Teure Pflichtaufgaben belasten Haushalt, Kirchenthumbach setzt auf Bürgerbeteiligung
Teure Pflichtaufgaben belasten Haushalt, Kirchenthumbach setzt auf Bürgerbeteiligung
Kita und Schule, Straßenbau, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Ehrenamt und vieles mehr: Nichts ist Luxus in der Marktgemeinde. Bürgermeister Ewald Plößner skizziert in der Bürgerversammlung die Herausforderungen.
Der Markt Kirchenthumbach ist nicht auf Rosen gebettet. Die Kommune ist finanziell am Limit. Hohe Ausgaben für das Schulwesen, aktuell und auch künftig, und Großinvestitionen in die Infrastruktur leeren den Gemeindesäckel. „Die Aufgaben sind vielfältig und die Umlagen explodieren“, formulierte Bürgermeister Ewald Plößner den finanziellen Ist-Zustand „seiner Gmoi“.
Eiswaffeln und ernste Botschaften in der Bürgerversammlung
Eiswaffeln für die Besucher. Für die zirka 40 Besucher der Bürgerversammlung war es keine Neuigkeit. Gleichwohl betonte der Versammlungsleiter bei „kühlen“ Temperaturen um die 30 Grad im SC-Sportheim, an allen Ecken und Enden sparen zu müssen. Schoko-Eiswaffeln, charmant überreicht von den Bürgermeisterstellvertretern Alexander Schatz und Silvia Schecklmann, waren da für die Bürgerschaft eine willkommene Einstimmung auf die Botschaften des Rathauschefs. Ewald Plößner öffnete ein Nachrichtenpaket, das trotz aller Lasten für den Markt und seine Einwohner auch Geschenke enthielt.
Optimismus versprühte der Bürgermeister nach einer Beleuchtung des Gemeindeetats mit einem Gesamtvolumen von rund 16 Millionen Euro bei einer Kreditaufnahme in Höhe von vier Millionen Euro mit Blick auf die baldige Fertigstellung der offenen Ganztagsschule. Ein Kostenbericht offenbarte Bemerkenswertes. „Wir bleiben final unter einer Kostenmehrung von fünf Prozent.“ Nach der Vergabe aller Gewerke zog Plößner das erfreuliche Fazit: „Nach den allgemein zu beobachtenden Kostensteigerungen der letzten Jahre sind wir bei der Finanzierung gut unterwegs“.
Straßenbau und Anliegerbeiträge im Blick
Anliegerbeiträge. Gute Nachrichten hatte der Rathauschef auch für die derzeit laufenden Tiefbaumaßnahmen im Bereich der Linden-, Jahn- und Eckertstraße und der Straße zum B-Sportplatz. Allerdings sind es Projekte mit Wermutstropfen für die Bürger in Form von Kostenbeteiligungen. Die Zustellung von Vorbescheiden für Verbesserungsbeiträge verkündete Plößner für den Oktober 2026. Für die Kirchenthumbacher ist das keine Neuigkeit. Im Gegenteil. Für die vom Bürgermeister angekündigten weiteren Großinvestitionen in die Modernisierung der Kläranlage und in die Sanierung der Leitungssysteme müsse auch in Zukunft mit Anliegerbeiträgen gerechnet werden.
Nach diesem Zukunftsszenario beleuchtete Ewald Plößner die bereits im Gemeindehaushalt verankerten Kosten für die Dorferneuerung Dammelsdorf, Ausgaben für neue Spielgeräte und die Ausstattung des Aussichtsturmes am Kitschenrain mit einem Fernrohr und einem Steintisch „Nebra“. Was steht hinter dem Grünflächenkonzept der Gemeinde? Diese Frage beantwortete der Versammlungsleiter mit Informationen zur geplanten ökologischen und ästhetischen Aufwertung gemeindeeigener Grünflächen, von Straßenbegleitgrün, Gewässerrandbereichen und der Anlage von Streuobstwiesen. Hilfreich sei dabei eine Kooperation mit dem Bund Naturschutz und mit Anliegern, so die Hoffnung des Gemeindechefs.
Dorferneuerung und Grünflächenkonzept
Warten auf die Ortsumgehung. Nicht fehlen durfte bei der Bürgerversammlung das Dauerthema Ortsumgehung. Wann kommt sie? Ein Baubeginn sei zwar noch nicht bekannt, bedauerte Plößner. Hoffnung gebe es allerdings mit der Ankündigung des Staatlichen Bauamtes, als vorbereitende Maßnahme einen kurzen Schotterweg anzulegen. Diese Entwicklung deute auf den guten Willen der Baubehörde und auf einen zeitnahen Baubeginn hin. Der Bericht endete mit Hinweisen zu Bürgerpflichten bei der Reinigung öffentlicher Straßen und Gehwege, zur neuen Plakatierverordnung des Marktes und zur bevorstehenden Anschaffung eines neuen Bürger- und Vereinsbusses.
Eigentum verpflichtet. In der folgenden Diskussion war einer Besucherin das Thema Verbesserungsbeiträge besonders wichtig. Der Forderung, Mieter an den umlegungsfähigen Kosten der Wasserver- und Abwasserentsorgung zu beteiligen, widersprach der Bürgermeister mit Hinweisen auf Eigentumspflichten. Eine gebührenorientierte Finanzierung führe zudem zu einer hohen Kreditaufnahme mit einer jahrzehntelangen Belastung des Gemeindehaushaltes und der Gebührenzahler. Die weitere Debatte bestimmten Wünsche zur regelmäßigen Spülung der Wasserleitungen, der Vorschlag zur Verwendung langlebiger Materialien bei Ruhebankgarnituren und Empfehlungen zu einer Lautsprecheranlage im Friedhof.
Planfeststellung und Termine in den Ortsteilen
Nicht vorgesehen ist in der Planung zur Ortsumgehung die bisherige Zuwegung der Kapellenstraße in Richtung Fronlohe. Den Wunsch eines Versammlungsteilnehmers zu einer Unterführung musste der Bürgermeister mit Hinweisen auf die Rechtskraft des Planfeststellungsverfahrens nach einem zähen Planungsmarathon und Gerichtsurteilen verneinen. Mit Terminbekanntgaben zur Einweihung der offenen Ganztagsschule am 16. Oktober 2026 und zu weiteren Ortsteil-Bürgerversammlungen am 20. Oktober in Thurndorf und am 3. November in Sassenreuth schloss Ewald Plößner die Versammlung.
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