Jahn in Liga 3: Beste Saisonleistung gegen SV Wehen Wiesbaden
Jahn in Liga 3: Beste Saisonleistung gegen SV Wehen Wiesbaden
Schon gegen Ende der Hinrunde blitzte immer wieder mal etwas auf, das Hoffnung machte: Nicht nur Kampfgeist, nicht nur die höchste Laufleistung der Liga, sondern auch spielerische Elemente. Nur leider viel zu selten und kaum je über 90 Minuten. Wenn das, was die Wimmer-Jungs heute gezeigt haben, der neue Jahn sein sollte, können sich die Fans auf die restlichen 13 Saisonspiele aber mal so richtig freuen.
Und zwar nicht nur über den Ausnahmekönner Noel Eichinger, der nach 28 Minuten das überfällige 1:0 abstaubt und mit genialen Einzelleistungen die Sturmkollegen Eric Hottmann, Christian Kühlwetter und sogar Jahn-Herz Bene Saller in Szene setzt.
Michi Wimmers Mut und Spielfreude
Inzwischen lassen sich vom Mut und der Spielfreude, die der Trainer fordert, auch der Rest der Mannschaft anstecken. Ein Malte Karbstein etwa, der nicht nur mehr als solide verteidigt, sondern auch mit Läufen auf der linken Außenbahn für Gefahr sorgt – und letztlich mit dem 2:0 das zu knappe Ergebnis absichert.
Oder Nicolas Oliveira, der über rechts seine Geschwindigkeit ausspielt und Wiesbadens Abwehr ein ums andere Mal in die Bredouille bringt. Im Mittelfeld zieht Adrian Fein mit Übersicht die Fäden – wenn nur auch seine vielen Ecken mehr Ertrag brächten!
Das einzige Manko: Allein bis zum Führungstreffer schießen die Regensburger neunmal vergeblich auf den Kasten des auf der Linie reaktionsschnellen SVWW-Keepers Noah Brdar – Wehen-Wiesbaden kein einziges Mal. Mehr Ballbesitz, deutlich mehr gewonnene Zweikämpfe, massives Pressing, schön herausgespielte Chancen, aber viel zu wenig Ertrag für diesen Aufwand.
Chancenwucher vor und nach der Pause
Schon in den ersten 30 Minuten rollt Angriff um Angriff. In der 9. Minute taucht Eichinger nach einem schlimmen Fehlpass halbrechts frei auf – Brdar pariert zur Ecke. Kurz darauf bedient er Hottmann mustergültig, doch dessen Direktabnahme gerät zu harmlos (21.). Saller prüft den Keeper aus zwölf Metern per Halbvolley (11.), setzt wenig später einen Schlenzer über die Latte (14.). Kühlwetter wird von Eichinger stark freigespielt, sein Schlenzer aus 15 Metern ist zu unpräzise (43.).
Immer wieder steht Brdar im Mittelpunkt: Gegen Eichinger aus vielversprechender Position rettet er per Beinabwehr (41.), gegen Bauer muss er sich bei einem scharfen Ball auf den zweiten Pfosten strecken (54.). Und nach einer Ecke bebt das Stadion – Wurms Kopfball landet zwar im Netz, doch die Fahne geht hoch (77.). Dazu Sallers Pfostenschuss aus 18 Metern (63.) – es hätte zur Pause gut und gerne 3:0 stehen können.
Auch in der zweiten Hälfte ändert sich das Bild lange nicht. Eichingers Abschluss kurz nach Wiederanpfiff streicht knapp vorbei (48.), Beckhoff scheitert in der 90. Minute im Eins-gegen-eins an Brdar – die Entscheidung bleibt aus.
Zittern nach Flothos Anschluss
Stattdessen wird es hinten raus tatsächlich noch eng. Eine von der Grundlinie – vielleicht auch einen Hauch dahinter – gekratzte Flanke versenkt der bis dahin glücklose Moritz Flotho aus Nahdistanz unhaltbar für Felix Gebhardt zum 2:1 (86.). Kurz zuvor hatte Gebhardt bereits einen gefährlichen Schuss von Nikolas Agrafiotis stark über die Latte gelenkt (85.).
