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Laienspieler Etzenricht feiern Jubiläum und blicken auf eine lange Theatertradition zurück

Etzenricht. Die Etzenrichter Laienspieler dürfen heuer ihr 50jähriges Bestehen feiern. Gegründet wurde die heutige Theatergruppe im Jahr 1976 unter dem bekannten, aber im Jahr 2000 verstorbenen Etzenrichter Original Hans Winter.
Die Geschichte des Etzenrichter Laienspieltheaters geht aber bereits bis vor 1900 zurück, was in Aufzeichnungen verschiedener Vereine zu finden ist.

Laienspieler Etzenricht feiern Jubiläum und blicken auf eine lange Theatertradition zurück

„Das sündige Dorf“ wurde im Jahr 1978 auf die Bühne im Hermann Saal gebracht und da wurde schon auch mal gerauft. Foto Hans Winter

In der Festschrift von Hans Winter, die er 1981 zum 5-jährigen Bestehen der Laienspielgruppe verfasste, ist zu lesen, dass es vor und um 1900 weder Saal noch Bühne gab und größere Veranstaltungen mit Theater im Anwesen Pfister stattfanden. Das Theaterspiel übernahmen verschiedene Vereine, aber schon in diesen Zeiten waren alle Spieler mit sehr großem Eifer bei der Sache.

Damals wurde häufig zu besonderen Anlässen Theater gespielt. Brauchtumpflege unter Gleichgesinnten zur Freude und Unterhaltung der Dorfbewohner.

Als im Jahr 1907 im Gasthof Riebel eine neuer, für die damalige Zeit moderner Saal erbaut worden war, erfolgte dem Theatergeschehen ein beachtlicher Aufschwung.

Wenn auch die Bühne von Aufführung zu Aufführung immer wieder neu erstellt werden musste, so war es doch für den Besucher schon ganz komfortabel, ins Theater zu gehen. Saal und Bühne erlebten über 40 Jahre Theateraufführungen.

Hans Winter und das Laienspiel waren eine Leidenschaft

Hans Winter war ein Theaterspieler, der seine Leidenschaft gerne weitergab. Heute stehen Maria Smola und Walter Voß für sein Vermächtnis und hoffen dies auch für die Zukunft bewahren zu können. Foto Hans Winter

Hans Winter hatte sich zum 5jährigen Bestehen der jetzigen Etzenrichter Laienspieler sehr viel Mühe gemacht, die Geschichte des Theaters zu Papier zu bringen. Bis zu seinem Tod war Hans Winter der Mann, der in einem Atemzug mit dem Laienspiel verbunden war.

Die Festschrift gibt einen interessanten Einblick auf die lange Tradition. Vor allem die vielen Geschichten, die er damals von Augenzeugen sammelte und aufschrieb, lassen wunderbar in die Vergangenheit eintauchen, erzählen viele Anekdoten und lassen den Leser schmunzeln.

Grammer Solar
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Da es also schon immer Theater gab und oftmals auch die örtliche Geistlichkeit Initiator für kulturelle Vereine war, gründete sich 1965, nach längerer Theaterpause, auf Anregung von Kaplan Murr eine Etzenrichter Laienspielgruppe, die schnell 100 Mitglieder zusammen hatte.

Diese Gruppe spielte bis 1969, zerfiel dann leider wieder, weil die Wege der Darsteller in verschiedene Richtungen verliefen. Marie-Luise Krauß und Irmgard Benedikt, aus der Vorgängerkonstellation, sind der heutigen Gruppe immer noch treu verbunden.

Ein Archivfund von Hans Winter war eine Aufnahme aus dem Jahr 1925. Der Radfahrerverein führte den „Paragraphenschuster“ auf. Foto Archiv Hans Winter
Dezember 1978 „Da is der Wurm drin“ Foto Archiv Hans Winter
Nachdem im Gründungsjahr 1976 die erste Aufführung der Theatergruppe so erfolgreich war, brachten sie im gleichen Jahr, mit „Nu amoi a Lausbua sei“ gleich noch ein zweites Stück auf die Bühne. Foto Archiv Hans Winter
Ein Stück der Gruppe der Jahre 1965 – 1969 Foto Archiv Hans Winter

Der Neustart einer motivierten und aufstrebenden Theatergruppe

Im Spätherbst 1975 war es Monsignore Franz Ettenreich, der die Etzenrichter Jugend ansprach, ob sie nicht Theater spielen wolle. Ettenreich selber ein Freund von Sketchen mit Witz, nutzte die Anwesenheit der verschiedenen Jugendgruppen die sich im Jugendheim zu Gruppenstunden trafen und rannte dabei auch bei Hans Winter offene Türen ein.

