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Stiftung aus Eslarn gibt Massai-Mädchen in Tansania Stipendien

Eslarn. Die Stiftung von Pfarrer Martin Rupprecht stärkt Bildung in Tansania und gibt Massai-Mädchen Stipendien und eine Zukunft. Aus einer kleinen Initiative wurde ein anerkanntes Lernzentrum in Arusha.

Stiftung aus Eslarn gibt Massai-Mädchen in Tansania Stipendien

Wichtig für Pfarrer Rupprecht ist auch der Kontakt zu den Familien, die er beim Besuch mit Lebensmittel überrascht. Foto: Karl Ziegler
Immer wieder machen sich neue Stipendiatinnen auf dem Weg ins Lernzentrum. Foto: Karl Ziegler
Unter die Stipendiatinnen mischen sich auch Massai-Mädchen. Foto: Karl Ziegler
Bei der Essensausgabe packt auch Pfarrer Martin Rupprecht mit an. Foto: Karl Ziegler
Pfarrer Martin Rupprecht (re) spricht vor Ort im Lernzentrum mit verantwortlichen Organisatoren und Schwestern. Foto: Karl Ziegler

Das ehrenamtliche Engagement einer öffentlichen Stiftung mit Sitz in Eslarn zeigt, wie Visionen wahr werden und zu Erfolgsgeschichten werden. Der Eslarner Martin Rupprecht wurde 1992 zum Priester geweiht und wirkt seit 2017 als Pfarrer in der Pfarre Hildegard Burjan in Wien. 2002 folgte in seinem Heimatort Eslarn die Gründung der Stiftung „Jugend fördern – Grenzen überspringen“ mit dem ehrenamtlich tätigen Führungsteam Pfarrer Martin Rupprecht, Waltraud Rupprecht und Gisela Hax. Die Wirkungsstätten der Projekte liegen in verschiedenen Ländern, unter anderem in Tansania.

Was als kleine Initiative in Tansania begann, ist heute ein staatlich anerkanntes Bildungsprojekt mit internationaler Strahlkraft: Innerhalb von nur fünf Jahren entwickelte sich aus der anfänglichen Vergabe von fünf Stipendien ein tragfähiges Unternehmen mit derzeit zehn Angestellten, drei Lehrkräften und 16 Volunteers. Während im Jahr 2022 noch 16 Jugendliche begleitet wurden, waren es 2025 bereits 353 Stipendiatinnen und Stipendiaten, die durch die Stiftung neue Zukunftsperspektiven erhielten. Der Priester brachte es fertig, dass christliche und muslimische Jugendliche miteinander leben und lernen, ein gelebtes Beispiel für interreligiöse Zusammenarbeit.

Pfarrer Rupprecht reist erneut nach Dar es Salaam

Ende Januar 2026 reiste Pfarrer Martin Rupprecht erneut nach Tansania. „Wenn ich nach Dar es Salaam aufbreche, fahre ich nicht weg – ich komme heim“, beschreibt er seine tiefe Verbundenheit mit dem Land. Ziel der Reise war das Lern- und Ausbildungszentrum im Stadtteil Manzese, einem der ärmsten Viertel von Dar es Salaam. Das Zentrum, das 2019 gegründet und 2021 staatlich anerkannt wurde, wird seither kontinuierlich ausgebaut und professionalisiert. Bildung sieht Pfarrer Rupprecht als Schlüssel zur Selbstbestimmung. Auslöser für das Engagement waren Begegnungen mit jungen Menschen aus Tansania, Kenia, Burundi, dem Kongo, Pakistan und Äthiopien, die sich nichts sehnlicher wünschten als Zugang zu Bildung, Ausbildung und einer realen Zukunftschance in ihrer Heimat. Seit Pfarrer Rupprechts erster Afrikareise im Jahr 2002 wuchs Schritt für Schritt ein belastbares Netzwerk.

Einen wichtigen Meilenstein markierte das Jahr 2025 mit dem Start des Jijenge Empowerment Programms („Jijenge“ bedeutet „Baue dich selbst auf“). Erstmals wurden strukturierte, berufsorientierte Kurse angeboten: 25 junge Menschen – überwiegend Frauen – erhielten eine Ausbildung in Schneiderei oder Informatik. Ergänzt wird das Programm durch Lebenskompetenztrainings sowie gemeinnützige Aktivitäten im Stadtteil. Ein sichtbares Zeichen gesellschaftlichen Engagements setzte das Projekt auch zum Internationalen Frauentag mit 1.200 anwesenden Frauen.