Ergo müssen die Oberpfälzer auch noch fünf Minuten Nachspielzeit lang meist ideenlose Flanken in den Strafraum über sich ergehen lassen. Eine davon schlenzt erneut Flotho per Volley an die Querlatte (90.+1). Danach segelt ein langer Ball nach dem anderen in den Sechzehner – doch der Jahn übersteht die Druckphase und liegt sich nach dem Abpfiff erleichtert in den Armen.
Fazit: Wenn jetzt auch noch das Toreschießen gelingt, und der Jahn unter Druck nicht hektisch wird und Pässe in der Schlussphase in die Mitte zum Gegner spielt, statt zahlreiche mögliche Konter clever auszuspielen, steht am Schluss eher ein alternativloses 5:0 statt ein erzittertes 2:1.
Jahn-Trainer Michael Wimmer: „Sehr dominant“
„Wir haben da weitergemacht, wo wir in Essen aufgehört hatten. Ich habe ja gesagt, dass wir einfach besser Fußball spielen müssen. Wichtig ist, dass wir im eigenen Ballbesitz besser werden und mutiger sind – und das haben wir heute von der ersten Minute an gemacht. Wir waren sehr dominant, haben uns viele Torchancen kreiert. Auch wenn wir sie nicht gemacht haben, gibt das Selbstvertrauen. Am Ende war es ein sehr verdienter Heimsieg.
Den Sack früher zumachen, den Deckel draufmachen – klar. Aber wir haben uns die Chancen rausgespielt, und das ist immer das Wichtigste. Mit ein bisschen Selbstvertrauen gehen die Dinger auch rein. Ich finde, das ist auch das Gute an der Flexibilität der Dreierkette, dass du trotzdem in der Restverteidigung ordentlich stehst. Ich glaube, kein Gegner rechnet damit, dass so ein Halbverteidiger im letzten Drittel auftaucht.“
Malte Karbstein: „Macht Spaß, mal nach vorne zu gehen“
„Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, sind dominant aufgetreten, haben uns viele Torchancen kreiert und uns belohnt. Wir wussten aber, dass es noch schwer wird, weil Wiesbaden Druck machen würde.
Das 2:0 war sehr wichtig – schön, dass ich es gemacht habe, aber am Ende stehen die drei Punkte im Vordergrund. Wenn ich den Raum sehe, versuche ich, eine Anspielstation zu geben. Macht Spaß, auch mal nach vorne zu gehen.“
SVWW-Trainer Daniel Schering: „Punkt nicht verdient“
„Im Kopf und in den Beinen viel zu langsam. Wir sind viel zu spät ins Spiel reingekommen. Es wäre hinten raus mit dem Lattenschuss noch möglich gewesen, aber bei der Summe an Chancen, die Regensburg hatte, nicht verdient. Jetzt geht es darum, daraus zu lernen und es im nächsten Spiel gegen Ingolstadt besser zu machen.“
SVWW-Keeper Noah Brdar: „Nicht gut ins Spiel gekommen“
„Wir sind von Anfang an nicht gut ins Spiel gekommen. Regensburg hatte viele Chancen und hat verdient geführt. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns heute keinen Punkt verdient.“
Nächste Hürde: SSV Ulm 1846
Am kommenden Spieltag darf der SSV Jahn gegen SSV Ulm 1846 noch einmal zu Hause ran. Den mitabgestiegenen „Spatzen“ steht das Wasser im Tabellenkeller bis zum Hals, wirkten aber zuletzt defensiv stabiler. Ulm setzt auf eine kompakte Fünferkette, schnelles Umschaltspiel über die Flügel und hohe Intensität im Gegenpressing.
Im Hinspiel tat sich der Jahn schwer gegen die robuste Spielweise, kam kaum zu klaren Abschlüssen. Entscheidend wird sein, ob Regensburg die heute gezeigte Dominanz im Ballbesitz auch gegen einen eklig verteidigenden Gegner durchzieht – und vor allem effizienter abschließt. Denn Ulm nutzt seine wenigen Chancen meist eiskalt.
Mit dem Selbstvertrauen aus dieser vielleicht besten Saisonleistung könnte der Jahn nun den nächsten Schritt machen: weg vom Rechenschieber im Abstiegskampf – hin zu einer sorgenfreieren Tabellenregion.
















