33 Mal Demokratie: Weiden lädt zur Langen Nacht

33 Mal Demokratie: Weiden lädt zur Langen Nacht
Unter dem Motto „Gemeinsam für Freiheit, Vielfalt und Zusammenhalt“ beteiligen sich die Stadt Weiden und der Landkreis Neustadt/WN gemeinsam an der bayernweiten „Langen Nacht der Demokratie“. Schirmherren sind Oberbürgermeister Benjamin Zeitler und Landrat Andreas Meier. Rund um den Tag der Deutschen Einheit soll Demokratie nicht nur diskutiert, sondern im öffentlichen Raum erlebbar werden.
Tanja Fichtner, pädagogische Leiterin der VHS Weiden-Neustadt, stellte jetzt gemeinsam mit zahlreichen beteiligten Organisationen das umfangreiche Programm vor. Ausstellungen, Filme, Konzerte, Workshops, Diskussionen und Mitmachaktionen verteilen sich über Weiden und den Landkreis. Dabei beschränkt sich die „Lange Nacht“ längst nicht auf den Abend des 2. Oktober: Die ersten Veranstaltungen beginnen bereits im September, weitere folgen danach.
Das NOC stellt Flächen zur Verfügung, wie Julia Ertl als Vertreterin des Einkaufszentrums informiert. Dort wird unter anderem die Mitmachaktion „Demokratie braucht STIMME“ präsentiert. Außerdem treten die Tanzgruppe „Sarao Flamenco“, die Percussion-Gruppe der Musikschule Neustadt/WN auf. Im NOC findet auch der Streitförderer-Workshop der Volkshochschule statt.
Von Flossenbürg bis zum Demokratiecafé
Die Bandbreite ist groß. Herbert Schmid vertritt gleich zwei beteiligte Organisationen. Für die Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg kündigte er eine Ausstellung. Anlass ist das 40-jährige Bestehen der Arbeitsgemeinschaft. Zu sehen sind unterschiedliche Kategorien von Kunstwerken: Arbeiten von Inhaftierten, Werke aus der Zeit unmittelbar nach der Befreiung, später entstandene Arbeiten sowie Kunst von Nachgeborenen.
Für die Naturfreunde Weiden organisiert Schmid gemeinsam mit der Künstlerin Anja Schönau einen Kreativworkshop. Teilnehmer können mit Ton arbeiten und sich künstlerisch mit Demokratie auseinandersetzen.
Die „Omas gegen Rechts“ setzen auf Gespräche. Vom 21. September bis 2. Oktober öffnet täglich von 10 bis 14 Uhr ein Demokratiecafé im Café Frieden am Unteren Markt. „Uns ist wichtig, mit der Bevölkerung ins Gespräch über Demokratie zu kommen“, sagte Sigrid Künkler. Am 27. September ist dort zudem ein Konzert mit Ronja Künstler geplant. Die „Omas gegen Rechts“ sind außerdem bei der Offenen Behindertenarbeit des ARV zu Gast, wie Lydia Wetzel informiert. Sie wollen in der Sonneninsel, einem Treff für Menschen mit Beeinträchtigungen, mit Besuchern ins Gespräch kommen.
Wenn Demokratie rockt
Musikalisch wird es am 2. Oktober ab 20 Uhr bei „Demokratie rockt“. Hans-Peter Pauckstadt-Künkler und die „Church Pistols“ verbinden in der „Sünde“ Rockmusik mit Statements zum Thema Demokratie. Die Fachakademie für Sozialpädagogik will sich mit Rap und Impro-Theater beteiligen, mit dabei sind junge Menschen aus dem Elisabethheim. Zudem sind Beiträge von Amnesty International vorgesehen.
Pauckstadt-Künkler sieht auch im gleichzeitig stattfindenden Altstadtfest eine Chance. Die Kombination könne zu einer „Win-win-Situation“ werden – gerade nach einem für Händler und Gastronomen schwierigen Baustellenjahr in der Fußgängerzone. Das Altstadtfest könne zusätzliche Menschen in die Innenstadt bringen, die dann auch bei den Demokratie-Angeboten vorbeischauen.
