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Eisi Gulp feiert umjubelte Vorpremiere in Schwarzenfeld

Schwarzenfeld. Eisi Gulp feierte die Vorpremiere seines Programms „Tagebuch eines Komikers – Teil zwei – Sturm- und Drangzeit“ und begeisterte mit Tempo, Witz und Improvisation. Hauptpremiere am 20. Juli in Wunsiedel.

Eisi Gulp feiert umjubelte Vorpremiere in Schwarzenfeld

Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

Sturm, Drangzeit und vergessene Kostüme – Eisi Gulp begeistert bei seiner Vorpremiere in Schwarzenfeld. Schwarzenfeld (gau): Ein vollbesetzter Saal im Restaurant Miesberg und ein hochmotivierter Künstler unter Dauerdampf. Im Rahmen der Schwarzenfelder Kulturwochen feierte Eisi Gulp mit seinem neuen Programm „Tagebuch eines Komikers Teil 2 – Sturm- und Drangzeit“ eine umjubelte Vorpremiere.

Spontaneität, Mimik und Dialekte: Vorpremiere in Schwarzenfeld überzeugt

Dass die Zuschauer zu Beginn schelmisch verunsichert wurden, ob man ohne das Vorwissen aus Teil eins überhaupt folgen könne, stellte sich schnell als Finte heraus; der Einstieg gelang mühelos. Der gebürtige Münchner fackelte nicht lange und interagierte von der ersten Sekunde an mit seinem Publikum. Immer wieder geriet er bei den spontanen und schlagfertigen Antworten seiner Ansprechpartner in einen Lachflash. Der Kabarettist erwies sich einmal mehr als absoluter Meister der Geräuschimitation, der Dialektnachahmung und der wandlungsfähigen Mimik. Auch seine tänzerischen Qualitäten blitzten immer wieder auf. Eine chronologische Erzählung seiner Vergangenheit blieb dabei zwar oft auf der Strecke, doch das störte niemanden.

Der Teufel steckte hier im Detail, was unter anderem ein herrlich ausführliches Statement über Blähungen mit witzigen Anekdoten unter Beweis stellte. Gulp testete seine Gags auf Herz und Nieren und warf immer wieder einen kontrollierenden Blick auf die Uhr.

Pointen, Tabuthemen und Improvisation mit Langzeitwirkung

Am Ende stellte er verblüfft fest, dass er zwar bereits 2,5 Stunden auf der Bühne stand, sein eigentlich geplantes Programm aber längst nicht komplett durchgebracht hatte. Der Entertainer präsentierte sich topfit, witzig und extrem schlagfertig, wenngleich er sich gelegentlich in Themen verzettelte, die er am Ende selbst mit einem Augenzwinkern als wohl zu ausführlich erklärte.

Inhaltlich nahm der Komiker kein Blatt vor den Mund und vertrat felsenfest zu jedem Thema seine eigene Meinung. Er outete sich als entschiedener Gegner von Nikotin und Alkohol und stellte klar, dass ein gelegentliches Kiffen für ihn absolut kein Problem darstellt. Unverblümt riss er Tabuthemen an – vom „ersten Mal“ bis hin zum berüchtigten „Reißverschlussmonster“, das im Dunkeln lebt und maßgeblich die Triebfeder vieler Männer ist. In all diesen Momenten blitzte seine enorme schauspielerische Klasse auf.

Finale mit Bécaud-Hommage und Ausblick auf die Luisenburg

Besondere Kreativität war unfreiwillig gefragt, da der Protagonist im Vorfeld seine Utensilien und Kostüme schlichtweg vergessen hatte. Die spontane Improvisation tat dem Abend jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Sie unterstrich seine erfrischende Authentizität.

