OTH Amberg-Weiden
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Illegale Müll-Deponien in Tschechien sind aufgelöst – Ermittlungen abgeschlossen

Weiden/Wernberg. Eine zweite illegale Müll-Deponie in Tschechien ist beseitigt. Der Abfall soll von der deutschen Firma Roth International stammen, deren Geschäftsführer in Untersuchungshaft sitzt. Nach Abschluss der Ermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft nun eine mögliche Anklage.

Weiden/Wernberg. Eine zweite illegale Müll-Deponie in Tschechien ist beseitigt. Der Abfall soll von der deutschen Firma Roth International stammen, deren Geschäftsführer in Untersuchungshaft sitzt. Nach Abschluss der Ermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft nun eine mögliche Anklage.
Horních Heršpic im Süden von Brno (Brünn): Hier lagerte weiterer Müll, mutmaßlich der Firma Roth International aus der Oberpfalz. Auf Auftrag der Regierung der Oberpfalz wurden die Abfälle am Dienstag, 9. Februar 2026, von der Firma Igro s.r.o. in Tachov, einem Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach, abtransportiert. Foto: privat/OberpfalzECHO

Illegale Müll-Deponien in Tschechien sind aufgelöst – Ermittlungen abgeschlossen

Wie das tschechische Umweltministerium informiert, ist jetzt auch die zweite illegale Müll-Deponie in Tschechien aufgelöst. Der Abfall stammt mutmaßlich von der Firma Roth International, deren Geschäftsführer seit August 2025 in Untersuchungshaft sitzt. Nach Auskunft von Matthias Bauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sind die polizeilichen Ermittlungen des Zollfahndungsamtes München abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob Anklage gegen die Beschuldigten erhoben wird.

Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft dem 53-jährigen Weidener – unter anderem – die illegale Verbringung von Abfällen nach dem Abfallverbringungsgesetz vor. Dem Haftbefehl liegt der Tatverdacht zugrunde, dass nach seiner Anweisung gefährliche und nicht gefährliche Abfälle nach Tschechien gebracht wurden – ohne die nötigen Genehmigungen. Konkret geht es um mindestens 21 Fälle seit 2022.

Aus der Haft entlassen wurde indessen ein zweiter Beschuldigter. Es handelt sich dabei um einen Berufskraftfahrer (56) mit tschechischer Staatsangehörigkeit. Er soll die Organisation von Firmen in Tschechien übernommen und Absprachen mit weiteren Tatverdächtigen über die illegalen Abladeplätze getroffen haben. Der 56-Jährige kam im Oktober 2025 auf freien Fuß, nachdem er ein Geständnis abgelegt hatte und zur weiteren Tataufklärung beitrug.

Deponien über ganz Tschechien verteilt

Die illegalen Mülldeponien befanden sich in  Jiříkov in der Region Bruntál (Nordböhmen, an der Grenze zu Sachsen) und in Horních Heršpic bei Brno (Brünn) im Süden des Landes. Nach Bekanntwerden der illegalen Deponien war der Protest im Nachbarland enorm. In  Jiříkov machte die Bürgermeisterin Barbora Šišková Schlagzeilen, als sie sich persönlich den Lkw entgegenstellte.

Auf politischen Druck war es am Ende Aufgabe der Regierung der Oberpfalz, den Müll zurückzuholen. Sitz der Firma Roth International ist in Weiden, die Betriebsstätte befindet sich im Wernberger Industriegebiet West II (Landkreis Schwandorf). Die Kosten müsste laut Umweltministerium eigentlich das Unternehmen tragen. Allerdings befindet sich die Firma Roth International seit März 2025 in der Insolvenz. Der Freistaat wird die Kosten beim Insolvenzverwalter geltend machen. Das Amtsgericht Weiden hat Rechtsanwalt Florian Schott (Altenstadt/WN) zum Insolvenzverwalter bestellt.

Gesamtmenge aktueller Stand: rund 600 Tonnen

Mit der Rückholung beauftragte die Regierung der Oberpfalz einen seriösen Entsorger: Igro s.r.o. in Tachov, ein Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach.

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Am Dienstag wurde bei Brünn mit der Sortierung und Verladung der illegal abgelagerten Abfälle begonnen. Am heutigen Mittwoch sollen die ersten beiden Lkw in Deutschland angekommen. Die Gesamtmenge, die aus Horních Heršpic nach Deutschland abtransportiert wird, liegt bei zirka 280 bis 300 Tonnen. Aus Jiříkov waren im Oktober 2025 ebenfalls etwa 300 Tonnen geholt worden. Das summiert sich in etwa zur Gesamtmenge, von der die Staatsanwaltschaft Weiden immer ausgegangen ist (rund 700 Tonnen).

Millionenförderung des Freistaats Bayern kassiert

Nach Auskunft des bayerischen Wirtschaftsministeriums (Quelle: Drucksache 19 / 6498 des Landtags; Antwort auf Nachfrage der Grünen) wurde die Entsorgungsfirma im Jahr 2023 mit Fördermitteln in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus Mitteln der Bayerischen Regionalförderung unterstützt.

