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Kanzel wird zur Bütt beim Fasching in Eschenbach

Eschenbach. In St. Laurentius wird die Kanzel zur Bütt: Pfarrer Johannes Bosco begeistert am Faschingssonntag mit einer gereimten Predigt. Garden und Stadtkapelle sorgen für Lebensfreude im überfüllten Gotteshaus.

Eschenbach. In St. Laurentius wird die Kanzel zur Bütt: Pfarrer Johannes Bosco begeistert am Faschingssonntag mit einer gereimten Predigt. Garden und Stadtkapelle sorgen für Lebensfreude im überfüllten Gotteshaus.
Das Evangelium ist eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft. In diesem Sinne verstand Stadtpfrarrer Johannes Bosco auch seine Predigt am Faschingssonntag. Ein rhetorisches Feuerwerk voller Geist und Witz in Reimform. Foto: Robert Dotzauer

Kanzel wird zur Bütt beim Fasching in Eschenbach

Zum Fasching gehört der Humor – auch in der Kirche! Ein Helau und Alaaf kann den Gottesdienstbesuchern nicht schaden, sagt Pfarrer Johannes Bosco. Zum Höhepunkt des Faschings faszinierte am Faschingssonntag Hintergründiges in gereimter Form die Gottesdienstbesucher.

Seit „Don Bosco“ die Pfarrei St. Laurentius regiert, gibt es dieses spezielle Glaubensbekenntnis. „Das Evangelium ist eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft“, sagt Eschenbachs „Seelenmasseur“. Seit gut einem Jahr ist er auch für die Nachbarpfarrei Kirchenthumbach zuständig. Das Leben sei ernst genug, findet der Geistliche. Heiter-Fröhliches-Kritisches dagegezusetzen, dagegen kann niemand etwas haben, auch nicht die Kirchenfürsten in Regensburg, findet Pfarrer Jobo. Eine Meinung, die bei den Menschen, ob gläubig oder nicht, ankommt, wie sich am Faschingssonntag erneut herausstellte.

Stadtpfarrkirche in Feierlaune: Garden, Musik und Lebensfreude

Ein ungewöhnliches Bild bot sich am Faschingssonntag im Altarraum der Eschenbacher Stadtpfarrkirche St. Laurentius. Zum Faschingsgottesdienst gewährte Pfarrer Jobo den Prinzenpaaren und den EFG-Garden Ehrenplätze. Foto: Robert Dotzauer

Eine überfüllte Stadtpfarrkirche, Luftballons und Luftschlangen als Kirchenschmuck, ein zackiger Einmarsch der Eschenbacher Garden mit Zeremonienmeister Marcus Eisner, die EFG-Truppen samt Prinzenpaaren vom Elferrat und Hofstaat wohlbehütet, fetzige Hits der Stadtkapelle mit der Star-Wars-Titelmelodie schon zum Einmarsch der Garden, liturgisches „Fachpersonal“ mit Mitgliedern der Männergarde und der Grünen Garde als Messdiener und Klatschsalven der Kirchenbesucher ohne Ende: Im weiten Rund des Gotteshauses herrschte Lebensfreude pur.

Zwischendurch einmal eine Stunde dem grauen Alltag zu entfliehen: Ein Wunsch, der am Sonntag im Stimmungshoch der Festmesse und mit gereimten Predigtworten in Erfüllung ging.

Reimpredigt mit Spitzen: Gesellschaft und Kirche im Blick

Pointiert und mit einer gehörigen Portion Glaubensheiterkeit beleuchtete „Don Bosco“ den alltäglichen Irrsinn und kommentierte augenzwinkernd mit Blick auf die Geschehnisse in den Pfarreien kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Für die Kirchenbesucher zum Endspurt der fünften Jahreszeit ein Ohrenschmaus mit vielen Bonmots zum Nachdenken und mit Anmerkungen voller humoristischer Spitzen, Nadelstiche und Mahnungen. Ein rhetorischer Schabernack nach dem anderen fesselte die Kirchenbesucher.

Mit dem EFG-Motto „Weltall“ beginnend, mahnte der Prediger: „Im Weltall gibt’s kein Geländer, da zählt der Mut und nicht die Blender. Freiheit ist kein Wunschkonzert, man sieht ja, wer Parolen plärrt“.

Zoigltermine
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Deshalb wünschte sich der Kirchenmann für Putin und Tramp einen Platz im All. „Das wär nicht schlecht, das wär dann aber dem Mann im Mond nicht recht“.

Auf seine „bärige Mähne“ eingehend, outete sich „Jobo“ als Fan der Heavy-Metal-Musik. „Die Haare werden immer länger, bald werde ich zum Headbanger.“ Gleichzeitig warb der Pfarrer um Verständnis: „Ich bin anders, das ist halt so. Kirche anders und unkompliziert – was man in unserer Gemeinschaft spürt“.

Nach Frotzeleien über das sportliche Missgeschick des Kirchenthumbacher Bürgermeisters (Sport und Turnen füllt Gräber und Urnen) war Eschenbachs „Peppone“ mit Blick auf sein romantisches Interesse für Alpakas im humoristischen Visier des Predigers. Zudem entdeckte Pfarrer Jobo den WhatsApp-Informations-Tsunami des Bürgermeisters. „Was früher das schwarze Brett noch war, ist heut sein WhatsApp-Kanal, ganz klar“.

Gemeinsinn und gute Laune: Appell am Ende der Predigt

Unterbrochen von vielen Humba Täterä, vom La-Le-Lu – der Mann im Mond schaut zu – und dem „Griechischen Wein“, intoniert von der Stadtkapelle, und mit Klatschsalven aus den Kirchenbänken setzte sich das rhetorische Feuerwerk fort. Schließlich appellierte der Pfarrer an den Gemeinsinn. „Fasching darf frech sein, laut und wild. Doch Menschsein braucht mehr als ein Bild. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen. So ist Kirche ein tolles Team“.

Der Predigt-Schluss hatte Tiefenwirkung: „Vielleicht ein Lächeln, das man nicht vergisst, ein gutes Wort, dass du ehrlich bist. Vielleicht mehr Mut, die Meinung zu sagen und trotzdem die anderen zu ertragen“.