Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
Stadt TIR/MuseumsQuartier – James Rizzi
Stadt TIR/MuseumsQuartier – James Rizzi

Heimatverein Eisendorf und Umgebung nimmt Abschied von seinem Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann

Eslarn. Der Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“ trauert um seinen Gründer, langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann, der im Juli im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Eslarn. Der Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“ trauert um seinen Gründer, langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann, der im Juli im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
Der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins "Eisendorf und Umgebung" Josef Hoffmann (Bildmitte) war 2025 das letzte Mal persönlich vor Ort. Hier mit (v.l.) dem damaligen zweiten Bürgermeister Thomas Kleber, Tochter Ute sowie Schwiegersohn und Fahnenträger Steve Macintosh als auch (v.r.) mit Heimatpfarrer Monsignore G. Hettler und Elisabeth Würfl. Foto: Karl Ziegler

Heimatverein Eisendorf und Umgebung nimmt Abschied von seinem Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann

Mit tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nimmt der Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“ Abschied von seinem langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann, der im Juli 2026 im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert der Verein nicht nur seinen Gründer, langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden, sondern auch eine Persönlichkeit, die wie kaum ein anderer die Geschichte des Heimatvereins geprägt und dessen Entwicklung über Jahrzehnte entscheidend gestaltet hat. Sein Name wird für immer untrennbar mit der Pflege der Geschichte der ehemaligen Gemeinde Eisendorf, der Erinnerung an die Vertreibung sowie dem Einsatz für Versöhnung und grenzüberschreitende Verständigung verbunden bleiben.

Ein Leben für Heimat und Verständigung

Josef Hoffmann wurde am 8. März 1935 in Eisendorf, dem heutigen Železná in Westböhmen, geboren. Sein Vater Karl Hoffmann stammte aus dem „Könich Haus“ und seine Mutter Walburga Ziegler kam ebenfalls aus Eisendorf. Als Bauer war sein Vater Fuhrmann und Pferdeliebhaber. Seine Kindheit war geprägt von den schweren Jahren des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung seiner Familie im August 1946. Aus der Ehe mit Herta Rosa, geborene Goczoll aus Pforzheim, ging Tochter Ute hervor. Der Verlust der Heimat, die Entwurzelung und der schwierige Neuanfang hinterließen tiefe Spuren. Doch anstatt in der Vergangenheit zu verharren, machte Josef Hoffmann diese Erfahrungen zur Grundlage seines Lebenswerks.

Er wollte die Erinnerung bewahren, Geschichte weitergeben und den nachfolgenden Generationen vermitteln, wie wertvoll Heimat, Frieden und Verständigung sind. Nach seiner Ausbildung zum Schreinermeister gründete er bereits im Alter von 25 Jahren seinen eigenen Handwerksbetrieb in Niefern-Öschelbronn und führte diesen über viele Jahrzehnte mit großem Erfolg. Trotz seiner beruflichen Verantwortung blieb seine Verbundenheit mit der alten Heimat stets lebendig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Herta Rosa und seiner Tochter Ute pflegte er die Erinnerungen an Eisendorf und gab diese innerhalb seiner Familie weiter. Neben seiner beruflichen Tätigkeit fand er Ausgleich im Gesang, beim Wandern, Radfahren und als großer Natur- und Waldliebhaber.

Trotz der weiten Anreise nach Eslarn war Josef Hoffmann (Mitte sitzend) mit Tochter Ute am ersten Juli-Sonntag beim Kapellenfest anwesend.Trotz der weiten Anreise nach Eslarn war Josef Hoffmann (Mitte sitzend) mit Tochter Ute am ersten Juli-Sonntag beim Kapellenfest anwesend. Foto: Karl Ziegler

Gründung und Aufbau des Heimatvereins

Mit der Öffnung der Grenzen im Jahr 1989 begann für Josef Hoffmann ein neuer Lebensabschnitt. Er erkannte früh die Chance, die Verbindungen zur alten Heimat wieder aufleben zu lassen. Aus dieser Idee entstand 1993 der Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“, dessen Gründungsvorsitzender er wurde. Mit großem persönlichen Einsatz baute er den Verein auf und führte ihn über viele Jahre mit Weitsicht, Herzblut und großem Verantwortungsbewusstsein. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Heimatverein zu einer starken Gemeinschaft ehemaliger Eisendorfer und ihrer Nachkommen. Er organisierte Heimattreffen, Begegnungen mit den tschechischen Nachbarn, kulturelle Veranstaltungen und zahlreiche Fahrten in die alte Heimat. Für viele Heimatfreunde wurden diese Begegnungen zu einem Ort des Wiedersehens, der Versöhnung und der lebendigen Erinnerung.

