Steigende Nachfrage nach Hilfe bei Caritas in Weiden und Neustadt

Steigende Nachfrage nach Hilfe bei Caritas in Weiden und Neustadt
Die Nachfrage nach Unterstützung in psychischen Krisen oder bei Problemen im Umgang mit Alkohol und Drogen wächst stetig. Auch im Jahr 2025 haben insgesamt 1.580 Personen die sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas Weiden-Neustadt in Anspruch genommen – sowohl in der Beratungsstelle für seelische Gesundheit als auch in der Fachambulanz für Suchtprobleme. Ein zentrales Thema beim jährlichen Austausch mit Lothar Höher, dem stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten der Oberpfalz, war die zunehmende Bedeutung dieser Angebote. Der Bezirk Oberpfalz ist der größte Zuschussgeber für dieses Angebot.
Wachsende Nachfrage bei Beratungsangeboten
Mit über 4.000 Beratungsgesprächen in der Beratungsstelle für seelische Gesundheit und 3.310 Beratungen in der Fachambulanz für Suchtprobleme im vergangenen Jahr wird die Bedeutung der Caritas-Arbeit deutlich. Im Vergleich zu den Vorjahren steigt die Nachfrage weiter: 2024 gab es beispielsweise 200 Beratungen weniger in der Beratungsstelle für seelische Gesundheit. Wer aufgrund einer psychischen Erkrankung oder Suchtproblematik Unterstützung sucht, muss mittlerweile mit Wartezeiten von mehr als zwei Monaten rechnen. Die Betroffenen kämpfen oft mit Problemen wie Alkohol-, Cannabis- oder Crystal-Konsum sowie Verhaltenssüchten wie Internet- und Glücksspielsucht. Die offene Sprechstunde der Suchtberatung, die ohne vorherige Terminvereinbarung zugänglich ist, bietet schnelle Hilfe, bevor sich die Krisen weiter verschärfen.
Ursachen für die steigenden Zahlen
Auf Höhers Frage nach den Gründen für die stetig steigenden Klientenzahlen erklärten Sonja Dobmeier (Leitung der Beratungsstelle für seelische Gesundheit) und Michaela Lang (Leitung der Fachambulanz für Suchtberatung), dass die Problemlagen immer komplexer würden. Häufig wirken mehrere Faktoren gleichzeitig: Ein Suchtproblem führt oft zum Verlust des Arbeitsplatzes, es kommt zu familiären Problemen und finanziellen Engpässen. Darüber hinaus treten psychische Erkrankungen häufig in Kombination mit Suchterkrankungen auf – zum Beispiel trinkt jemand aufgrund einer depressiven Erkrankung.
Ein positiver Trend in der Beratungsstelle ist die Abnahme der Tabuisierung psychischer Erkrankungen. Besonders junge Erwachsene setzen sich, auch durch Social Media, mehr mit dem Thema „Anderssein“ und psychischen Erkrankungen auseinander. Die Hemmungen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind deutlich gesunken. Darüber hinaus spielt die derzeitige Weltlage mit steigenden Lebenshaltungskosten und politischer Unsicherheit eine Rolle. Doch vor allem familiäre und berufliche Belastungen stehen bei den Klienten im Vordergrund.
Vielfältige Hilfsangebote der Caritas
In der Beratungsstelle für seelische Gesundheit bietet die Caritas neben Einzelberatungen auch Selbsthilfegruppen, Freizeit- und Gruppenangebote an. Für junge Erwachsene gibt es innovative Programme wie Boulder-Schnupperstunden oder sozialkünstlerische Workshops. Alleinstehende Menschen nutzen vermehrt Gruppenangebote wie Entspannungstraining oder Gesprächsgruppen. Ähnlich ist das Angebot der Fachambulanz: Neben Gesprächen, Selbsthilfegruppen und Schulungen stehen auch Freizeitaktivitäten wie Yoga auf dem Programm. Das Ziel der Caritas-Beratung ist immer, individuell auf die Bedürfnisse der Klienten einzugehen und gezielt an den richtigen Stellschrauben zu drehen – sei es durch Unterstützung bei der Abstinenz oder die Anbindung an eine Gesprächsgruppe.
Finanzielle Unterstützung und Zusammenarbeit
Der Diözesan-Caritasverband Regensburg stellt jährlich über 500.000 Euro an Eigenmitteln für die psychosoziale Suchtberatung und den sozialpsychiatrischen Dienst zur Verfügung. Insgesamt gehören acht Beratungsstellen im Bezirk Oberpfalz und vier im Bezirk Niederbayern zum Diözesan-Caritasverband. Zwei der acht Beratungsstellen im Bezirk Oberpfalz sind die Weidener Fachambulanz und die Beratungsstelle für seelische Gesundheit. Den größten Zuschuss für diese beiden Beratungsstellen stellt der Bezirk Oberpfalz. Das entstehende Defizit trägt die Caritas selbst, dabei handelt es sich um eine Belastung, die unter anderem durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Kirchensteuern getragen werden muss.
Bedeutung der Caritas-Arbeit
Die enge Zusammenarbeit mit der JVA Weiden und die Außensprechstunden im Bezirksklinikum zeigen, wie wichtig die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung ist. Abschließend betonte Lothar Höher die unverzichtbare Bedeutung der Arbeit der Caritas: „Nur einen Steinwurf vom Caritas-Sozialzentrum entfernt entsteht die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wer weiß, wie viele Betroffene unsere Kliniken behandeln müssten, wenn es die niederschwelligen Beratungsangebote der Caritas nicht gäbe?“ Zudem wurde der Bedarf an einer Jugendsuchtberatung angesprochen. Der Bezirk plant, mehrere Plätze in der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie für Jugendliche mit Suchterkrankungen bereitzustellen. „Besser wäre jedoch, frühzeitig durch Prävention und Beratung einem stationären Aufenthalt vorzubeugen“, so Höher.




