Diplomatisches Handeln gegen die Judenverfolgung: Gedenkveranstaltung auf Burg Falkenberg
Diplomatisches Handeln gegen die Judenverfolgung: Gedenkveranstaltung auf Burg Falkenberg
Anlässlich des Todestages des ehemaligen Burgherrn Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg lädt das Forum Falkenberg – Freunde der Burg e. V. am Sonntag, 15. November 2026, um 18 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung in das Veranstaltungs- und Tagungszentrum der Burg Falkenberg ein. Im Mittelpunkt steht ein Vortrag von Prof. Dr. Dr. Stefan Piasecki unter dem Titel „Diplomatisches Handeln gegen die Judenverfolgung“.
Der Wissenschaftler widmet sich seit Jahren intensiv der Erforschung des Lebens und Wirkens des früheren deutschen Diplomaten und Burgherrn von Falkenberg. Durch die Auswertung umfangreicher historischer Dokumente gelingt es ihm immer wieder, bislang unbekannte Zusammenhänge und neue Erkenntnisse über Schulenburgs diplomatisches und politisches Handeln ans Licht zu bringen.
Diplomaten im Widerstand gegen die Verfolgung
In seinem diesjährigen Vortrag richtet Piasecki den Blick auf eine bislang wenig beachtete Form des Widerstands gegen die nationalsozialistische Verfolgungspolitik: den Einsatz diplomatischer Möglichkeiten zum Schutz jüdischer Menschen.
Im Mittelpunkt stehen zwei Diplomaten: der Iraner Abdol-Hossein Sardari, der im deutsch besetzten Paris jüdische Familien vor Verhaftung und Deportation zu bewahren versuchte, und Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg. Sardari nutzte diplomatische Schutzpapiere und die Widersprüche der nationalsozialistischen Rassenideologie, um Verfolgten zu helfen. Unterstützung erhielt er dabei auch von deutschen Diplomaten. Schulenburg setzte sich 1943 für eine Sonderbehandlung iranischer Juden ein.
Einblicke in bislang wenig beachtete Akten
Der Vortrag zeichnet anhand bislang wenig beachteter Akten des Auswärtigen Amtes und der deutschen Militärverwaltung in Frankreich nach, welche Handlungsspielräume Diplomaten innerhalb des nationalsozialistischen Systems besaßen, wie sie diese nutzten und welche persönlichen Risiken damit verbunden waren.
Schulenburg und der 20. Juli 1944
Schulenburg, der als deutscher Botschafter in Moskau tätig gewesen war, schloss sich später oppositionellen Kreisen um den 20. Juli 1944 an. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 10. November 1944 hingerichtet.
Einen besonders eindringlichen Abschluss findet die Gedenkveranstaltung mit der Verlesung aus den überlieferten Prozessaufzeichnungen zum Todesurteil gegen Schulenburg. Sie verdeutlichen, mit welcher Härte die nationalsozialistische Justiz eigenständiges politisches Denken und Handeln verfolgte.
Erinnerung und Bedeutung
Mit der Veranstaltung erinnert das Forum Falkenberg an den ehemaligen Burgherrn und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte des diplomatischen Handelns während der NS-Zeit.
Veranstaltungsinformationen
Sonntag, 15. November 2026, 18 Uhr
Veranstaltungs- und Tagungszentrum Burg Falkenberg
In der Schwaige 3, 95685 Falkenberg
Veranstalter: Forum Falkenberg – Freunde der Burg e. V.
Parkmöglichkeiten bestehen im Graf-Schulenburg-Weg sowie am Marktplatz in Falkenberg.
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