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Benjamin Zeitler im Echo-Interview (1): Menschen bewegen

Weiden. CSU-Fraktionschef und OB-Kandidat Benjamin Zeitler spricht in Teil 1 nach dem großen Podium über Weltpolitik, Kommunikation und die Frage, wie man Menschen in einer polarisierten Zeit überhaupt noch „bewegt“.

Benjamin Zeitler im Echo-Interview (1): Menschen bewegen

Weidens CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler beim Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Benjamin Zeitler zu Gast bei uns in der Redaktion. Heute. Wir haben vor kurzem miteinander auf einem Podium gesessen – mit allen Kandidaten, die gerne Oberbürgermeister werden würden.

Heute haben wir den Weidener CSU-Spitzenkandidaten einzeln eingeladen, um nachzuhaken. Dort hatte er Gelegenheit, sein Programm auszubreiten. Jetzt wollen wir auf den Zahn fühlen, ob das auch alles funktioniert.

Weil Weiden, wie du selbst sagst, eine sehr internationale Stadt ist: Du hast sicher auch die Münchner Sicherheitskonferenz im Blick und der Rede des amerikanischen Außenministers gelauscht – Standing Ovations inklusive. Viele fragen: Warum? Er hat im Kern nichts anderes gesagt als J.D. Vance vergangenes Jahr, nur freundlicher. Wie war dein Eindruck?

Zeitler: Selbstverständlichkeiten sind nicht mehr selbstverständlich. Das hat sich lange angedeutet. Nicht nur bei den Republikanern. Auch Demokraten sagen immer öfter, Europa müsse sich selbst kümmern. Im Stil, wie Trump das macht, ist es unmöglich – aber klar heißt das: Europa muss für sich stehen, für die eigene Sicherheit einstehen, die Wirtschaftskraft auf die Straße bringen.

Wir sagen, wir seien die größte Wirtschaftsmacht – aber wir kriegen sie nicht wirklich auf die Straße.

Benjamin Zeitler

Wir müssen stark nach innen sein, damit wir stark nach außen sein können. Und am Schluss wirkt das bis nach Weiden: Wir sind Kasernenstandort, wir bauen kräftig aus, es kommen mehr Soldaten. So sehr mich das als Stadtvertreter freut: Es heißt auch, die Welt hat sich verändert, und wir müssen wieder mehr dahinterstehen.

Empfang am Oberen Markt: Benjamin Zeitler begrüßt Ministerpräsident Markus Söder in Weiden. Foto: Christine Ascherl

Schöner Bogen. Wir leben nicht außerhalb der Welt, die Weltlage wirkt auch hier – politisch und wirtschaftlich. Gehen wir zu dem, was du beeinflussen kannst: Kommunalpolitik. Du hast auf dem Podium gesagt: Du willst „Menschen bewegen“. Klingt gut. Aber wie bewegt man Menschen in polarisierten Zeiten?

Grammer Solar
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Zeitler: Ich habe das Motto ein bisschen von meiner Firma geklaut: „Menschen mit Sprache bewegen.“ Kommunikation ist der Schlüssel – und beginnt mit Zuhören. Zuhören, was die Leute bewegt. Ich habe den Eindruck, Rathaus und Stadtvertreter haben immer mehr Distanz aufgebaut. Man muss nur in die Bürgerversammlung schauen: Da sitzen oft dieselben 30 Bürgerinnen und Bürger, sagen uns etwas – und es wird irgendwie doch nicht gehört.

Wir müssen wieder raus, aktiv zuhören, und zwar allen zuhören.

Benjamin Zeitler

Einige wollen bestimmte Gruppen ausschließen – ich glaube, es braucht Offenheit. Das heißt nicht, den Leuten nach dem Mund zu reden. Aber Entscheidungen so zu treffen, dass man vorher zuhört und nichts überstülpt. Diese Extreme entstehen nicht durch zu viel, sondern durch zu wenig Kommunikation. Da braucht es mehr Dialog in alle Richtungen.

