Maibaum-Diebstahl beschert Eslarn sechs neue Imker

Maibaum-Diebstahl beschert Eslarn sechs neue Imker
Am ersten Mai passieren bekanntlich die seltsamsten Dinge – aber was sich heuer zwischen den Festburschen und den Imkern abgespielt hat, hätte selbst ein Drehbuchautor nach der dritten Maß nicht besser hinbekommen.
Nächtliche Maibaum-Aktion am Lehrbienenstand
Alles begann, wie es sich gehört: Mitten in der Nacht, zwischen Abenteuerlust und leichtem Übermut. Die Festburschen, geschniegelt mit Stirnlampen und dem festen Vorsatz, ihrer Tradition gerecht zu werden, pirschten sich zum Lehrbienenstand. Ziel der Mission: der Maibaum der Imker. Mit geübten Griffen und erstaunlicher Zielstrebigkeit wurde das gute Stück „befreit“ – natürlich rein im Namen des Brauchtums, versteht sich. Was dann folgte, war weniger geplant, dafür umso bemerkenswerter: Der Maibaum wurde tatsächlich bis nach Eslarn getragen. Ob dabei eher Muskelkraft oder Übermut die größere Rolle spielte, bleibt bis heute ungeklärt.
Und dann – wie bestellt, aber ganz sicher nicht eingeplant – die entscheidende Szene: Am Straßenrand tauchten einige Mitglieder des Imkervereins auf, frisch von der Zoiglstube, bestens gelaunt und offensichtlich noch nicht bereit fürs Bett. Als die Festburschen, vermutlich schon leicht außer Atem, um Hilfe baten, zögerten die Imker keine Sekunde. „Ja freilich, pack ma zam!“ Was folgte, war ein Paradebeispiel gelebter Dorfgemeinschaft: Gemeinsam wurde geschleppt, gehievt und organisiert, bis der Maibaum schließlich sicher im Hinterhof der Gaststätte Böhmerwald verstaut war. Zufriedenheit auf allen Seiten – zumindest für den Moment.
Rückgabe mit Humor und neuen Mitgliedern
Denn wie das Leben so spielt, kam die Erkenntnis nicht sofort. Erst als der Puls sich beruhigt hatte und die Gedanken langsam wieder geradeaus liefen, stellte sich die alles entscheidende Frage: „Moment mal … war des ned unser Maibaum?!“ Stille, Nachdenken und dann vermutlich ein kollektives innerliches „Ja mei …“. Doch anstatt sich zu ärgern oder gar beleidigt zu sein, reagierten die Imker so, wie man es sich in den besten Geschichten wünscht: mit Humor, Charme und einer ordentlichen Portion Verhandlungsgeschick. Bei der feierlichen Rücküberstellung des Maibaums – die natürlich mit der Zusage einer Brotzeit nicht ganz ohne Bedingungen über die Bühne ging – nutzten sie ihre Chance.
Und siehe da: Sechs der tapferen „Brauchtumsdiebe“ ließen sich nicht lange bitten und unterschrieben kurzerhand den Mitgliedsantrag beim Imkerverein. Ob aus Reue, Begeisterung für die Bienen oder einfach wegen der guten Brotzeit – das bleibt ihr süßes Geheimnis. Am Ende stand jedenfalls ein Ergebnis, das man kaum besser hätte planen können: Die Festburschen bekamen eine zünftige Brotzeit, eine legendäre Geschichte und vermutlich den einen oder anderen neuen Spitznamen. Die Imker hingegen durften sich über engagierten Nachwuchs und künftig klingelnde Mitgliedsbeiträge freuen. Und wenn man heute genau hinhört, dann summt es seitdem in Eslarn ein kleines bisschen lauter. Ob das an den Bienen liegt – oder an den neuen Imkern –, lässt sich schwer sagen.


