Bockboanig: Lassts ma doch mei Ruah ...
Bockboanig: Lassts ma doch mei Ruah ...
Mitunter erfasst einem eine Phase tiefster Resignation – und dann will man schlicht und einfach nur seine gute alte bayerischer Ruah. So wie bei mir aktuell. Worüber soll man sich eigentlich noch aufregen? Was soll man machen, in den letzten Wochen hat sich – sehr diplomatisch ausgedrückt – wieder ein Berg an kognitiver Dissonanz aufgetürmt: man hat tatsächlich das Gefühl, dass die Menschheit nicht wirklich gescheiter wird. Aber vielleicht bin ja auch ich einfach der Depp. Schön wärs, wenns so einfach wäre, aber ich glaubs fast nicht.
Die Crux mit der Vernunft
Eine aktuelle Studie lüftet das Geheimnis des großen Erfolgs der AfD – die Menschen seien demokratieverdrossen. Eine wehrhafte Demokratie darf sich dem auch mal entgegensetzen! Aber was will man da noch sagen / anmerken / gegengranteln? Was soll man sich da eigentlich überhaupt noch aufregen?
Geistig & moralisch gleicht unsere Gesellschaft und Demokratie der guten alten Feinripp-Unterhose: Jeder darf mit seinen Dreckspfoten in den Eingriff fassen, sie riecht halt manchmal auch nicht mehr so frisch, die Bündchen sind etwas ausgeleiert und hinten ist der braune Streifen. Aber hergeben oder gar wegschmeissen? Das würden wir (bisher) niemals machen!
Die Vernunft liegt wie immer in der Mitte. Aber von der (sowohl Mitte wie auch Vernunft) haben wir uns leider schon längst verabschiedet. Hauptsache extrem und immer schön schäumen, so lautet die Devise.
Die einen sehen als essenzielle Maßnahme gegen islamischen Terrorismus in unseren Breiten die Umbenennung des Martinszugs in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest und die Weihnachts- in Wintermärkte sowie mehr Happy-Ramadan-Schilder, andere sterben fast vor Angst, mindestens eines ihrer Testikel zu verlieren, weil jemand gendert, schwul ist oder sich eher wie das andere Geschlecht fühlt.
Und selbstverständlich sind die Bürokratie und die Lohnnebenkosten hierzulande schuld daran, dass Audi jetzt (tränenüberströmt) für ihre SUV-Schützenpanzer ein Werk beim Agent Orange bauen muss. Diese Aufzählung liese sich mit bitterbösem ironisch-resigniertem Blick unendlich fortführen.
Gesellschaft, Bildung & Soziales
Mit diesen drei Begriffen ist im Grunde genommen ja schon alles gesagt, alles unnötiges Dedöns, das wir heute nicht mehr brauchen und werden durch das schwarz-rot-goldene Dreigestirn Neid, Missgunst und chronisch schlechte Laune abgelöst. Ganz wichtig ist dabei auch sofort eingeschnappt zu sein.
Relativ neu ist jetzt, dass man sich von seiner Regierung wie ein ungezogenes faules Kind maßregeln lassen muss. Das ist nicht schön, aber man kann im demokratischen Rahmen was dagegen machen. Das dauert halt und benötigt auch etwas Hirnschmalz. Oder kurz: Abgelehnt.
Ach ja, und die Sache mit der EU – das geht natürlich garnicht, da müssen wir unbedingt raus. „Wir lassen uns unseren Diesel doch nicht nehmen“, E-Mobilität, was für ein Schwachsinn. Selbstverständlich dazu das große Heulen in der Automobilindustrie, das das Arbeitsplätze kostet. Da jetzt die anderen Autobauer das ganz anders gesehen haben und mit inzwischen halbwegs bezahlbaren Modellen am Start sind. Überhaupt, die Arbeitsplätze, die uns von allen Seiten weggenommen werden…
Wir sind alle Gartenzwerge – nur nicht so nett!
Die „German Angst“ hat es inzwischen in den angloamerikanischen Sprachschatz geschafft, ist aber bei weitem keine neues Phänomen. Von Matin Luther („Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“) bis Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ steht das Thema bereits auf der Agenda. Und diese Seele verkaufen wir gerade, für nicht mal 30 Silberlinge.
Wir schwadronieren von Work-Live-Balance, Erholungsurlauben und Livestyle und scheissen uns dabei in jede Hose, die man uns hinhält.
Lass ma’s einfach bleiben!?
(Ja, mit Deppenapostroph, weils eh wurscht ist…)
Gibt es eigentlich einen Lösungsansatz für die Gesamtproblematik? Wäre es nur so einfach wie mit dem Klimawandel, der wird einfach als nichtexistent erklärt und fertig. Humor könnte uns doch helfen, denn „sie können uns alles nehmen, nur unseren Humor nicht!“ Na sauber, das erscheint gelinde gesagt wenig lösungsorientiert…
Warum das Ganze noch?
Und dann sieht man wieder die Kinder, die Ehrenamtlichen, die einen oder andere herzensguten Leutchen und die jungen Menschen, die vor Kurzem in die Ausbildung und ins Studium gestartet sind und denkt sich, dass es sich doch lohnt, weiterzumachen. Aber es pressiert, bevor uns der ganze Laden um die Ohren fliegt.
Okay, pack mas an, weiter gehts!




