielte. Von Christian Friedrich kam der Vorschlag, mit einer Unternehmensberatung den steigenden Verlusten des Dorfladens zu begegnen. Im Gegensatz dazu hieß es von Josef Busch: „Im Vergleich zu vielen anderen Gemeinden sind wir gut aufgestellt, um sich einen Dorfladen zu leisten“. Sebastian Pittner vermisste unter dem Leitgedanken „spare in der Zeit“ eine kommunale Agenda für dürre Jahre. Manfred Plößner erinnerte an die zügige Vorlage des Gemeindeetats für 2026, um einen besseren Überblick über die Entwicklung der Gemeindefinanzen zu gewinnen.
Thema Windkraft und kein Ende
Mehr Ehrlichkeit, Transparenz und einen Interessenausgleich zwischen den Kommunen forderte Martin Wiesend zum Thema Windkraft im Speinsharter Forst. In diesem Zusammenhang regte Manfred Plößner an, mit einem formellen Antrag Ansprüche auf Teile des gemeindefreien Waldgebietes zu stellen. Ungeduldig warten viele Bürger auf den Neubau der Bahnbrücke in Neuvoita. Ein Projekt, das in die Zuständigkeit der Gemeinde Prebitz falle, so die Anmerkung des Versammlungsleiters. Die Bürgerversammlung endete mit Dankesworten des Bürgermeisters an die Leistungen der „besonderen Menschen“ der Gemeinde. Dazu zählte Alexander Goller die Vereinswelt – jeder Verein trage dazu bei, die dörfliche Gemeinschaft zu stärken –, die Vertreter der Kirchengemeinde, die „Hängematte“ und alle gemeinwohlorientierten Akteure.
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