Bayerischer Rundfunk sendet Mittagsläuten aus Mariä Himmelfahrt in Eslarn

Bayerischer Rundfunk sendet Mittagsläuten aus Mariä Himmelfahrt in Eslarn
Wenn am Sonntag um 12 Uhr die Glocken der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt über Eslarn erklingen, ist das nicht nur für die Menschen im Ort ein vertrautes Zeichen. Das fünfstimmige Geläut wird an diesem Tag auch weit über die Marktgemeinde hinaus zu hören sein: Der Bayerische Rundfunk (BR) widmet das traditionelle „Mittagsläuten“ der Pfarrkirche in Eslarn. Für die Aufnahmen war der freie BR-Mitarbeiter Armin Reinsch aus Dietfurt an der Altmühl nach Eslarn angereist – eine Strecke von rund 133 Kilometern. Vor Ort wurde das Geläut aufgenommen und zugleich Material über die Geschichte von Markt, Pfarrei und Kirche zusammengetragen. Damit erhält Eslarn die Gelegenheit, sich mit einem seiner markantesten Wahrzeichen und zugleich mit einem ganz besonderen Stück Heimatgeschichte einem größeren Publikum vorzustellen.
Zweites „Mittagsläuten“ aus Eslarn
Bereits am 5. Mai 1957 war das „Mittagsläuten“ aus Eslarn zu hören. Damals befanden sich laut Pfarrer Udo Klösel noch nicht alle heutigen Glocken im Kirchturm. „Eine historische Aufnahme aus jener Zeit wurde leider nicht archiviert. Daher ist ein akustischer Vergleich zwischen dem damaligen und dem heutigen Geläut deshalb nicht mehr möglich.“ Umso bemerkenswerter ist es, dass nach fast sieben Jahrzehnten erneut die Glocken der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Bayerischen Rundfunk erklingen.
Die Idee dazu ging von Inge Kleber aus, die auch die notwendigen Verbindungen zum BR herstellte. Bei den Vorbereitungen zur aktuellen Aufnahme erhielt der BR örtliche Unterstützung. Armin Reinsch wurde unter anderem von Mesnerin und Pfarrgemeinderatssprecherin Agnes Härtl begleitet. Auch Kirchenpflegerin Nicola Hummer hat sich intensiv mit der Geschichte der Glocken beschäftigt.
Die Pfarrkirche prägt das Ortsbild
Hoch über dem Ortskern erhebt sich der markante Zwiebelturm der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Seit Jahrhunderten gehört die Kirche zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen des Marktes. Ihr Turm prägt die Silhouette Eslarns und weist zugleich auf die lange kirchliche Geschichte des Ortes hin. Nach den vorliegenden Angaben wurde die Pfarrei bereits im Mittelalter urkundlich erwähnt. Der Bayerische Rundfunk weist darauf hin, dass die Pfarrei vor genau 700 Jahren in den Geschichtsbüchern genannt wurde. Eslarn selbst kann auf eine mehr als 780-jährige Geschichte zurückblicken. Seit dem Jahr 1613 besitzt der Ort das Marktrecht.
Von der mittelalterlichen Kirche ist heute allerdings kaum noch etwas erhalten. Brände hatten dem ursprünglichen Gotteshaus immer wieder schwer zugesetzt. Deshalb begann im Jahr 1682 der Neubau der Pfarrkirche. Bereits 1685 war das neue Gotteshaus vollendet; die Weihe erfolgte 1689. Damit begann die Geschichte jener barocken Kirche, die bis heute das Ortsbild von Eslarn bestimmt.
Barocke Ausstattung und Veränderungen über die Jahrhunderte
Auch nach der Fertigstellung wurde die Kirche immer weiter ausgestattet. Um das Jahr 1700 erhielt sie einen Hochaltar. Im Jahr 1754 wurde eine Orgel angeschafft, später kam eine neue Kanzel hinzu. Die Arbeiten werden Amberger Meistern zugeschrieben.
Die Bildhauerarbeiten stammen nach den vorliegenden Angaben von Peter Hirsch, die Schreinerarbeiten von Peter Pacher. Erst 1775 erhielten Orgel und Kanzel durch den Amberger Kunstmaler Johann Wild ihre endgültige farbliche Fassung.
Die Geschichte der Pfarrkirche war allerdings auch von schweren Rückschlägen geprägt. Besonders einschneidend waren die großen Brände von 1831 und 1895. Beim Brand vom 1. Juli 1895 wurde auch der Altar zerstört. Noch im selben Jahr wurde deshalb ein neuer Hochaltar geplant, der bereits 1896 in der Kirche aufgestellt wurde. Im 20. Jahrhundert folgten weitere Veränderungen und Renovierungen. Vor allem die Innenrenovierung von 1967 veränderte den Kirchenraum nachhaltig. Der Hochaltar von 1896 wurde entfernt und in der Mitte des Presbyteriums ein neuer freistehender Altarstein aufgestellt.
