Christian Ude: Frauen sind die besseren Finanzmanagerinnen
![Weiden. Vor zehn Jahren erschütterte die Finanzkrise das internationale Wirtschaftsgefüge. Was als Bankenkrise begann und sich bis hin zur Staatsschuldenkrise entwickelte, die am Ende die Bürger auszubaden hatten, sei mitnichten […]](https://oberpfalzecho.de/cache/images/Landfrauentag-Weiden-2017-4-1100.jpeg)
Christian Ude: Frauen sind die besseren Finanzmanagerinnen
Weiden. Vor zehn Jahren erschütterte die Finanzkrise das internationale Wirtschaftsgefüge. Was als Bankenkrise begann und sich bis hin zur Staatsschuldenkrise entwickelte, die am Ende die Bürger auszubaden hatten, sei mitnichten überstanden, sagt Christian Ude. Der Münchner Ex-Oberbürgermeister spricht auf dem Landfrauentag zum Thema „Frauen in Zeiten des Umbruchs“. Bei der Frage nach den Verantwortlichen gibt es für Ude jedenfalls bei der Verteilung nach Geschlechtern keinen Zweifel: „Es waren zu 99 Prozent Männer, die als hoch und überbezahlte Experten dieses Unglück angerichtet haben.“
Der Weg hin zu einer besseren „Finanzindustrie“ ist für Ude offensichtlich. Es brauche mehr Frauen. Aufwendige Untersuchungen in wirtschaftlich schwachen Ländern hätten gezeigt, dass Frauen mit Kindern keinen Dollar fehlinvestieren, weil sie genau überlegten, wie sie für ihren Nachwuchs auch in Zukunft eine Lebensgrundlage schaffen könnten. Saatgut oder eine Nähmaschine stünden im Investitionsplan ganz oben. Eine Denkweise, die Ude zufolge auch in der internationalen Finanzwelt angebracht wäre: „Meine These: Finanzen darf nicht länger eine Männerdomäne sein“, bekräftigte der frühere Oberbürgermeister. Deutschland sei bedingt durch seine außerordentliche Wirtschaftslage in der Lage keine Schulden aufzunehmen. Dennoch gäbe es keine Garantie, dass sich nicht erneut eine Großbank auf den Standpunkt „We are too big to fail“ stelle und unter Verweis auf die Systemrelevanz um staatliche Hilfen ersuche, warnte Ude, der auch das allgemeine ökonomische Prinzip infrage stellte, wonach sich alles rechnen müsse. Auch Kultur, Beziehung oder Freizeit.
Schlimmer noch: der Wert ist abhängig vom Preis. Der Mensch, der am meisten verdient, ist der wertvollste Mensch. So haben wir es doch vor Jahren noch gehalten
beklagte Ude.
Selbstorganisation der Geselligkeit
Auch im Bereich des Ehrenamts würden Frauen die überwiegende Leistung erbringen. Bei Männern würde „oftmals nur die Selbstorganisation der Geselligkeit“ im Vordergrund stehen. Schließlich trügen Frauen bei den Folgen des demographischen Wandels die Hauptlast. „Die Altersthemen wird man nicht mit irgendeiner Gesetzesreform regeln können. Das Altersthema wird eine Jahrhundertfrage“, prophezeit der ehemalige Politiker. Weil Frauen stets weniger verdient hätten als ihre Ehemänner, seien es auch stets die Frauen gewesen, die ihren Beruf aufgaben, um Angehörige zu pflegen und damit die entsprechenden Erfahrungswerte besäßen. Es dürfe nicht erneut zu einer Generation Frauen kommen, die durch die Aufgabe der Berufstätigkeit eigene Versorgungslücken bei der Rente riskiere. „Mischen Sie sich ein. Ihre Kompetenz wird dringend benötigt“, gab Ude den Zuhörerinnen mit auf den Weg, die er dazu ermutigen will, sich nicht auf Problembereiche zu beschränken, die ihnen in der Vergangenheit zugewiesen worden seien.
Trauen Sie sich an Themen heran, die in den vergangenen Jahren von Männern ganz offensichtlich falsch gemacht worden sind.
Familienmanagement und Öffentlichkeitsarbeit
Bei den von Radio- und Fernsehmoderatorin Marion Kerschbaum – besser bekannt als „D‘ Schiederin“ – moderierten Grußworten hatten zuvor schon stellvertretender Landrat Albert Nickl und Bürgermeister Lothar Höher die Bedeutung der Landfrauen für den ländlichen Raum hervorgehoben. „Ich meine dass unsere Bäuerinnen von jeher sehr modern eingestellt waren. Sie hatten praktisch schon immer einen Heimarbeitsplatz, mussten also schon immer etwas arbeiten“, sagte Dr. Siegfried Kiener, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Heute käme noch die Öffentlichkeitsarbeit dazu, wofür gerade junge Bäuerinnen sehr aufgeschlossen seien. „Die Frau am Hof muss ein bisschen was von der Landwirtschaft verstehen, ganz viel vom Managen einer Familie, von Öffentlichkeitsarbeit und von der Büroorganisation“, fasste Dr. Kiener zusammen. „Man muss sich den neuen Bedingungen anpassen können“, nannte stellvertretende Kreisbäuerin Petra Schäffler eine der wichtigsten Fähigkeiten von Bäuerinnen. Das sieht Kreisbäuerin Christa Kick ähnlich, die auf die grundlegend geänderten Bedingungen durch die globalisierten Märkte einging.
Faschingsorden für die Führungsriege
Den beiden Chefinnen der Landfrauen sowie der Führungsspitze des Bauernverbandes mit Kreisobmann Josef Fütterer und Geschäftsführer Hans Winter sowie dem Festredner Ude wurde noch eine besondere Ehre zuteil. Das Kinderprinzenpaar Jan I. und Clara I. aus Neustadt an der Waldnaab verlieh ihnen den hochwertigen, handgefertigten Faschingsorden. Kinderfunkenmariechen Line Bayer und die Jugendgarde bewiesen ihr Können auf der Tanzfläche. Für weitere Unterhaltung sorgte die Tanzgruppe der Flosser Landfrauen und das Volksmusikduo Jürgen Eckert und Ramona Gleißner.
Bilder: B. Grimm




