Niemals den Humor verlieren
Niemals den Humor verlieren
Der Auftakt in die diesjährige „Kulturbühnen“-Saison war ein „Blind Date“ mit dem Kölner Stand-up-Comedian Timur Turga. Fast blind und mit Blindenstock bewaffnet erzählte der Rheinländer humorvoll von seinen Begegnungen im Alltag. Vorher schickte er aber für zehn Minuten den Nürnberger Tilman Brunke als Warming up auf die Bühne. Franken Brunke hatte sich sein Handwerk während der zweijährigen Pandemiezeit angeeignet und machte sich erstmals mit eigenen Gags über sich und seine Hautkrankheit lustig.
„Das Sozialleben war weggebrochen“
Timur Turga verbrachte die Coronazeit mit sehr viel Langeweile, wie der Comedian OberpfalzECHO anvertraute. „Ich konnte ja nicht auftreten. Mit den Hilfen für selbstständige Künstler konnte man einigermaßen klarkommen. Aber das Sozialleben war weggebrochen. Ich fühlte mich wie ein fauler Mensch, der nichts tut. Einfach nutzlos.“ Ein neues Programm auszuarbeiten sei ohne Publikumsreaktion ein schwieriges Unterfangen. „Ich brauche Menschen, die bewerten, ob etwas lustig ist oder nicht.“
Im „Kulturbahnhof“ erzählte er jetzt von hilfsbereiten Menschen, die ihn, den Sehbehinderten, schon mal in die falsche Bahn setzten oder auf die falsche Toilette schickten. Eine Dame chauffierte ihn als vermeintlichen Anhalter zum Bahnhof, wohin er aber gar nicht wollte. Was seine Augen nicht mehr erfassen können, ersetzte der Kölner mit seiner Fantasie und den Bildern in seinem Kopf.
„Jack Sparrow der Comedy“
Seine Erzählungen darüber, was sich seit seiner Augenkrankheit in seinem Leben verändert hat, beeindruckte sein Publikum. Vor allem deshalb, weil Timur Turga die Geschichten so humorvoll erzählte. „Es kommt vor, dass mich die Leute anschreien, weil sie glauben, ich sei auch taub.“ Vieles sei real, erzählte er. „Ist mir wirklich passiert.“ Eine Anekdote über die er gerne plauderte, war die, wie er mit seinem Vater zu den Kölner Geißböcken ins Fußballstadion ging. „Da gibt es Audiodeskription, die aber nicht davor schützt – wir Sehbehinderten sitzen alle am Spielfeldrand – den Ball voll an den Kopf zu kriegen.”
Mit viel Ironie erzählte er von seinen Alltäglichkeiten. So baute er seinen nervigen Wecker um, rettete die Pandabären vorm Aussterben und erzählte von seinem ehemaligen Job als Kinderpfleger. Er selbst sehe sich als „Jack Sparrow der Comedy“, was sich an seinem Bühnenoutfit auch sehr nachvollziehen ließ. Auf sympathische, ganz bezaubernde Art zeigte er dem Publikum seine Betrachtungsweise und machte allen deutlich, dass er seinen Humor niemals zu verlieren gedenkt.