Auch Hilde Lindner-Hausner vom OBTM sieht darin eine Bereicherung. Das Motto des Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte lautet „Ins Gespräch kommen“. „Das Altstadtfest kann eine Bereicherung sein, einfach weil mehr Menschen unterwegs sind.“
Zehn Tipps zum Schutz der Demokratie
Greenpeace Weiden bringt die bundesweite Wanderausstellung „Zehn Tipps zum Schutz der Demokratie“ nach Weiden. Wie Günther Sparrer informiert, wird die Ausstellung in der VHS und im Kunstverein gezeigt. Dazu gibt es Handzettel und am 2. Oktober einen Vortrag. „Das ist ein Thema, über das man sprechen muss“, sagte Sparrer. Sein Zusammenhang zwischen Umwelt- und Demokratieschutz: „Die Despoten dieser Welt halten gar nichts von Umweltschutz. Demokratie lässt das zu.“
Mit Film und Diskussion beteiligt sich Amnesty International beim Kunstverein. Gezeigt wird am 3. Oktober „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof. Der Film setzt sich mit dem politischen System im Iran auseinander. Ein Film, der laut Veit Wagner eine „unverblümte Abrechnung mit dem Unrechtsregime im Iran“ darstellt. Ganz konkret wird eine Petitionsliste für eine iranische Menschenrechtlerin aufgelegt.
Filme, Theater und Erinnerung
Die Evangelische Erwachsenenbildung ist nach Angaben ihrer Geschäftsführerin und pädagogischen Leiterin Bettina Hahn an drei Veranstaltungen beteiligt. Dazu gehört ein Angebot mit Improtheater und Podiumsdiskussion bei Oberpfalz Medien. In der Kirche St. Michael lautet das Motto am 24. September „Aufstehen – Aufeinander zugehen“. Geplant ist ein Abend der Begegnung zwischen muslimischen, christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften in Weiden.
Die Katholische Erwachsenenbildung bringt internationale Politik ins Programm. Am 2. Oktober um 16 Uhr stellen die Journalisten Gesine Dornblüth und Thomas Franke im Pfarrheim Altenstadt/WN ihr Thema Georgien und den „langen Arm des Kremls“ vor. Eva Bräuer kündigt eine Lesung und ein Autorengespräch an.
Bildungsreferentin Cornelia Hoffmann von der Katholischen Erwachsenenbildung weist auf den Film mit Filmgespräch „The Zone of Interest“ an. Der Film erzählt vom Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß und seiner Familie, deren scheinbar normales Alltagsleben unmittelbar neben dem Vernichtungslager stattfindet.
„SAD-88“ in Flossenbürg
Am 27. September gastiert das OVIGO-Theater in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit dem Stück „SAD-88“. Im Mittelpunkt steht der rechtsextreme Brandanschlag von Schwandorf 1988, bei dem vier Menschen ums Leben kamen.
Heidrun Riesop von der Erinnerungsgruppe der „Omas gegen Rechts“ lädt am 4. Oktober zu einer Stadtwanderung durch Weiden ein (Anmeldung erforderlich). Unter dem Titel „Vergessene Opfer“ geht es um Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden und bislang vergleichsweise wenig Beachtung fanden – darunter Opfer der Krankenmorde, Sinti sowie Menschen, die zwangssterilisiert wurden. Unterstützt wird die Gruppe dabei von Stadtarchivar Dr. Sebastian Schott.
Die Regionalbibliothek beteiligt sich mit einem interaktiven Kunstangebot. Das Augustinus-Gymnasium lädt bereits am 1. Oktober ab 19.30 Uhr zu einem von Schülerinnen und Schülern gestalteten bunten Abend ein.
Begegnungen im Landkreis
Auch im Landkreis Neustadt/WN gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Bereits am 20. September eröffnet im Café Kollektiv in Neustadt eine Ausstellung des afghanischen Künstlers Mahdi Niazi. Das neu gegründete Netzwerk Integration organisiert dort außerdem eine „Lebendige Bibliothek“: Menschen mit Migrations- und Integrationsgeschichte stellen sich als „lebendige Bücher“ für Gespräche zur Verfügung.
Beim Poetry Slam im Café Kollektiv am 25. September um 18 Uhr stehen Grundrechte und Demokratie im Mittelpunkt. In Vohenstrauß zeigen evangelischer und katholischer Frauenbund am 30. September den Film „Kein Land für Niemand“ mit anschließendem Filmgespräch.
In Weiden reicht das Programm weiterhin vom Baumfest im Stockerhutpark bis zum Eine-Welt-Laden.
Lange Nacht der Demokratie
Das vollständige Programm gibt es bei der VHS Weiden-Neustadt.