Erhalten blieb dagegen der prachtvolle barocke Akanthusaltar an der Stirnseite des Presbyteriums. Er gehört bis heute zu den besonderen Blickpunkten der Kirche. Auch die Außenhülle des Gotteshauses wurde mehrfach erneuert. 1969 erfolgte eine umfassende Außenrenovierung, 1988 wurde unter anderem der morsche Dachstuhl erneuert. Eine weitere große Innenrenovierung folgte 1993.
So begegnen dem Besucher in Mariä Himmelfahrt heute Spuren mehrerer Jahrhunderte. Neben dem Akanthusaltar erinnern die barocken Zunftstangen aus dem Jahr 1722 und das historische Orgelgehäuse von 1757 an die lange Geschichte des Gotteshauses.
Fünf Glocken – fünf Geschichten
Besonders interessant wird die Geschichte der Pfarrkirche hoch oben im Glockenstuhl, der über eine hölzerne Wendeltreppe mit 111 Stufen erreichbar ist. Dort befindet sich ein fünfstimmiges Geläut, dessen Glocken aus unterschiedlichen Zeiten und von verschiedenen Glockengießereien stammen. Gerade diese Mischung macht das Eslarner Geläut zu einer Besonderheit. Die fünf Glocken repräsentieren mehrere Generationen des Glockengusses und verbinden unterschiedliche Orte und Gießereien miteinander.
Die Marienglocke
Die größte Glocke ist die Marienglocke. Sie wurde 1950 von Lorenz Klaus in Heidingsfeld gegossen; als Nachfolger wird Karl Czudnochowsky aus Erding genannt. Mit einem Gewicht von rund 1.100 Kilogramm ist sie die schwerste Glocke des Eslarner Geläuts. Ihr Klang liegt im Ton Es.
Die Josefsglocke
Die zweite Glocke ist die Josefsglocke. Sie stammt aus dem Jahr 1896 und wurde von den Gebrüdern Klaus in Heidingsfeld gegossen. Die Glocke bringt ungefähr 700 Kilogramm auf die Waage und erklingt im Ton F.
Die Barbaraglocke
Die dritte Glocke trägt den Namen Barbaraglocke. Sie wurde 1960 von Georg Hofweber in Regensburg gegossen. Mit etwa 600 Kilogramm Gewicht erklingt sie im Ton Ges.
Die Erzengel-Michael-Glocke
Die zweite Glocke ist die Erzengel-Michael-Glocke. Sie ist die jüngste der fünf Glocken und stammt aus dem Jahr 1989. Gegossen wurde sie von der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau. Die Glocke wiegt etwa 461 Kilogramm und erklingt im Ton As.
Die Wendelin-Glocke
Die kleinste Glocke ist schließlich die Wendelin-Glocke. Auch sie wurde 1896 von den Gebrüdern Klaus in Heidingsfeld gegossen. Sie wiegt rund 300 Kilogramm und erklingt im Ton B.
Zusammengenommen bringen die fünf Glocken damit rund 3,1 Tonnen auf die Waage. Drei Glocken stammen aus Heidingsfeld bei Würzburg, eine aus Regensburg und eine aus Passau. Zwischen der ältesten Glockengeneration von 1896 und der jüngsten Glocke von 1989 liegen fast hundert Jahre. Gerade diese unterschiedliche Herkunft, die verschiedenen Jahrgänge und die daraus entstehende Tonfolge verleihen dem Geläut seinen besonderen Charakter.
Die Glocken strukturieren den Tag
Für die Menschen in Eslarn sind die Glocken jedoch weit mehr als historische oder musikalische Zeugnisse. Ihr Klang gehört seit Generationen zum täglichen Leben. Das Angelus-Läuten erklingt morgens um 6 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends zwischen 17 und 21 Uhr, abhängig von der Jahreszeit. Jeden Freitag um 15 Uhr erinnert das Läuten an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Am Samstag um 14 Uhr wird mit dem sogenannten Feierabend-Läuten der Sonntag eingeläutet. Auch Gottesdienste und Andachten werden durch die Glocken angekündigt. Jeweils 15 und fünf Minuten vor Beginn wird geläutet.
Für unterschiedliche Gottesdienste und kirchliche Anlässe gibt es eine festgelegte Läuteordnung. An Werktagen kommt beim ersten Zusammenläuten die dritte Glocke zum Einsatz, beim zweiten Läuten erklingen die Glocken drei, vier und fünf. An Sonn- und Feiertagen beginnt das Zusammenläuten mit der zweiten Glocke; beim zweiten Läuten erklingen die Glocken zwei bis fünf. An Hochfesten eröffnet die große Marienglocke das Läuten. Anschließend erklingen alle fünf Glocken gemeinsam.
