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Urgestein aus Oberbibrach Rudolf Lins feiert 85. Geburtstag

Oberbibrach. Rudolf Lins feiert seinen 85. Geburtstag und blickt auf ein bewegtes Leben zwischen Bauernhof, Kriegserinnerung und Gemeinsinn zurück. Bürgermeister und Weggefährten würdigen ihn als prägendes Gesicht der Gemeinde.

Oberbibrach. Rudolf Lins feiert seinen 85. Geburtstag und blickt auf ein bewegtes Leben zwischen Bauernhof, Kriegserinnerung und Gemeinsinn zurück. Bürgermeister und Weggefährten würdigen ihn als prägendes Gesicht der Gemeinde.
Mit dem historischen Band über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr und die Ereignisse rund um das Kriegsende im Bereich der Region gratulierten dem Jubilar (Bildmitte) Bürgermeister Alexander Goller und zweite Bürgermeisterin Irmi Bauer. Foto: Robert Dotzauer

Urgestein aus Oberbibrach Rudolf Lins feiert 85. Geburtstag

Leutselig, lebensbejahend und zufrieden feiert Rudolf Lins als Persönlichkeit der regionalen Geschichte und als Musterbeispiel gemeinschaftsfördernder Eigenschaften seinen 85. Geburtstag.

Kindheitserinnerungen an Kriegsende

Der 19. April 1945 sollte den damals im vierten Lebensjahr befindlichen Buben Rudolf Lins ein Leben lang begleiten. Ein milder Frühlingstag mahnte die kleine Bauernfamilie Lins, angesiedelt im Ortskern des Dorfes, zur Feldbestellung. Von einem aufziehenden Unheil war nichts zu spüren, erinnert sich der am 9. Februar 1941 geborene Dreikäsehoch noch heute. „Der Krieg war für uns Kinder weit weg. Nur der Vater fehlte. Eingezogen zur Wehrmacht war der Papa Frontsoldat.“ Jäh sollte sich an diesem 19. April 1945 das Gefühl des Frühlingserwachens und der Lebensfreude ins Unglück verwandeln.

„Als meine verzweifelte Mutter mich und meine beiden Brüder plötzlich packte und wir in Richtung der Felsenkeller liefen, war für mich als Vierjährigen erstmals klar, dass da etwas nicht stimmte.“ Betend im Felsenkeller sei dann für alle klar gewesen, dass das Dorf mit Artillerie beschossen wurde. Für den Buben Rudolf waren es unvergessliche Momente, die sich beim Verlassen des schützenden Felsenkellers und bei der Rückkehr zum Bauernhaus noch stärker in das Gedächtnis einprägten. „Wir standen vor einem ausgebrannten Bauernhof, der nur noch aus vier Wänden bestand.“

Landwirtschaft, Familie und Neubeginn

Es folgten schwere Zeiten für die Familie Lins mit lebensprägenden Jahren auch für den Jubilar. Steinig war der Lebensweg und von Entbehrungen geprägt. Für die Nachfolge auf dem wiedererrichteten kleinen Bauernhof der Eltern vorgesehen, führte Rudolf Lins nach der landwirtschaftlichen Ausbildung das Anwesen mit seinem Vater durch alle Höhen und Tiefen des Bauernalltags. Im Mittelpunkt stand der Betriebszweig der Rinderzucht mit Übergabe des Hofes an den Jubilar im Jahr 1967.

„Ich wollte nur Bauer sein“, betont Rudolf Lins im Rückblick. Dazu gehörte auch die nebenberufliche Tätigkeit in Form eines landwirtschaftlichen Lohnbetriebes beim Maschinenring und als Höhepunkt des Berufslebens der Aufbau eines Aussiedlerhofes am Ortsrand. Unterstützend zur Seite stand seit 1968 Ehefrau Irmgard, geb. Kausler, aus Münchsreuth. Die Ehe war mit vier Kindern gesegnet. Seit 2001 leitet Sohn Tobias das landwirtschaftliche Anwesen.

Ehrenamt und kommunalpolitisches Wirken

Ein besonderes Augenmerk galt dem Jubilar schon in jungen Jahren dem Gemeinschaftsdenken. Beim Gratulieren im Hause Lins dankte die Freiwillige Feuerwehr Oberbibrach für eine über 40-jährige aktive Dienstzeit als Brandschützer, die Schützengesellschaft Sankt Sebastian würdigte den Jubilar als langjähriges Mitglied, die Käserei Bayreuth erinnerte an die Mitarbeit eines Landwirtschaftsexperten, und Pfarrgemeinderat, Schulverband und Wasserzweckverband, um nur einige Institutionen zu nennen, dankten einem pflichtbewussten Zeitgenossen.

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Zudem würdigten Bürgermeister Alexander Goller und seine Stellvertreterin Irmi Bauer das langjährige Engagement des Oberbibracher „Eigengewächses“ im kommunalen Bereich. Lins diente seit der Gemeindegebietsreform ab 1978 unter den Bürgermeistern Hans Hübner, Anton Schecklmann und Werner Roder 24 Jahre als Gemeinderat. 1996 kam dann der Aufstieg mit der Wahl des Jubilars zum zweiten Bürgermeister der Gemeinde Vorbach. Eine denkwürdige Zeit, die auch mit der Aufgabe verbunden gewesen sei, nach der Gebietsreform die ehemals selbstständigen Gemeinden Oberbibrach und Vorbach zusammenzuführen, so die rückblickende Zielsetzung.

Ruhestand und Blick auf die Landwirtschaft

Zum 85. Geburtstag lehnte sich der waschechte „Biwricher“ entspannt zurück. Rudolf Lins genießt mit seiner Ehefrau Irmgard den Ruhestand. Das Interesse am Zeitgeschehen und viel Lesen halten den Jubilar auch geistig frisch. Sorgen bereiten Rudolf Lins die negativen Entwicklungen beim Bauernstand. „Die vielen Betriebsaufgaben geben zu denken“, stellt das „Biwricher“ Original bei seiner Analyse über Bauerndörfer ohne Bauern fest.