Bockboanig: Samma denn alle nur noch Vollpfosten?
Bockboanig: Samma denn alle nur noch Vollpfosten?
Ein halbwegs solidarisches Miteinander, „der Starke hilft dem Schwachen“ oder gar der Einsatz eines freundlichen Lächelns – die Älteren von uns werden sich vielleicht daran erinnern, so ging es weiland tatsächlich bei uns zu. Vergessen wir den ganzen Käse mit dem Anstand als Speerspitze eines funktionierenden Miteinanders. Eigentlich ist das schon schade, aber wenn keiner mitmacht, dann geht es eben nicht.
Also Schwamm drüber, ist rum, Anstand, Moral & Bildungsnähe sind geschliffen, angefangen hat der Niedergang bereits in den Juppie-Nullerjahren („Nur Verlierer machen Mittagspause“) und führt bis zum aktuellen Nöhlen, Wehklagen und ganz viel Weinen. Wem von uns geht es deshalb nicht so – manchmal möchten man doch mit einer abgerissenen Zaunlatte einen Anstand in so manchen Schädel hineinprügeln?
Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!
Adolph Freiherr Knigge
Was lehrte uns der große Aufklärer Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge nicht alles? Sein Appell zum anständigen Miteinander ist inzwischen leider verpufft – ich neige sogar dazu, inzwischen von einer „degenerierten Gesellschaft“ zu sprechen.
Oder kurz: Der Laden fliegt uns um die Ohren und jeder trägt seinen Teil dazu bei!
Selbst die, die sich zumindest ein Quäntchen Restanstand und -moral bewahrt haben, sind den Kampf gegen Windmühlen schön langsam leid. Schon längst hat die große Stunde der substanzlosen Polterer, Geiferer und eben Vollpfosten geschlagen.
Wehe dem Widerporst!
Aber wehe dem, der kritisiert – der empörte Aufschrei, das sich auf dem Boden wälzen sowie Heulen ob des Unbills des Daseins lassen jeden Fußballprofi, bei dem „ein Kontakt stattgefunden hat“, vor Neid erblassen. Die einen fühlen sich durch kulturelle Aneignung & Co. belästigt, die anderen echauffieren sich über Genderwahn und dass man „das ja in Deutschland nicht mehr sagen darf“. Und all die Wärmepumpengegner, Dieselfetischisten und gar Verdrossenen nölen einfach blanko mit. Frei nach Erwin Pelzig – hauptsach‘ das Maul wackelt.
Dazwischen stehen irgendwo die normalen Leute und warten auf die Möglichkeit eines respektvollen, differenzierten Diskurses – süß, oder? „Lerne den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in der du dich befindest“, leider irrte hier der weise Freiherr, aber damals gab es ja auch noch kein Social Media.
Leben zwischen Schildbürgern und Gartenzwergen – Gedankensplitter
- Die Chinesen lachen sich sauber eins – so sieht also der große Wurf unserer Automobilindustrie aus – Audi hat mit dem Q9 einen Schützenpanzer mit Straßenzulassung für den amerikanischen und chinesischen Markt herausgebracht. Leider gibt es die Megavariante mit 600 PS nicht in Deutschland – hier gibt es das Vernunftmobil als Diesel. Nimm das, Wärmepumpe!!!
- Was ja nie fehlen darf, ist der schwarz-rot-goldene Blick unter die Bettdecke, es geht doch immer nur darum – wer was mit wem treibt. Einst eine Spezialität der katholischen Kirche ist das inzwischen – gerade wenn wieder CSD-Zeit ist – Volkssport. Denn der dt. Michel und die nicht weniger dt. Michaela wissen natürlich, dass es im Jahr genau eine Millionen Einheiten Sex gibt, keine einzige mehr. Wenn dann beispielsweise zwei Burschen diese Kontingent über Maß beanspruchen, bleibt zu wenig für die Familie Gartenzwerg über. Anders lässt sich das eigentlich nicht erklären, sonst würde man doch einfach sagen „Ja mei, wenns ihnen Freude macht, was gehts mich an.“
- Dieser Gianni Infantino ist doch sowar von unmoralisch und geldgeil. Niemals würden ich oder meine Landleute so tief sinken. Außer wenn es Payback-Punkte gibt. Oder die zweite Kasse aufmacht. Und selbstverständlich, wenn einer mehr bekommt als man selbst – aber das ist es ja nicht infantil(o), sondern gerecht, schließlich heisst es ja auch „Einigkeit und Recht und Freiheit“.
- Was sind wir doch keck und pfiffig – von wegen keinen Humor – wir Deutschen finden so vieles lustig. Mal das Netz gefragt: Was ist typisch deutscher Humor? Die Antwort:
„Als typische Form des deutschen Humors gilt dabei der Antiwitz. Diese Art des alternativen Humors beruht auf einer absichtlich nicht lustigen Pointe, die das Publikum in seiner Erwartung enttäuscht und dadurch komisch wirkt.“
Die einen liefern alternative Fakten, wir haben alternativen Humor. Da geht was!
Und noch ein paar persönliche Synapsenknaller:
- Wir radeln fröhlich in unserem Hamsterrad und lachen die Influenzer, die ein Vielfaches unseres Gehalts verdienen, aus.
- Dem Bücherwurm grauts vor dem Literaturherbst – welche zarten Bändchen schaffen es in die Preis- und Bestsellerlisten?
- Wäre ich als als alter, weisser Mann zumindest halbwegs glaubwürdig, wenn ich als Toleranzbekenntnis angeben würde, dass mir in Grunde genommen alles wurscht ist und ich nur meine Ruhe haben will?
- Apropos Männer (aller Farbschattierungen): Eine urologische Studie hat ergeben, dass einem nicht das Geschlechtsteil abfällt, wenn man zugibt, dass eine Frau vielleicht etwas gleich gut oder sogar besser kann. Die Studie wanderte selbstverständlich in die gleiche Schublade, in der schon der Entwurf eines erschwinglichen E-Mobils wartete.
- Wer erklärt mir eigentlich ständig die Welt, das Leben, mein tiefstes Innerstes? Und waum passt diese Weisheit immer genau in ein Reel?
- Interessant, dass gerade die, die die Schleifung der Arbeitnehmerrechte gutheissen, häufig das 13. und 14. Gehalt für ein Menschenrecht halten.
- In der Debatte über Bürgergeldempfänger taucht nun unter großem Applaus wieder der Agenda 2010-Bastard „zumutbare Arbeit“ auf. Warum haben die Dreckszeitarbeitsfirmen eigentlich eine stärkere Lobby als die Gewerkschaften?
Doch now, frei nach Monty Python, to something completely different…
… and the Winner is …
Wer bekommt denn jetzt, passend zum Titelbild, den Goldenen Vollpfosten? Ich verleihe ihn mir einfach selber und hau ihn mir über das kahle Haupt. Kann ja alles nicht so schmerzhaft sein wie der Blick auf unsere Gesellschaft.
Enden wir mit dem edlen Freiherren:
„Handle weniger anderen zu gefallen, als um Deine eigene Achtung nicht zu verscherzen, gut und anständig!“




