Burschenverein Raigering: Zwischen Wandel und gelebter Tradition

Burschenverein Raigering: Zwischen Wandel und gelebter Tradition
Die Raigeringer Kirwa befindet sich im Wandel. Wer das traditionsreiche Kirchweihfest aus früheren Jahrzehnten kennt, erinnert sich an eine Veranstaltung, die weit über die Grenzen Raigerings hinaus bekannt war. Einst galt die „Racheringer Kirwa“ als größte Traditionskirchweih der Oberpfalz. Fernsehsendungen berichteten über das Fest, und sogar im Rahmenprogramm der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Film über die Raigeringer Kirwa gezeigt. Der Vergnügungspark mit Autoscooter, Kettenkarussell und Schießbuden brachte dem Fest zeitweise sogar den Beinamen „Kleine Dult“ ein.
Historische Wurzeln der Raigeringer Kirwa bis 1907
Doch die Zeiten haben sich geändert. Bereits vor der Corona-Pandemie begann die damals veranstaltende Brauerei, sowohl die Zahl der Sitzplätze als auch die der Fahrgeschäfte zu reduzieren. Dem Fest geschadet hat das nicht unbedingt. Vielmehr ist in den vergangenen Jahren deutlicher geworden, was den eigentlichen Kern der Raigeringer Kirwa ausmacht: die Pflege eines jahrhundertealten Brauchtums.
Bewährtes Musikprogramm an den Festtagen
Dafür steht seit nahezu 120 Jahren hauptsächlich der Burschenverein 07 Raigering. Generation für Generation sorgen junge Raigeringer dafür, dass die überlieferten Bräuche rund um die Kirchweih erhalten bleiben. Vieles wird noch heute so ausgeführt, wie es bereits zu Zeiten der Ur-Ur-Großväter üblich war. Lediglich einige Kleinigkeiten wurden im Laufe der Jahrzehnte angepasst – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen.
Kirwa-Vorbereitungen in Handarbeit
Dass diese Tradition tatsächlich mindestens bis zur Gründung des Burschenvereins im Jahr 1907 zurückreicht, ist sogar schriftlich belegt. Im ersten erhaltenen Kassenbuch des Vereins finden sich bereits im Gründungsjahr Ausgaben für die Raigeringer Kirwa.
Kirwabaum-Aufstellen als Publikumsmagnet
Auch organisatorisch brachte die diesjährige Kirchweih Veränderungen. Erstmals trat die Brauereigaststätte „Sparta 300“ als Veranstalter auf und sorgte besonders an den ersten drei Kirwa-Tagen mit einem neuen Musikprogramm für frischen Wind. Ein DJ und griechische Klänge auf einer bayerischen Kirchweih dürften für manchen Traditionsfreund zunächst noch etwas gewöhnungsbedürftig gewesen sein.
Tanz der Kirwapaare und prominenter Besuch
An den weiteren Festtagen setzte der Veranstalter dann wieder auf Bewährtes. Am Samstag spielten die D’Bacherl Musikanten, am Sonntag begleiteten die Tanngrindler Musikanten die Kirwapaare und am Montag sorgten „Die 6 Lustigen Fünf“ für die musikalische Unterhaltung.
Zwischen Neuerungen und Beständigkeit
Eine Premiere gab es auch beim Burschenverein 07 Raigering. Erstmals trug der neue Erste Vorstand Bastian Grünwald die Verantwortung für die Organisation der Kirwa. Dabei war vorrangig die Motivation der vergleichsweise kleinen Arbeitertruppe gefragt. Wenige Hände mussten kräftig zupacken, damit alle Vorbereitungen rechtzeitig abgeschlossen werden konnten.
Raigeringer Kirwa im Wandel: Handwerk und Teamgeist
Dazu gehörte auch eine Arbeit, die andernorts längst Maschinen übernehmen würden: das Graben des Baumlochs auf dem Festplatz – mit Spaten und Pickel.
Ein 34 Meter hoher Kirwabaum
Der Kirwabaum selbst kam heuer aus dem „Goaßwinkel“ im Stadtwald. Stolze 34 Meter maß der Baum, den Oberbürgermeister Michael Fritz stiftete. Michael Wischert übernahm das Umschneiden, Benjamin Erras den Transport nach Raigering.
Aufstellen mit Schwalben: traditionelle Technik
Am Samstag folgte dann einer der Höhepunkte der Kirchweih. Unter der Leitung der beiden Baumcappos Stefan Nübler und Sebastian Biehler brachten rund 70 Helfer den mächtigen Baum in die Höhe. Rund fünf Stunden dauerte die schweißtreibende Arbeit.
Gelebtes Brauchtum: Der Kirwabaum als Symbol
Wie seit Generationen wurde der Kirwabaum ausschließlich mit sogenannten „Schwalben“ aufgerichtet. Dabei handelt es sich um zusammengebundene Holzstangen, mit denen der Baum Stück für Stück nach oben gedrückt wird. Gerade dieses traditionelle Aufstellen gehört zu den Bildern, die die Raigeringer Kirwa bis heute unverwechselbar machen.
Kirwapaare begeistern das Publikum
Am Sonntag gehörte der Platz rund um den Kirwabaum dann den 17 Kirwapaaren. Voller Stolz tanzten sie den Baum aus und präsentierten damit einen weiteren Höhepunkt des überlieferten Kirchweihbrauchtums. Unter den begeisterten Zuschauern war auch Raigerings international bekanntes Topmodel Barbara Meier, die den Tänzerinnen und Tänzern kräftig Beifall spendete.
Premiere beim Geldbeutelwaschen
Und selbst beim traditionellen Abschluss der Kirwa gab es heuer noch eine Premiere. Beim Geldbeutelwaschen übernahm erstmals Florian Hiltl das Amt des „Hochwürden“ und führte damit eine weitere der besonderen Raigeringer Kirwatraditionen fort.
Fazit: Stärke aus gelebtem Brauchtum
So zeigt die Raigeringer Kirwa heute zwei Gesichter. Das Fest drumherum verändert sich, wird kleiner, probiert Neues aus und passt sich der Zeit an. Doch dort, wo es um das eigentliche Brauchtum geht, bleibt vieles erstaunlich beständig.
Vielleicht liegt gerade darin die Stärke der „Racheringer Kirwa“: Sie muss nicht mehr die größte Kirchweih der Oberpfalz sein, um etwas Besonderes zu bleiben. Solange junge Raigeringer bereit sind, mit Spaten und Pickel ein Baumloch zu graben, einen 34 Meter langen Baum ohne technische Hilfe aufzurichten und die überlieferten Bräuche ihrer Vorfahren weiterzutragen, lebt die Tradition weiter.
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