Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
ARV Oberpfalz
ARV Oberpfalz

Ein Bollwerk für die letzten Steinkrebse

Falkenstein. Im FFH-Gebiet Bachtäler im Falkensteiner Vorwald sichern seit Anfang September zwei neue Krebssperren einen der letzten Steinkrebsbestände der Oberpfalz. Behörden und Fachstellen handelten im Eilverfahren.

Ein Bollwerk für die letzten Steinkrebse

Foto: LfU, D. Krapfenbauer

In der Oberpfalz gibt es nur noch sehr wenige Bestände der stark bedrohten einheimischen Steinkrebse. Mit vereinten Kräften wurden nun Maßnahmen ergriffen, um eine wertvolle Population in einem Natura-2000-Schutzgebiet zu bewahren. Es wurden zwei Barrieren gebaut, um die heimischen Steinkrebse zu schützen. Die Krebssperren verhindern, dass invasive Flusskrebsarten einwandern und die gefährliche Krebspest übertragen. In Bayern gibt es zwei einheimische Flusskrebsarten, den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und den Edelkrebs (Astacus astacus). Die Bestände beider Arten sind stark bedroht und gehen immer weiter zurück, wenn nicht Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden.

Gemeinsamer Einsatz von Behörden und Fachstellen

Um die letzten Rückzugsräume des Steinkrebses in der Oberpfalz vor der Zuwanderung invasiver Flusskrebse aus der Donau zu schützen, fand Mitte Juni ein Ortstermin im FFH-Gebiet „Bachtäler im Falkensteiner Vorwald“ statt. Daran beteiligt waren die Regierung der Oberpfalz, die Untere Naturschutzbehörde Regensburg, das Bayerische Landesamt für Umwelt, die Fachberatung für Fischerei Oberpfalz, das Wasserwirtschaftsamt Regensburg sowie die Muschelkoordinationsstelle der TUM. Gemeinsam wurden mögliche Schutzmaßnahmen beraten, offene Fragen geklärt und Zielkonflikte erörtert.

Dank der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten in Rekordzeit zwei Krebssperren in den örtlichen Fließgewässern installiert werden. Die verblechten Abstürze im Gewässer sollen verhindern, dass die invasiven Flusskrebse schwimmend oder kletternd die physischen Barrieren überwinden. Diese beiden Krebssperren stellen die ersten ihrer Art in der Oberpfalz dar. Krebssperren schützen aber nicht nur die einheimischen Flusskrebse, sondern auch andere aquatische Bewohner vor den schädlichen ökologischen Auswirkungen invasiver Flusskrebsarten.

Seltene Steinkrebse und Flussperlmuscheln profitieren

In der Oberpfalz ist die Gefährdungslage besonders gravierend. Einer der letzten wenigen Steinkrebsbestände liegt hier im FFH-Gebiet „Bachtäler im Falkensteiner Vorwald“. Dort teilen sie sich den Lebensraum mit den ebenso seltenen und geschützten Flussperlmuscheln (Margaritifera margaritifera). Um zusätzlich das Habitat der Steinkrebse und Flussperlmuscheln aufzuwerten, werden Teillebensräume durch das WWA und die Forstverwaltung Thurn & Taxis wieder verbunden, um die Durchgängigkeit für Wirtsfische der Muscheln wiederherzustellen.

Eine weitere wichtige Säule zum Schutz der Steinkrebse ist die Sensibilisierung der Bevölkerung. Um den wertvollen Lebensraum und seine stark bedrohten Bewohner bewahren zu können, sollten auf keinen Fall Krebse – egal welcher Art – oberhalb der Sperren ausgesetzt werden. Auch einheimische Individuen unterhalb der Sperre könnten bereits mit der Krebspest infiziert sein und schlimmstenfalls bei einem Umsetzen den gesamten Bestand der Steinkrebse oberhalb zum Erlöschen bringen.

Invasive Arten und Krebspest als größte Bedrohung

Seit der ersten Einfuhr invasiver Krebsarten nach Europa vor mehr als 150 Jahren kam es zu immer noch anhaltenden, massiven Einbrüchen einheimischer Krebsvorkommen. Auf Basis der uns vorliegenden Daten hat sich allein in den letzten 20 Jahren die Anzahl der bekannten verbliebenen Vorkommen noch einmal halbiert. Eine der Hauptursachen hierfür liegt in der immer noch stattfindenden Ausbreitung invasiver Flusskrebsarten und der von ihnen übertragenen Krebspest. Diese Tierseuche wird von den gegen die Krankheit immunen invasiven Arten übertragen und ist für die einheimischen Krebsarten tödlich.

Grammer Solar
Grammer Solar

Was tun, wenn man in einem hitzebedingt beinahe trockenen Bachlauf Krebse findet? Unbedingt die lokalen Behörden wie das Wasserwirtschafts- oder Landratsamt einbinden oder gegebenenfalls auch Feuerwehr oder Polizei informieren. Generell darf nur der Fischereirechtsinhaber die Tiere umsetzen. Bei nicht fachgerechten Rettungsaktionen besteht die Gefahr, unbeabsichtigt größeren Schaden anzurichten oder oben genannte Krankheiten zu verschleppen.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!