OberpfalzECHO-Netzwerkveranstaltung (2): Aktien als Kapitalanlage
OberpfalzECHO-Netzwerkveranstaltung (2): Aktien als Kapitalanlage
Lässt sich Privatvermögen langfristig mit Aktien als Kapitalanlage vermehren, ohne unnötig große Risiken einzugehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der ersten OberpfalzECHO-Netzwerkveranstaltung im Gartencenter Steinhilber. Nach dem Blick auf Immobilien von Oliver Ludwig (City Immobilien GmbH Weiden) rückte mit Dr. Matthias Bernhardt aus Grafenwöhr die Börse in den Mittelpunkt. Der Finanzexperte erklärte, weshalb Aktien trotz zeitweiliger Kurseinbrüche für den langfristigen Vermögensaufbau interessant bleiben – und warum Disziplin wichtiger sein kann als der perfekte Einstiegszeitpunkt.
Drei Perspektiven auf das private Vermögen
Mehr als 150 Gäste waren der Einladung von OberpfalzECHO, Wirtschaftsbeirat Bayern (Nordoberpfalz), Mittelstandsunion Nordoberpfalz und Wirtschaftsclub Nordoberpfalz gefolgt. Im Café der Gärtnerei Steinhilber diskutierten sie über renditestarke Anlagestrategien. Prof. Michael Hauer von der OTH Amberg-Weiden moderierte die Veranstaltung. Drei Referenten beleuchteten Immobilien, Aktien und Gold als unterschiedliche Bausteine einer Vermögensstrategie.
Den Auftakt machte Oliver Ludwig von der City Immobilien GmbH mit den Chancen und Risiken von Immobilieninvestitionen. Sein Vortrag zeigte anhand konkreter Beispiele aus Weiden, wie stark Sachwerte im Laufe der Jahrzehnte steigen können, aber auch, welche Kosten und Verpflichtungen Eigentümer tragen. Der bereits veröffentlichte Beitrag „Immobilien als Kapitalanlage: Chancen, Renditen und Risiken im Blick“ schildert diese Perspektive ausführlich.
Dr. Matthias Bernhardt ergänzte sie um die Frage, was Unternehmen und Aktienmärkte zum Vermögensaufbau beitragen können.
Inflation: Wenn das Geld schleichend an Wert verliert
Wie stark Kaufkraftverlust im Alltag spürbar wird, veranschaulichte Bernhardt mit einem Fußballtrikot: Kostete das Nationalmannschaftstrikot 2004 noch etwa 65 Euro, waren 2024 bereits rund 100 Euro fällig. Wer sein Geld ausschließlich unverzinst zurücklegt, kann sich dafür nach Jahren weniger kaufen. Aktien bieten dagegen die Möglichkeit, an Gewinnen und Wachstum von Unternehmen teilzuhaben.
Nach den im Vortrag genannten Zahlen investieren mittlerweile rund 14,1 Millionen Menschen in Deutschland in Aktien oder Aktienfonds. Dennoch bleibt die Skepsis groß. Gerade starke Kursbewegungen verunsichern Menschen, die bislang vor allem auf Sparbuch und Tagesgeld setzen. Entscheidend sei deshalb, Chancen und Risiken über längere Zeiträume zu betrachten.
Börsencrashs gehören zur Geschichte
Bernhardt verschwieg die Schattenseiten keineswegs. Zwischen 1929 und 1932 verlor der Dow Jones zeitweise rund 89 Prozent. Beim Platzen der Technologieblase von 2000 bis 2002 brach der Nasdaq um etwa 78 Prozent ein. Während der Finanzkrise 2007 bis 2009 fiel der S&P 500 um rund 57 Prozent. Solche Zahlen zeigen, wie schmerzhaft Aktienanlagen kurzfristig sein können.
Breit gestreute Aktienmärkte haben sich von historischen Krisen langfristig wieder erholt. Das bedeutet jedoch weder, dass jede Aktie zurückkehrt, noch dass vergangene Erträge künftige Gewinne garantieren. Einzelne Unternehmen können dauerhaft scheitern. Wer Geld zu einem festen Termin benötigt, muss deshalb besonders sorgfältig abwägen, welchen Anteil er überhaupt an der Börse anlegt.
Emotionen sind oft der größte Gegner
Einprägsam war Bernhardts Verweis auf den Physiker Isaac Newton. Dieser verlor bei der Spekulation mit Aktien der Südseegesellschaft viel Geld. Ihm wird der Satz zugeschrieben, er könne die Bewegung der Himmelskörper berechnen, nicht aber den Wahnsinn der Menschen. Die Anekdote verdeutlicht, wie leicht selbst kluge Köpfe von Euphorie und Angst erfasst werden.
Wer erst nach kräftigen Kursanstiegen einsteigt und bei fallenden Preisen panisch verkauft, riskiert ungünstige Entscheidungen. Bernhardt plädierte deshalb für nachvollziehbare Regeln statt spontaner Reaktionen auf Schlagzeilen. Eine langfristige Strategie muss auch dann tragfähig bleiben, wenn die Börse zwischenzeitlich deutlich nachgibt.
Streuung und regelmäßige Kontrolle
In seiner Dr. Bernhardt Finanzplanungs GmbH setzt Bernhardt auf computergestützte Analysen und eine regelmäßige Überprüfung der Anlagestrategie. Portfolios werden nach seinen Angaben quartalsweise betrachtet. Dabei geht es nicht darum, jede kurzfristige Marktbewegung vorherzusagen. Vielmehr sollen Risiken erkannt, Gewichtungen überprüft und Entscheidungen systematisch getroffen werden.
Eine wichtige Rolle spielt die Streuung über verschiedene Unternehmen, Branchen und Regionen. Auch breit aufgestellte Fonds können dazu beitragen, das Risiko einzelner Firmen zu begrenzen. Vollständig ausschalten lassen sich Börsenverluste dadurch allerdings nicht. Ebenso wichtig sind ein ausreichender finanzieller Puffer, ein realistischer Anlagehorizont und die persönliche Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten. Gerade für Einsteiger kann ein regelmäßiger Sparplan helfen, Investitionen zeitlich zu verteilen. Er verhindert zwar keine Verluste, macht aber den Einstieg weniger abhängig von einem einzelnen Börsentag. Auch Gebühren und Steuern beeinflussen das Ergebnis und sollten vor jeder Anlageentscheidung berücksichtigt werden.
Aktien ergänzen Immobilien und Gold
Die OberpfalzECHO-Netzwerkveranstaltung machte deutlich, dass keine Anlageklasse sämtliche Erwartungen erfüllen kann. Immobilien können Mieteinnahmen ermöglichen, binden aber viel Kapital. Gold wird häufig als Krisenreserve betrachtet, wirft selbst jedoch keine laufenden Erträge ab. Aktien eröffnen Beteiligungen am wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen, verlangen dafür Geduld und Risikobewusstsein.
Bernhardts Fazit fügte sich damit in die gemeinsame Botschaft des Abends ein: Nicht die Suche nach der einen perfekten Geldanlage steht im Vordergrund, sondern eine ausgewogene Mischung. Welche Rolle Aktien darin übernehmen, hängt von Lebenssituation, Zielen und finanziellen Möglichkeiten ab. Wer langfristig plant, breit streut und sich nicht von jeder Schlagzeile treiben lässt, schafft eine belastbarere Grundlage für den eigenen Vermögensaufbau. Die Diskussion mit den Gästen bot Gelegenheit, unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen an eine solide private Vorsorge miteinander zu vergleichen.