Eine besondere Bedeutung besitzt auch das Läuten bei der Wandlung. An Werktagen erklingt dazu die erste Glocke, an Sonn- und Feiertagen die zweite und an Hochfesten die dritte Glocke. Selbst in Momenten des Abschieds und der Trauer begleiten die Glocken die Menschen. Bei einem Sterbefall kann die kleinste Glocke etwa zehn Minuten lang als Sterbeglocke erklingen. Auch bei der Aussegnung und beim Gang zum Friedhof gibt es festgelegte Glockenkombinationen.
Ein Geläut als Spiegel der Ortsgeschichte
Damit erzählen die Glocken auf ihre eigene Weise auch die Geschichte der Gemeinde. Ihre Stimmen sind mit den unterschiedlichen Zeiten verbunden, in denen sie gegossen wurden. Die ältesten heute vorhandenen Glocken stammen aus dem Jahr 1896. Die jüngste Glocke kam 1989 hinzu. Dazwischen liegen beinahe hundert Jahre, in denen sich die Geschichte der Pfarrei und des Ortes ebenso verändert hat wie die Technik des Glockengusses. Die Glocken haben dabei nicht nur Gottesdienste angekündigt. Sie waren und sind Rufer durch den Tag. Sie erinnern an Gebet und Gottesdienst, an Sonn- und Feiertage, an besondere kirchliche Feste, aber auch an Krankheit, Tod und Trauer. Ihr Klang verbindet damit das Religiöse mit dem Alltäglichen.
Eslarn im „Mittagsläuten“ des Bayerischen Rundfunks
Mit der Aufnahme für den Bayerischen Rundfunk erhält dieses besondere Stück Eslarner Heimatgeschichte nun eine überregionale Bühne. Der freie BR-Mitarbeiter Armin Reinsch reiste dafür eigens aus Dietfurt an der Altmühl nach Eslarn – eine Strecke von rund 133 Kilometern. Vor Ort wurde das Geläut aufgenommen und zugleich Material über die Geschichte von Markt, Pfarrei und Kirche zusammengetragen. Die Sendung stellt nicht nur die fünf Glocken vor. Auch die Geschichte der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und ihre besonderen Kunstwerke werden in den Blick genommen. Dazu gehören insbesondere der barocke Akanthusaltar, die Zunftstangen und das historische Orgelgehäuse.
Der Bayerische Rundfunk stellt auf seiner Homepage inzwischen rund 1.340 Geläute vor. Der Schwerpunkt liegt auf Glocken aus der Mitte Bayerns, insbesondere aus dem Raum zwischen Ingolstadt, Eichstätt, Neumarkt in der Oberpfalz und Regensburg. Im Laufe der Jahre sind jedoch auch zahlreiche Geläute aus anderen Regionen und Ländern hinzugekommen. Nun gehört auch Eslarn zu dieser klingenden Sammlung.
Ein klingendes Stück Heimat
Das fünfstimmige Geläut von Mariä Himmelfahrt ist damit mehr als eine Zusammenstellung von fünf Bronzeglocken. Jede Glocke trägt ihren eigenen Namen, besitzt ihre eigene Geschichte und hat ihren eigenen Klang. Zusammen ergeben die fünf Stimmen ein Geläut, das Generationen miteinander verbindet.
Wenn mittags um 12 Uhr die Glocken über den Markt Eslarn erklingen, wird hörbar, welche Bedeutung die Pfarrkirche seit Jahrhunderten für den Ort besitzt. Sie ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern bis heute ein lebendiger Mittelpunkt des religiösen und gemeinschaftlichen Lebens.
Stolz auf dieses „Juwel Pfarrkirche“ ist besonders der leitende Pfarrer Udo Klösel, der seit 2025 die bestehende Pfarreiengemeinschaft Eslarn-Moosbach leitet.
So verbindet das „Mittagsläuten“ des Bayerischen Rundfunks Vergangenheit und Gegenwart: Die barocke Pfarrkirche erinnert an die lange Geschichte der Pfarrei, die Kunstwerke im Inneren erzählen von vergangenen Jahrhunderten – und hoch oben im Turm geben fünf Glocken dieser Geschichte ihre unverwechselbare Stimme. Eslarn ist damit im wahrsten Sinne des Wortes zu hören: als Marktgemeinde mit langer Geschichte, als traditionsreiche Pfarrei und als Heimat eines bemerkenswerten fünfstimmigen Geläuts.
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