Grammer Solar
Grammer Solar

Der emotionale Höhepunkt folgte zum Finale mit einem Abschiedslied im unverkennbaren Stil von Gilbert Bécaud. Dies war Eisis ganz persönliche Grand-Prix-Eurovision-Antwort auf das Jahr 1980, als er im Hintergrund von Katja Ebsteins Hit „Theater“ als Pantomime im Backgroundchor mitwirkte. Mit offenem Hemd und rauchig-sexy Stimme zog er das Publikum noch einmal komplett in seinen Bann. Als Bonus gab es zusätzliche Zugaben, bei denen Eisi Gulp die letzten Pointen testete. Ein rundum gelungener Härtetest vor der großen Hauptpremiere, die am 20. Juli auf der Luisenburg in Wunsiedel über die Bühne gehen wird.

Werdegang von Eisi Gulp

Eisi Gulp, mit bürgerlichem Namen Werner Eisenrieder, wurde am 3. November 1955 in München-Schwabing geboren. Nach einem frühen Schicksalsschlag, dem Tod seines Vaters, fand der junge Münchner Halt im Sport und Tanz. Nach dem Studium der Tanzpantomime in München vertiefte er Modern Dance im renommierten Studio von Merce Cunningham in New York. Dort ließ er sich stark von der US-Straßenkunst inspirieren. Seine artistischen Fähigkeiten verfeinerte er anschließend beim Studium für Akrobatik und Stunt bei Ella Jarosczewicz in Paris. Diese fundierte Ausbildung prägt bis heute seine unnachahmliche, hochexperimentelle Körpersprache auf der Bühne.

In den 1980er-Jahren startete er mit der „Eisi Gulp Comedy Show“ bundesweit durch. Den großen TV-Durchbruch feierte er von 1984 bis 1985 als Moderator der legendären BR-Jugendsendung „Live aus dem Alabama“. Fast zeitgleich gelang ihm 1985 als Hauptdarsteller in Percy Adlons Kinokomödie „Zuckerbaby“ der schauspielerische Durchbruch. Seit den 1990er-Jahren tourt er mit seinem prämierten Theater- und Aufklärungsprogramm „Hackedicht oder was“ zur Drogenprävention erfolgreich durch Schulen. Nach zahlreichen Rollen in deutschen TV-Produktionen (unter anderem „München 7“ oder „Watzmann ermittelt“) erlebte seine Karriere ab 2013 einen neuen Höhepunkt.

Als kiffender Papa Eberhofer in den millionenfach gesehenen Eberhofer-Krimis spielte er sich endgültig in den Kultstatus. Seit 2015 ist er zudem als charmanter Lebenskünstler Sascha Wagenbauer fester Bestandteil der BR-Heimatserie „Dahoam is Dahoam“. Nach einer längeren Solopause kehrte der Allround-Künstler 2024 furios auf die Kabarettbühnen zurück und tourt aktuell mit den Darbietungen „Tagebuch eines Komikers – Teil 1 und Teil 2“.

Interview mit Eisi Gulp in Schwarzenfeld

Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

Peter Gataut: Sie nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch Ihre Jugend. Gab es einen bestimmten Auslöser oder tatsächlich ein wiederentdecktes Tagebuch, das Sie zu diesem zweiteiligen Soloprogramm inspiriert hat?

Eisi Gulp: Nach einer längeren Bühnenabstinenz, ich glaube, es waren fast zwölf Jahre, bekam ich eine Bühnenanfrage, obwohl ich noch gar kein Programm hatte. Der mir gut bekannte Veranstalter hat mich so lange gelöchert, bis ich zugesagt habe. Auf der Suche nach dem richtigen Inhalt inspirierte mich die BR-Sendung „Lebenslinien“, die über mich eine Biografie ausgestrahlt hat. Zu diesem Zweck kramte ich nach alten Fotos und tauchte gedanklich wieder in die Vergangenheit ein. Dann wurde mir schnell klar: Ich habe so viel Schräges erlebt und unglaubliche Menschen getroffen, dass das genügend hergibt. Schnell war klar, dass meine Erlebnisse nicht in einem Abend untergebracht werden können, sodass bald Teil zwei folgte und es mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch Teil drei und vier geben wird.