Damit war der Grundstein für die jetzigen Etzenrichter Laienspieler gelegt. Am 5. Februar 1976 fand die erste Leseprobe zum Theaterstück „Der Wahlkampf“ statt.

Und am Ostermontag 76 hieß es dann Vorhang auf zu einer Aufführung am Nachmittag für Kinder und ältere Leute. Am Abend wurden 240 Zuschauer gezählt und der Hermann Saal, mit großer Bühne, war brechend voll.

Die ersten Akteure die unter der Regie von Hans Winter mitwirkten waren Jürgen Orlik, Alma Kandler (Bäuml), Wolfgang Teichmann, Hubert Windisch, Maria Ott (Greiner), Erich Grüssner, Iris Grüssner (Döring), Hubert Zwack und Walter Voß.

Die Darsteller der ersten Stunde nach Gründung der Etzenrichter Laienspieler, die heuer ihr 50 jähriges Bestehen feiern dürfen. Foto Archiv Hans Winter

Da die Aufführung ein so großer Erfolg war, gab es im Herbst des gleichen Jahres gleich noch „Nu a mal a Lausbua sein“.

Interessante Fakten aus 50 Jahren

Von 1976 bis heute gab es bei den Etzenrichter Laienspielern 180 Aufführungen mit 51 Stücken und einer Zuschauerzahl von 27 000 Personen.

In den 50 Jahren musste die Gruppe nur einmal wegen Krankheit eines Hauptdarstellers und zwei mal wegen Corona, die Aufführungen absagen. Unter ihrem Theaterziehvater und Regisseur, der auch von 1976 – 1998 Vorsitzender des Vereins war, lernten die Darsteller nicht nur Theater zu spielen, sie lernten es lieben.

Von 1998 – 2009 hatte den Vorsitz des Vereins dann Jürgen Orlik inne, der ab der ersten Stunde dabei und bis zu gesundheitlichen Problemen im Jahr 2009 als Schauspieler mit Herz und Seele auf der Bühne stand.

Maria Smola übernahm das Amt der Vorsitzenden 2009 und ist es bis heute mit viel Engagement und Freude. Auch sie kann genauso wie Walter Voß, das 50 jährige Bühnenjubiläum feiern und blickt auf herrliche Theaterstücke zurück.

Walter Voß und Maria Smola feiern nicht nur 50 Jahre Verein, sondern auch 50 Jahre Bühnenjubiläum. Foto aus dem Jahr 2018 Sylvia Wallinger

Unvergessliche Erlebnisse mit TV und im Ausland

In 50 Jahren gab es durchaus auch besondere High Lights. Das größte davon wahr wohl die Fernsehaufzeichnung durch OTV am 29. November 1997 beim Stück „Bloß koan Schnaps“. Damit ging auch der größte Wunschtraum des „Chefs“ Hans Winter in Erfüllung, der immer sagte „I sogs eich, ihr kummts nu ins Fernsehn“.

Bei OTV lief das Stück nicht nur in unserer Region, denn OTV stellte die Aufzeichnung auch anderen bayerischen Regionalfernsehsendern zur Verfügung, was durchaus dazu führte, dass Verwandte in München, oder Arbeitskollegen in Ingolstadt Walter Voß darauf ansprachen.

Besonders zu erwähnen ist in der Geschichte der Laienspieler die enge Verbundenheit mit den Spielern der Steinachbühne in der Patengemeinde Algund. So gastierten die Etzenrichter anlässlich der „1000 Jahre Algund“ in der Patengemeinde mit viel Erfolg und zahlreichen lustigen Anekdoten zu Bühne und Aufführung. Im Jahr 2018 zur 50 jährigen Patenschaft gab es dann gegenseitige Aufführungstermine in beiden Orten.

Auch schon zum 40 jährigen Patenschaftsjubiläum gab es je Gruppe einen Einakter und sogar den gemeinsamen Akt „Patenschaft“, der von Erwin Oberhuber aus Algund und Walter Voß geschrieben wurde.