Podiumsdiskussion des Bunds der Selbständigen in Kooperation mit OberpfalzECHO am 11. Februar 2026. Von links: Benjamin Zeitler (CSU), Jürgen Meyer (Bürgerliste), OberpfalzECHO-Chefredakteur Jürgen Herda, Florian Vogel (FDP), Laura Weber (Grüne) und Jens Meyer (SPD). Foto: Martin Zimmer

Wenn wir von Entscheidungen sprechen: Ich will dich nicht mit Trump – Gott bewahr‘ – vergleichen, aber der hat in den ersten Tagen Unmengen an Anordnungen unterschrieben. Gibt es Dinge, die du vorbereitet hast, wo du sagst: Das will ich in den ersten 30 Tagen, im ersten Vierteljahr umsetzen?

Zeitler: Lustigerweise habe ich auf meinem PC tatsächlich ein Dokument offen, wo ich mir Dinge notiere – Themen, die die Leute nerven. Ich sage es jetzt nicht konkret, weil wir ja noch zwei, drei Wochen bis zur Wahl haben. Aber da geht es um Friedhof, Parksituation im Eingangsbereich – Themen, die seit Jahren hängen, weil keine Entscheidungen getroffen werden. Das ist symbolisch: Die Leute wollen, dass am nächsten Tag alles passiert.

Ehrlicherweise: Wir werden nicht alles von heute auf morgen ändern.

Benjamin Zeitler

Meine oberste Priorität am Anfang ist, in die Verwaltung und Beteiligungen reinzuhören. Schlagkraft entsteht, wenn man die Mannschaft zusammenbringt. Ich nehme Frust wahr: Leute sind motiviert, können es aber nicht ausleben. Mein Hauptschwerpunkt am Anfang ist mit und in der Verwaltung zu arbeiten, um uns top aufzustellen.

Und dann Prioritäten anschieben: Wohnungsbau im Weidener Osten – konkret die Idee, das mit einem Externen voranzutreiben – und die Schullandschaft. Sechs Jahre klingen lang, aber was in den ersten zwei Jahren nicht gelingt, gelingt in der Periode meistens nicht mehr.

CSU-Kandidat Benjamin Zeitler: „Menschen, die Stadt Weiden, die Region bewegen: Das ist das, was mich mein ganzes Leben antreibt. Ich mache das nicht nur in meinem beruflichen Kontext: Ich war im Geschichtspark, im Learning Campus, jetzt im Innovations-Hub. Sondern mein ganzes Leben lang schon ehrenamtlich. Ich will, dass es vorangeht. Diese Leidenschaft und dieses Engagement will ich für die Stadt vollumfänglich einsetzen. Dafür trete ich an.“ Foto: Christine Ascherl

Analyse (Teil 1): Was Zeitler hier wirklich sagt

  • Haltungsangebot statt Maßnahmenkatalog: Zeitler startet bewusst nicht mit „Projekten“, sondern mit „Mindset“: Weiden als Teil der Weltlage, Politik als Führungs- und Kommunikationsaufgabe.
  • Kommunikation = Zuhören + Entscheidung: Er setzt „Dialog“ als Gegenmittel zur Polarisierung – grenzt sich aber ab von „nach dem Mund reden“.
  • „Quick Wins“ als Symbolpolitik mit Zweck: Er deutet konkrete Reizthemen (Friedhof, Parken) an, hält sie aber zurück – und rahmt sie als sichtbare Handlungsfähigkeit in den ersten 100 Tagen.
  • Verwaltung als Startmotor: Früh zeigt sich ein wiederkehrendes Motiv: Er will zuerst das „System Rathaus“ aktivieren, bevor er Großprojekte verspricht. Das ist zugleich Selbstschutz gegen Erwartungsdruck – und eine klare Prioritätensetzung.