Neue Kraft für den Hofalltag bei Jahreshauptversammlung in Weiden

Neue Kraft für den Hofalltag bei Jahreshauptversammlung in Weiden
Der vlf Weiden hatte bei seiner Jahreshauptversammlung im Postkeller Weiden ein aktuelles Thema, zu dem Vorsitzender Josef Marzi viele Gäste und Teilnehmer begrüßen konnte.
Rückblick, Finanzen und Hauptvortrag
In der Rückschau konnte auf ein erfolgreiches Jahr mit vielen interessanten Veranstaltungen zurückgeblickt werden. Der Kassenbericht von Heike Lehner lieferte ebenso ein positives Bild, das hochkarätige Veranstaltungen auch im Jahr 2026 ermöglicht. Nach der Entlastung der Vorstandschaft und den Grußworten von MdL Nicole Bäumler, Kreisbäuerin Gabi Birkner und Kreisobmann Josef Fütterer folgte der Hauptvortrag von Frau Eichinger-Schönberger von der SVLFG.
Die Landwirtschaft in Bayern steht unter enormem Druck – das wurde im Vortrag eindrucksvoll deutlich. Hinter vielen Hoftoren verbergen sich nicht nur Stallarbeit und Felder, sondern auch Sorgen, Konflikte und existenzielle Ängste. „Wir dürfen nicht vergessen: Hinter jedem Betrieb stehen Menschen mit Gefühlen, Verantwortung und oft großer Sorge um ihre Zukunft“, betonte Eichinger-Schönberger in ihrem Vortrag. Wo Arbeits- und Lebensort eins sind, entstehen schnell familiäre Spannungen. Fragen der Hofnachfolge, unterschiedliche Zukunftsvorstellungen oder unausgesprochene Erwartungen können Familien über Jahre belasten. Kommt ein Pflegefall hinzu oder fällt eine Arbeitskraft durch Krankheit oder Todesfall weg, geraten viele Betriebe in eine existenzielle Krise. Oft bedeutet der Ausfall einer Person den Wegfall von gleich zwei Arbeitskräften – menschlich wie betrieblich.
Druckfaktoren und gesellschaftliche Erwartungen
Wirtschaftlicher Druck, schwankende Märkte, steigende Bürokratie und finanzielle Unsicherheiten verschärfen die Situation. Moderne Technik bringt zwar Fortschritt, aber auch Investitionsdruck und zusätzliche Verpflichtungen. Viele Landwirte fühlen sich zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und betrieblicher Realität zerrieben.
Besonders erschütternd ist eine Zahl, die im Vortrag genannt wurde: In Bayern nimmt sich statistisch etwa ein Landwirt pro Woche das Leben. „Diese Zahl zeigt, wie dringend wir hinschauen und unterstützen müssen“, so Eichinger-Schönberger.
Resilienz stärken und Hilfsangebote nutzen
Der Vortrag machte deutlich: Landwirtschaft braucht nicht nur stabile Rahmenbedingungen, sondern auch mehr Verständnis, Wertschätzung und offene Gespräche über psychische Belastungen. Denn hinter jedem Hof stehen Menschen, die täglich Verantwortung tragen – und dabei oft selbst an ihre Grenzen kommen. Frau Eichinger-Schönberger zeigte zur Selbstvorsorge die sieben Säulen der Resilienz und wies auf die vielfältigen Unterstützungen durch Beratungsangebote der Sozialversicherungen und anderer Träger hin. Sie betonte aber auch die Möglichkeiten und Chancen, die der schönste Beruf der Welt, Landwirt, bietet: Arbeiten in und mit der Natur im Jahreskreis und mit Tieren, etwas aus eigener Kraft schaffen, seiner Familie Möglichkeit zur Selbstverwirklichung geben und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Das ist auch ein Schatz, den man einfach nur anschauen und bewusst machen muss.