Die Verbindung mit den Freunden der Steinachbühne in der Patengemeinde Algund ist für die Etzenrichter Laienspieler etwas ganz Besonderes. Foto aus dem Jahr 2008 Sylvia Wallinger

Die Laienspielgruppe hatte aber auch immer wieder Aktivitäten jenseits der Bühne. Es gab mehrtägige Ausflüge, Faschingstänze und immer wieder Sketche und Unterhaltung zum Beispiel bei der MS Gruppe in Weiden, Kinderfasching, Seniorenfasching oder Verein macht Schule.

Vom Hermann Saal auf die Bühne im Untersaal der katholischen Kirche

Im Jahr 2017 mussten die Etzenrichter Laeinspieler ihren geliebten Hermann Saal, aus baurechtlichen Gründen, hinter sich lassen und brauchten eine neue Bleibe. Seitdem geht jedes Jahr der Vorhang im Untersaal der katholischen Kirche auf.

Stimmen einiger Spieler

Die Ausführungen einiger befragter Laienspieldarsteller ähnelten sich in gewisser Weise, denn alle kamen zufällig dazu sich zu probieren. Oft nach direkter Ansprache von Maria Smola. Und wer es einmal probiert hat, liebt es auf der Bühne zu stehen. Leider führen oft verschiedene private Umstände dazu, dass Akteure nicht dabei bleiben können. Manche kommen nach einigen Jahren zurück und spielen wieder mit, oder helfen auf andere Weise die Aufführungen zu unterstützen. Ein fester Kern ist jedoch immer verfügbar.

Ein Traum soll wahr werden

„Es wäre aber schön, wenn sich in Etzenricht mehr junge Menschen für das Theaterspielen interessieren würden. Seit einigen Jahren haben wir einen Mangel an jungen Menschen. Gott sei Dank fanden wir immer wieder Unterstützung aus der Umgebung, wie zum Beispiel bei den „Comedians“. Ohne die hätten wir in den letzten Jahren wohl nicht mehr spielen können.“

„Es soll aber weiter gehen und ein großer Traum, den schon Hans Winter hatte, wäre ein eigener Theaterstadl.“ „Eine Freilichtbühne auf dem Dorfplatz könnten wir uns mittelfristig auch vorstellen“, vermeldete Walter Voß.

Bürgermeister Martin Schregelmann verspricht der Gruppe erst einmal die Kosten für das nächste Theaterstück zu übernehmen. Er freut sich sehr über die kulturelle Bereicherung und das Engagement der Laienspieler. Ob die Träume der Theaterfreunde in Erfüllung gehen könnten, konnte er aber leider nicht beantworten.

Maria Smola ist dankbar

Vorsitzende Maria Smola liebt es selber auf der Bühne zu stehen und Menschen jeden Alters für ein paar Stunden den Stress des Alltags zu nehmen. In den vergangenen 50 Jahren waren jede Menge an Herausforderungen zu meistern. Alles konnte mit Emotionen, Leidenschaft und Lampenfieber erledigt werden.

Auch den sozialen Aspekt vergessen die Etzenrichter Laienspielern nie. So werden seit vielen Jahren das HPZ und die Dr. Löwsche Einrichtung zu den Generalproben eingeladen und kostenlos bewirtet.

„Ohne Vorstandsgremium, Regie, Spieler, Bühnenbildner, Helfer vor und hinter der Bühne, sowie langjährige Mitglieder gäbe es keinen Grund dieses Jubiläum zu feiern“, erklärte Maria Smola bei der feierlichen Zusammenkunft der Mitglieder im Gasthof Hermann.

„Mit Schlafsack und Kamillentee“ aus dem Jahr 2007. Foto Sylvia Wallinger
„Im Dunkeln ist gut munkeln“ hieß es 2009. Foto Sylvia Wallinger
„Pantoffelhelden auf Zeitreise“ hieß es im Jahr 2010. Foto Sylvia Wallinger
Im Jahr 2016 gaben die Laienspieler „“De Aus´gflipptn. Foto Sylvia Wallinger
„De Aus´gflipptn“ Foto Sylvia Wallinger
2014 „D´Émma is kemma“ Foto Sylvia Wallinger
2023 „Die Dorfratschn“ Foto Sylvia Wallinger
„Die Dorfratschn“ Foto Sylvia Wallinger
2025 „Schweinekram und Biowahn“ Foto Sylvia Wallinger
2026 „Männergrippe“ die Besetzung der letzten Aufführung. Foto Sylvia Wallinger
Die Jubiläumsfeier im Gasthaus Hermann. Foto Sylvia Wallinger