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Immer auf der Sonnenseite: Energiewende in Deutschland – Erfolg oder Misserfolg?

Amberg. In seiner Kolumne bewertet Siegfried Schröpf die Energiewende und kontert Kritik der NZZ. Er hebt die starke Rolle der Solarenergie, hohe Ersparnisse und mehr Unabhängigkeit für Deutschland hervor.

Amberg. In seiner Kolumne bewertet Siegfried Schröpf die Energiewende und kontert Kritik der NZZ. Er hebt die starke Rolle der Solarenergie, hohe Ersparnisse und mehr Unabhängigkeit für Deutschland hervor.
Siegfried Schröpf, Geschäftsführer der Grammer Solar GmbH. Foto: privat

Immer auf der Sonnenseite: Energiewende in Deutschland – Erfolg oder Misserfolg?

Eine Kolumne von Siegfried Schröpf

Letzte Woche lese ich in der Neuen Zürcher Zeitung eine kritische Bewertung zum Erfolg der deutschen Energiewende, bei der mittlerweile rund 60 Prozent der bundesdeutschen Stromerzeugung aus regenerativen Energien stammt. Solarenergie hat dabei einen Anteil von 20 Prozent. Ich finde das außerordentlich beachtlich, vor allem wenn ich mich – wie schon in einem früheren Beitrag – an Angela Merkel, unsere Umweltministerin in den Achtzigerjahren, erinnere, die auch später immer wieder gesagt hat, dass „Sonne, Wasser oder Wind auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken können“.

Der NZZ-Kritiker argumentiert, dass seit der Jahrtausendwende unsere Kraftwerksleistung durch den Zubau von Windrädern, Solaranlagen und anderen regenerativen Kraftwerken um 143 Prozent erhöht wurde. Gleichzeitig ist aber die Menge des erzeugten Stroms aller Kraftwerke im gleichen Zeitraum um zehn Prozent gesunken.

Rückgang konventioneller Stromerzeugung und Folgen

Dabei kritisiert die NZZ meiner Meinung nach berechtigt, dass wegen der Stilllegung (zu vieler) konventioneller Kraftwerke die innerdeutsche Stromerzeugung insgesamt stärker als bei anderen EU-Staaten zurückgegangen ist. Das mindert natürlich die nationale Energieunabhängigkeit an strahlungs- und windschwachen Tagen.

Doch daraus zu folgern, dass die Energiewende deshalb ein Misserfolg sei, halte ich schlichtweg für abenteuerlich. Denn der Zubau an Photovoltaikanlagen ist auf alle Fälle neben dem Umweltaspekt ein wirtschaftlicher Erfolg: Beispielsweise haben die europäischen Photovoltaikanlagen nach Berechnungen von SolarPower Europe seit der Eskalation des Nahostkonflikts Anfang März so viel Strom geliefert, dass sich damit zusätzliche Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermeiden ließen.

Im März betrug die rechnerische Ersparnis im Durchschnitt etwa 110 Millionen Euro pro Tag. Dabei fällt auf Deutschland ein Anteil von einem Viertel, denn wir erzeugen etwa 25 Prozent des europäischen Solarstroms.

Photovoltaik bringt wirtschaftliche Vorteile in Europa

Dass wir, so kritisiert die NZZ weiter, dafür etwas mehr Anlagenleistung benötigen als südeuropäische Länder, erinnert stark an Jürgen Großmann, den ehemaligen Chef von RWE, der noch 2012 sagte: „Photovoltaik in Deutschland macht ökonomisch so viel Sinn wie Ananas züchten in Alaska.“

Witron Zoiglbrotzeit
Witron Zoiglbrotzeit

Das ist eine ähnliche Fehleinschätzung wie die eingangs genannte von Angela Merkel. Interessant ist, dass RWE heute selbst stark in Photovoltaikanlagen investiert und sich die Kosten von Solarstrom seitdem massiv reduziert haben. So ist es überhaupt kein Problem, dass wir in Deutschland zehn Prozent mehr Anlagenleistung aufs Dach montieren müssen als in Spanien, um den gleichen Ertrag zu erzielen. Seit Ende März bin ich mit meiner eigenen Photovoltaikanlage inklusive der Beladung eines Elektroautos komplett autark. Mehr als 100 Prozent Autarkie ist auch im sonnenreicheren Spanien nicht möglich!

Energieunabhängigkeit und ausgewogener Kraftwerksmix

Gerade jetzt, in dieser unsicheren Weltlage, wird deutlich, dass Energieunabhängigkeit durch Photovoltaikanlagen vor allem auch in Deutschland ökonomisch äußerst sinnvoll ist. Dabei hätte es den Erfolg der Photovoltaik nicht geschmälert, und hier gebe ich der NZZ recht, wenn in den letzten Jahren das ein oder andere konventionelle moderne Kraftwerk mehr am Netz geblieben wäre.

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