Recyclinganlage für E-Auto-Batterien

Die Firma selbst stellte sich selbstbewusst als innovatives Recyclingunternehmen vor. 2023 warben die Geschäftsführer bei einem Besuch der Akademie Ostbayern-Böhmen mit ihren Entsorgungs- und Recyclingmöglichkeiten. Bei einer Unternehmensführung wurde in einer Halle in Wernberg eine „Recyclinganlage für Batterien von E-Autos im Wert von etwa 15 Millionen Euro“ vorgestellt. Im Vollbetrieb könne die 70 Meter lange Anlage 1,5 Tonnen Batterien in der Stunde verarbeiten. Kunststoffe, Metalle und die Schwarzmasse (Kathodenmaterial) würden dabei sortenrein getrennt, so dass sie wieder nachhaltig verwendet werden können.

Außerdem informierte die Firma damals, „intensiv an innovativen Anlagen und Methoden zur Verwertung von faserverstärkten Kunststoffen aus Flugzeugen, Windkraftanlagen und Autokarosserien“ zu arbeiten. „Selbst sehr große Bauteile werden dabei gesägt, zerlegt, recycelt und entsorgt. Beispielsweise können bis zu 100 Flugzeuge im tschechischen Ostrava geparkt und stillgelegt werden, wo sogar ein Jumbo 747 oder ein Airbus A380 landen können“, sagte der Geschäftsführer damals. Zitat: „Wir lösen Probleme, statt sie zu hinterlassen“

Wie viele Tonnen – und was ist drin?

Nach einer Info des Zolls handelt es sich bei den Abfallstoffen um ein Gemisch von Fiberglas, Gummi und Metallen sowie anderen Materialien, Glasfaserresten von Windkraftpropellern und Flugzeugteilen, Kunststoffen, Metallen, Holz, Papier, Keramik, Steine, Elektro- und Elektronikschrott.

Zudem sollen Batterien unter Nichteinhaltung der Prüfkriterien von Abfällen in so genannte „Produkte“ umgewandelt worden sein. Auch Altbatterien sollen auf die Deponien in Tschechien gekippt worden sein.

Aus einer Antwort des Umweltministeriums in München auf eine Anfrage der Grünen im Landtag geht hervor: Bei den zurückgeholten Abfällen vom Standort Jiříkov handelt es sich um sieben Abfallfraktionen. Zwei seien unmittelbar entsorgt worden, fünf in ein Zwischenlager in Bayern gebracht worden (Lagerplatz des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf auf der ehemaligen Deponie am Silberberg, Hof, Oberfranken).

Der überwiegende Anteil der Abfälle wurde verbrannt („Aufbereitung zu Ersatzbrennstoff und eine anschließende thermische Verwertung in Bayern“). Eine weitere Fraktion der Abfälle wird in Bayern durch die GSB GmbH entsorgt. Die Batterie-Abfälle werden in Sachsen im Hüttenwerk verwertet.

Die Gesamtmenge, die aus Horních Heršpic nach Deutschland abtransportiert wird, liegt bei zirka 280 bis 300 Tonnen. Aus Jiříkov waren ebenfalls etwa 300 Tonnen geholt worden. Das passt in etwa zur Gesamtsumme, von der die Staatsanwaltschaft Weiden immer ausgegangen ist (rund 700 Tonnen).

Horních Heršpic im Süden von Brno (Brünn): Hier lagerte weiterer Müll, mutmaßlich der Firma Roth International aus der Oberpfalz. Auf Auftrag der Regierung der Oberpfalz wurden die Abfälle am Dienstag, 9. Februar 2026, von der Firma Igro s.r.o. in Tachov, einem Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach, abtransportiert. Foto: privat/OberpfalzECHO
Müll aus Jiříkov: 260 Tonnen GfK-Abfälle landen in Verbrennungsanlage Schwandorf

Müll aus Jiříkov: 260 Tonnen GfK-Abfälle landen in Verbrennungsanlage Schwandorf

Weiden/Jiříkov. Der Müll aus dem tschechischen Jiříkov ist zurück in Deutschland. "Die Abholung ist abgeschlossen", sagt Christian Kraus, Geschäftsführer des Entsorgungsunternehmens, das dafür den Auftrag der Regierung der Oberpfalz bekommen hatte.

Horních Heršpic im Süden von Brno (Brünn): Hier lagerte weiterer Müll, mutmaßlich der Firma Roth International aus der Oberpfalz. Auf Auftrag der Regierung der Oberpfalz wurden die Abfälle am Dienstag, 9. Februar 2026, von der Firma Igro s.r.o. in Tachov, einem Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach, abtransportiert. Foto: privat/OberpfalzECHO
Horních Heršpic im Süden von Brno (Brünn): Hier lagerte weiterer Müll, mutmaßlich der Firma Roth International aus der Oberpfalz. Auf Auftrag der Regierung der Oberpfalz wurden die Abfälle am Dienstag, 9. Februar 2026, von der Firma Igro s.r.o. in Tachov, einem Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach, abtransportiert. Foto: privat/OberpfalzECHO
Horních Heršpic im Süden von Brno (Brünn): Hier lagerte weiterer Müll, mutmaßlich der Firma Roth International aus der Oberpfalz. Auf Auftrag der Regierung der Oberpfalz wurden die Abfälle am Dienstag, 9. Februar 2026, von der Firma Igro s.r.o. in Tachov, einem Tochterunternehmen der Kraus Recycling & Entsorgung in Windischeschenbach, abtransportiert. Foto: privat/OberpfalzECHO