Rehkitzrettung NEW-WEN: Erfolgreiche fünfte Rettungssaison
Rehkitzrettung NEW-WEN: Erfolgreiche fünfte Rettungssaison
Bis zu neun Einsätze an einem Tag bewältigten die ehrenamtlichen Rettungsteams. Vorsitzender Stefan Radies und der Disponent präsentieren stolz die beeindruckende Bilanz: „Wir haben in den letzten Wochen auf 972 Wiesen insgesamt 2.237 Hektar abgeflogen! Damit konnte die Fläche im Vergleich zum Vorjahr nochmals leicht gesteigert werden. Die ehrenamtlichen Drohnenpiloten, Spotter und Träger waren meist sehr früh am Morgen unterwegs und auch bei kurzfristigen Aufträgen äußerst flexibel. Insgesamt kamen so in zwei Monaten über 3.000 Helfer- und Dispostunden zusammen! Alle waren hochmotiviert und haben sich über jedes gerettete Tier gefreut“.
Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägerschaft
Auch wenn nicht bei jedem Einsatz Kitze gefunden wurden, konnte das Absuchen mit den Drohnen den Landwirten die Sorge vor dem Übermähen von Rehkitzen nehmen. Der Vereinsvorstand betont, dass die Zusammenarbeit mit Landwirten, Jagdpächtern und allen anderen Beteiligten dem Verein sehr wichtig sei.
Öffentlichkeitsarbeit und Termine
Aber auch abseits von Wiesen ist der Verein aktiv: Um die Rehkitzrettung noch bekannter zu machen, waren Vereinsmitglieder beispielsweise bei der Veranstaltung „OSchnitthalle Kunterbunt“ in Wurz und beim Waldkinderfest in Grafenwöhr-Bierlohe mit einer Drohnenvorführung und einem Infostand vertreten. Besonderes Highlight war ein Vormittag an der FOS/BOS Weiden im Februar mit Vorträgen rund um das Thema Ethik und Tierschutz mit über 250 interessierten Schülerinnen und Schülern.
Auch in den nächsten Monaten wird der Verein nicht untätig sein. So sind unter anderem ein Helferfest, weitere Schulungen, Infoveranstaltungen und die Jahreshauptversammlung geplant. Auch beim Erntedankmarkt in Neustadt/WN ist der Verein wieder mit dabei. Die Termine, schöne Fotos von den Rettungsaktionen und viele weitere Infos befinden sich auf der Homepage des Vereins www.rehkitzrettung-new-wen.de.
Hintergrund
Rehkitze kommen im Frühjahr zur Welt. Die ersten Lebenswochen verbringen sie meist gut versteckt in hohem Gras, während die Mütter auf Futtersuche sind. In fast allen Wiesen sind Rehkitze versteckt, insbesondere in der Nähe von Wäldern.
Bei Gefahren laufen sie nicht davon, sondern ducken sich instinktiv noch tiefer in die Wiese. Für den Schutz vor Fressfeinden ist das sinnvoll, denn sie verfügen noch über keinen Eigengeruch und werden so meist nicht gefunden. Dieser Instinkt hat aber schreckliche Folgen, wenn die Landwirte dann das erste Mal mit ihren riesigen Maschinen mähen. Die Rehkitze werden übermäht und sind entweder gleich tot oder sie sind schwer verletzt und sterben dann grausam.
Im Gebiet des Landkreises NEW und der Stadt Weiden fallen der Wiesenmahd hunderte Rehkitze in diesem kurzen Zeitraum im Jahr zum Opfer. Bei einer späteren Mahd ab Juli besteht das Problem meist nicht mehr, weil die Rehe dann groß genug sind und selbst flüchten. Um den Tod der Rehkitze zu verhindern, sind Landwirte verpflichtet, ihre Wiesen vor der Mahd abzusuchen oder andere geeignete Maßnahmen zu treffen. Obwohl das auch im wirtschaftlichen Interesse der Landwirte ist, da Tierkadaver das Gras als Futtermittel gefährlich verunreinigen, ist die Suche ohne viele Helfer und Drohnen mit Wärmebildkamera nicht effektiv und somit ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.
Wärmebilddrohnen im Einsatz
Die Wärmebilddrohnen erkennen den Temperaturunterschied der warmen Tierkörper im Vergleich zur kühleren Umgebung. Auch deshalb finden die Suchaktionen meist in den sehr frühen Morgenstunden statt. Die sogenannten „Spotter“ erkennen die Kitze auf dem Monitor und lotsen die „Träger“ per Funk zu den Tieren. Diese Helfer tragen die Rehkitze aus der Wiese und sichern sie in Körben bis nach dem Mähen.
Verein und Mitglieder
Im Jahr 2021 gründete sich im Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden der neue Verein: Als „Rehkitzrettung NEW-WEN e. V.“ fanden sich engagierte Tierschützer, Drohnenpiloten, Jäger, Landwirte und andere Naturfreunde zusammen, um Rehkitze und andere Wildtiere vor einem grausamen Tod zu bewahren. Während andere Vereine mit Mitgliederschwund zu kämpfen haben, scheinen die Initiatoren hier einen Nerv getroffen zu haben, denn der junge Verein zählt bereits über 180 Mitglieder, darunter auch Organisationen wie der Maschinenring, der Bauernverband, der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, der Landkreis NEW und die Stadt Weiden.
Infos
Weitere Infos, Mitgliedsanträge und so weiter unter www.rehkitzrettung-new-wen.de beziehungsweise info@rehkitzrettung-new-wen.de.

Podcast Landleben neu denken: Rehkitzretter, Jäger und Blaulicht-Helfer – Stefan Radies schnappt sich das Mikro
Neustadt/WN. Ideen und Geschichten, Tipps, Erlebnisse und Perspektiven - dafür steht der Podcast „Landleben neu denken“. Mit Stefan Radies übernimmt ein ganz besonderer Macher aus dem Landkreis das Mikro.
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