Waldkapelle am Goldberg und Bewahrung der Geschichte

Besonders am Herzen lag ihm die Waldkapelle am Goldberg. Mit unermüdlichem Engagement setzte er sich nach dem Bau für deren Erhaltung und würdige Gestaltung ein. Durch zahlreiche Arbeitseinsätze, Spendenaktionen und persönliche Gespräche entstand dort ein Ort des Gebets, der Erinnerung und der Begegnung. Gedenktafeln, Ausstattungsgegenstände und viele weitere Projekte tragen bis heute seine Handschrift. Für Josef Hoffmann war die Kapelle ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Geschichte der Heimat nicht vergessen werden darf. Ebenso wichtig war ihm die Dokumentation der Geschichte Eisendorfs. Er sammelte Erinnerungen, Fotos, Berichte und Zeitzeugnisse und sorgte dafür, dass das Wissen über die ehemalige Gemeinde für kommende Generationen erhalten blieb.

Versöhnung und Engagement bis ins hohe Alter

Als Zeitzeuge berichtete er immer wieder eindrucksvoll über Flucht, Vertreibung und den schwierigen Neuanfang nach dem Krieg. Seine Vorträge bewegten viele Zuhörer und machten deutlich, dass Geschichte nur dann lebendig bleibt, wenn Menschen bereit sind, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Josef Hoffmann verstand Heimat nie als Abgrenzung, sondern als Auftrag zur Verständigung. Ihm war stets wichtig, Brücken zwischen Deutschen und Tschechen zu bauen und aus der gemeinsamen Geschichte eine gemeinsame Zukunft entstehen zu lassen. Er begegnete den Menschen mit Respekt, Offenheit und Herzlichkeit und gewann dadurch auf beiden Seiten der Grenze zahlreiche Freunde.

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Auch nachdem er den Vorsitz des Heimatvereins in jüngere Hände übergeben hatte, blieb er als Ehrenvorsitzender eng mit dem Verein verbunden. Mit Rat, Erfahrung und großem Interesse begleitete er weiterhin das Vereinsleben und nahm – soweit es seine Gesundheit zuließ – an Veranstaltungen teil. Für viele Vereinsmitglieder war er Vorbild, Ratgeber und Freund zugleich.

Leitspruch und Vermächtnis

Sein Leitspruch war zugleich seine Lebensphilosophie: „Die Fremde ist unsere Heimat geworden, doch die Heimat darf nie zur Fremde werden – deshalb vergesst die Heimat nicht.“ Dieser Satz beschreibt eindrucksvoll sein Denken und sein Wirken. Josef Hoffmann wollte nicht Vergangenes verklären, sondern Erinnerung bewahren, Versöhnung fördern und den Menschen ihre Wurzeln bewusst machen. Mit Josef Hoffmann verliert der Heimatverein seinen prägenden Wegbereiter, die Sudetendeutsche Gemeinschaft einen geschätzten Zeitzeugen und viele Menschen einen wahren Freund. Sein außergewöhnliches Engagement, seine Menschlichkeit, seine Bescheidenheit und seine unermüdliche Arbeit für die Heimat werden unvergessen bleiben. Der Heimatverein „Eisendorf und Umgebung“ wird seinem langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden stets ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Lebenswerk verpflichtet uns, die Geschichte unserer Heimat weiterzutragen und die von ihm geschaffenen Brücken auch in Zukunft zu erhalten.

Das tief empfundene Mitgefühl der Mitglieder des Heimatvereins „Eisendorf und Umgebung“ gilt seiner Tochter Ute mit ihrer Familie sowie allen Angehörigen. Die Urnenbeisetzung findet aufgrund des erkrankten Bruders Werner und der Anreise von Enkelsohn Joshua aus Schottland am 19. August um 14 Uhr statt. „Das Datum wurde gewählt, da der Tag vor 80 Jahren auch der Tag der Vertreibung war“, fügte Ute Hoffmann an. „Möge mein Vater nun endlich in seine ewige Heimat gelangen.“ Danke, lieber Josef Hoffmann. Dein Wirken bleibt – Deine Spuren bleiben – Deine Heimatfreunde werden Dich nie vergessen.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!