Viele kennen Sie nur als Komiker und Schauspieler, aber Sie haben auch Tanz in New York und Akrobatik in Paris studiert. Wie stark prägt diese internationale Schule Ihre Comedy bis heute?

Eisi Gulp: Die Erfahrungen in Paris eher weniger, aber von der Zeit in New York habe ich sehr viel mitgenommen und profitiere noch heute davon. Die Erfahrung, die ich dort gesammelt habe, war geprägt von positiver Energie und Faszination. Gemeinsam mit einer amerikanischen Ballerina, in die ich damals bis über beide Ohren verliebt war, machte ich mich auf den Weg über den großen Teich und lernte dort unfassbare Menschen kennen. Zum Beispiel Philippe Petit, ein kleiner Franzose, der nicht nur Straßenjongleur, Pantomime und Einradfahrer war, sondern im August 1974 einfach ein Drahtseil zwischen den beiden World-Trade-Center-Türmen spannen ließ und ohne Sicherung und Genehmigung als Seiltänzer die rund 60 Meter lange Strecke vor den Augen Tausender Schaulustiger zurücklegte. Bei seiner Verhaftung für die illegale Überquerung glänzte er als Taschenspieler, als er unbemerkt den Polizisten Armbanduhr, Geldbörse und Handschellen entwendete. Aufgrund der ausführlichen Berichterstattung und der weltweiten Anerkennung seiner Leistung wurden aber sämtliche Anklagepunkte wieder fallen gelassen.

Seit 2015 spielen Sie auch den Sascha Wagenbauer in „Dahoam is Dahoam“. Wie leicht fällt Ihnen der Spagat zwischen der bayerischen Serie, den Eberhofer-Kult-Krimis und der völlig freien Bühne im Solo-Programm?

Eisi Gulp: Für mich ist das kein Spagat, sondern nur eine andere Umsetzung. In den Eberhofer-Filmen bekomme ich viel Gestaltungsfreiheit und auch bei „Dahoam is Dahoam“ habe ich mir das erkämpft. Improvisation ist dabei ein ständiger Wegbegleiter und eine Muse von mir, die mir jetzt natürlich bei meinen Bühnenauftritten sehr entgegenkommt.

Sie spielen schon seit mehreren Jahrzehnten ehrenamtlich das Drogenpräventionsprogramm „Hackedicht oder was“, um Jugendliche vor Alkohol- und Drogenmissbrauch zu warnen. Ist es nicht ein Widerspruch, dass sie in der Rolle als kiffender Papa Eberhofer über die Leinwand flimmern?

Eisi Gulp: Nein, ganz und gar nicht. Alkohol und klassische Drogen wirken stark auf das zentrale Nervensystem und gelten, anders als oft angenommen, als Zellgifte. Im Gegensatz dazu ist Hanf eine Pflanze, deren Hauptwirkstoff THC an körpereigene Cannabinoid-Rezeptoren andockt, was meist eher beruhigend oder euphorisierend wirkt. Außerdem ist es nur eine Rolle. Wenn ich einen Mörder spiele, bringe ich deswegen ja im richtigen Leben auch keinen um.

Warum haben Sie sich gerade den Standort Schwarzenfeld in der Oberpfalz für eine Vorpremiere ausgesucht?

Eisi Gulp: Schwarzenfeld als Vorpremiere-Ort wurde von mir persönlich nicht ausgesucht, aber mir gefällt die Location hier. Einen direkten Bezug zur Oberpfalz habe ich nicht, aber meine Mama ist in Wolnzach geboren, das ja nur rund 30 Kilometer von der oberpfälzischen Grenze entfernt ist.

Welchen Ratschlag oder welche Philosophie wollen Sie unseren Lesern und Ihren unzähligen Fans mit auf den Weg geben?

Eisi Gulp: Geht’s mehr raus und lasst euch nicht von der Flimmerkiste so vereinnahmen. Das richtige Leben findet draußen statt.

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