Neues Projekt: Stipendien für Massai-Mädchen in Arusha

Ein wichtiger Ausblick ergibt sich mit dem Projektstart 2026 in Arusha: In Zusammenarbeit mit den Sisters of the Precious Blood of Jesus erhalten erstmals fünf Massai-Mädchen Zugang zu Schulbildung. Ziel ist es, Alternativen zu Frühverheiratung und Mädchenbeschneidung zu eröffnen. Begleitet werden sie von lokalen Partnerinnen wie Mama Agnes, selbst Massai und eine wichtige Vermittlerin zwischen Familien, Tradition und Bildungseinrichtungen. Die Massai stehen dabei sinnbildlich zwischen Faszination, Tradition und harter Wirklichkeit: farbenprächtige Kleidung und stolze Kultur auf der einen Seite, tief verwurzelte Praktiken mit schwerem Leid für Mädchen auf der anderen. Bildung und soziale Verantwortung gehen hier bewusst Hand in Hand.

Freiwillige stärken das Lernzentrum

Ein zentrales Element des Projekts sind die Volunteers: Jugendliche, die nach der Pflichtschule mehrere Monate im Lernzentrum mitarbeiten, bevor sie ein College besuchen können. Sie erhalten Verpflegung, Krankenversicherung, Schulungen sowie Orientierung für ihren weiteren Lebensweg. Während der Reise besuchte das internationale Team auch zahlreiche Familien der Stipendiatinnen und Stipendiaten. Die Lebensrealität vieler Menschen – oft ohne Wasser- oder Abwassersysteme, in beengten Behausungen und mit hoher Krankheitsbelastung – macht die allgegenwärtige Armut sichtbar. Gleichzeitig wird deutlich, wie groß die Hoffnung ist, die Bildung schenken kann. „Wenn man das nicht selbst gesehen hat, kann man es kaum glauben“, fasste ein Reisebegleiter seine Eindrücke zusammen.

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Strukturen, Transparenz und Ehrenamt

Die Stiftung beschäftigt in Tansania mittlerweile zehn Angestellte, drei Lehrkräfte und zahlreiche Volunteers. Die Monatsgehälter liegen – entsprechend dem lokalen Lohnniveau – zwischen 50 Euro (Teilzeit) und 250 Euro (Vollzeit).

Parallel zur praktischen Arbeit wurde während des Aufenthalts intensiv an der Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen gearbeitet: 2026 wurde eine neue Buchhaltungssoftware eingeführt und das Jahresbudget verabschiedet. Ziel ist es, auch bei wachsender Projektgröße internationale Standards und volle Transparenz sicherzustellen. Ein zentrales Prinzip der Stiftung bleibt unverändert: Alle Spenden fließen zu 100 Prozent in die Projekte, Reise- und Verwaltungskosten werden ausschließlich privat getragen. „Das Ehrenamt dient als Fundament der Stiftung.“ Die organisatorische und finanzielle Arbeit wird nahezu vollständig ehrenamtlich geleistet.

Vorstand und Team im Überblick

Der Vorstand der Stiftung arbeitet dabei eng verzahnt über Ländergrenzen hinweg:

  • Waltraud Rupprecht vertritt die Stiftung am Sitz in Eslarn und koordiniert lokale Aktionen. Ein besonderer Dank gilt auch den Geschwistern von Pfarrer Rupprecht und deren Familien – sie bilden das Rückgrat des gesamten Aufbaus.
  • Gisela Hax, Diplomkauffrau, verantwortet das Controlling und hält den Kontakt zur Regierung der Oberpfalz.
  • Beratend in Finanz- und Betriebsfragen wirkt Dr. Georg Hax, ehemaliger Leiter des weltweiten Risikomanagements bei Siemens Energy.
  • Stephan Binner betreut ehrenamtlich die Finanzen sowie die Jahresabrechnungen mit Regierung und Finanzamt.

In Österreich engagiert sich ebenfalls ein großes Team: Andrea Kainz verantwortet Buchhaltung und Büroorganisation, Sabine Nadler-Valent und Michael Valent betreuen Websites und Online-Berichte, Roman Temper ist für technische Lösungen zuständig, Clemens Pollheimer gestaltet mit Kreativität die sozialen Medien. Unterstützt wird das Projekt zudem von zahlreichen Engagierten in der Pfarre Hildegard Burjan.

Ein neuer Schwerpunkt in Richtung Bildung sind die Massai-Mädchen. Am Ende der Reise steht große Dankbarkeit: für ein engagiertes Team vor Ort, für hunderte Unterstützerinnen und Unterstützer in Österreich, Deutschland, Bayern und Eslarn – und für die sichtbaren Veränderungen im Leben junger Menschen. Pfarrer Rupprecht bringt es auf den Punkt: „Ihr habt Leben gerettet.“ Asante sana – herzlichen Dank.

Wer spenden möchte, kann dies auf das Konto der Stiftung „Jugend fördern – Grenzen überspringen“, LIGA Bank Regensburg, IBAN: DE43750903000001342800, BIC: GENODEF1M05.