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Camp Pitman schließt – die schwierige Suche nach einem Zuhause

Weiden. Letzte Woche lagen die Briefe in den Postkästen: Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft sollen sich Wohnungen suchen. Das Camp Pitman neben der Kaserne schließt. Die Bundeswehr hat quasi "Eigenbedarf" angemeldet. Was jetzt dringend benötigt wird: Vermieter.

Weiden. Letzte Woche lagen die Briefe in den Postkästen: Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft sollen sich Wohnungen suchen. Das Camp Pitman neben der Kaserne schließt. Die Bundeswehr hat quasi "Eigenbedarf" angemeldet. Was jetzt dringend benötigt wird: Vermieter.
Die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung der Oberpfalz in der Kasernenstraße. Sie war im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 um Containerbauten erweitert worden. Erst kürzlich gab es Erneuerungen, ein Spielplatz wurde errichtet. Foto: Christine Ascherl

Camp Pitman schließt – die schwierige Suche nach einem Zuhause

Keine Frage: Der (bezahlbare) Mietmarkt in Weiden ist angespannt. Migrationshintergrund macht die Suche noch schwerer. Expertin ist Ulla Roscher-Geuss, Wohnungslotsin bei der Diakonie. Sie ist verantwortlich für das WOFA-Projekt. WOFA für „Wohnraum für Menschen mit Migrationshintergrund in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN.

Aktuell ist die Herausforderung besonders groß. Nicht nur die GU in Weiden schließt, sondern auch andere Unterkünfte im Landkreis, wie etwa die Unterkunft in Neustadt/WN hinter der Stadthalle. Unter den Wohnungssuchenden sind viele Familien, darunter auch Großfamilien. Aber gerade ganze Häuser sind praktisch nicht zu finden. Die Lage ist „brutal“, sagt Ulla Roscher-Geuss.

Bundeswehr-Sprecher: „Bundeswehr wird am Standort Weiden aufwachsen“

Hintergrund der Schließung ist ein Ausbau der Major-Radloff-Kaserne. Die Bundeswehr braucht ihr Gelände selbst. Es ist an die Regierung nur vermietet, ein weiterer Teil an den Zoll. Zur Größenordnung der Aufstockung will sich ein Sprecher der Bundeswehr auf Anfrage von OberpfalzECHO nicht mit Zahlen äußern. Aber er bestätigt ein „Aufwachsen“.

Die Bundeswehr wird am Standort Weiden aufwachsen. Hierzu wird weitere Infrastruktur benötigt. Aktuell wird untersucht, wie diese in der Major-Radloff-Kaserne ausgeplant werden kann und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Das direkt an der Kaserne angrenzende Areal in Bundeseigentum eignet sich grundsätzlich für den infrastrukturellen Aufwuchs und wird daher mitbetrachtet. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr

Ministerium verweist auf Unterstützung durch Ehrenamtliche

Die Grünen-Fraktion mit Landtagsabgeordneter Laura Weber hat zur Schließung des Camps eine Anfrage an den Landtag gestellt. Sie sorgt sich vor allem um „vulnerable“, also besonders verletzliche Menschen: Unter den Bewohnern des „Camp Pitman“ sind viele Kindergartenkinder, Schulkinder, schwer und chronisch Kranke, Alleinerziehende. „Sollen sich diese Menschen in Luft auflösen?“

Sie erwartet von der Regierung mehr als eine dünne Antwort. „Es gibt hier keine konkreten Lösungen“, so Laura Weber. Auch die Antwort aus dem Innenministerium wird sie nicht zufriedenstellen (siehe Infobox). Im Kern wird auf drei Aspekte hingewiesen. Erstens: Viele der Bewohner seien anerkannt, müssten also als „Fehlbeleger“ längst ausziehen. Zweitens: Wer keine Anerkennung hat, würde auf andere GUs – auch oberpfalzweit – umverteilt. Drittens: Neben den Mitarbeitern der Regierung „insbesondere auch ehrenamtliche Helfer unterstützend zur Seite“.

Betroffen: 155 Menschen

Aktuell leben laut Innenministerium in der Gemeinschaftsunterkunft 126 Personen (bei 238 Betten). Das benachbarte Übergangswohnheim für Spätaussiedler, Kontingent- und Resettlement-Flüchtlinge ist mit 29 Personen (bei 78 Betten) belegt. Alle benötigen eine neue Bleibe. Letzte Woche gingen Briefe an die „Fehlbeleger“ hinaus, sprich: Bewohner, die schon einen Aufenthaltstitel haben, nur bisher keine Wohnung fanden. Die Unruhe ist entsprechend groß. Die Weidener Integrationslotsin und das Netzwerk Asyl suchen nach Lösungen. In Weiden gibt es seit 2015 ehrenamtliche Paten.

Grammer Solar
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Wichtige Ansprechpartnerin ist Ulla Roscher-Geuss. Die Wohnungslotsin der Diakonie kennt die Vorbehalte von Vermietern, weiß auch von Negativerfahrungen: Aber weit, weit überwiege das Positive. Gezielt suche sie nach passenden Verbindungen: Sie will, dass Vermieter und Mieter zusammenpassen. Am Ende soll eine gute, langfristige Vermietung stehen. „Das Schönste für mich ist, wenn am Ende alle am Tisch sitzen und sagen: Das passt.“ Sie kennt „ihre“ Migranten beispielsweise durch das Café Farbenfroh am Pfarrplatz 6 in Weiden.

Vermieter haben Ansprechpartner

Die Problemfelder sind seit jeher falsche Mülltrennung und starkes Heizen. In einem „Mietführerschein“ werden die wichtigsten Dinge erklärt: angefangen vom Gelben Sack bis zur Verwendung eines Federbetts. „Oft sind es Kleinigkeiten“, sagt Ulla Roscher-Geuss. Den Vermietern sei es wichtig, in ihr einen Ansprechpartner zu haben. Sie helfe auch bei der „Antragsausfüllerei“. Die Miete wird bei Bürgergeld-Empfängern vom Jobcenter überwiesen, Migranten mit Arbeit zahlen selbst.

Das Mietbudget ist gedeckt, was die Suche nicht leichter macht. Für Weiden ist beispielsweise maximal eine Kaltmiete von 430 Euro akzeptabel. „Ich bin froh, dass aktuell gebaut wird“, erkennt Ulla Roscher-Geuss an. Allerdings leider nur im Hochpreis-Segment. Einzige Hoffnung: Eventuell entlaste sich der Mietmarkt durch eine Verschiebung.

Manchmal hilft es schon, wenn Vermieter die neuen Mieter „kennen“. So kann man sich in einem Fernsehbeitrag des Bayerischen Fernsehens ein gutes Bild von der Arbeit der Wohnungslotsin machen. Ulla Roscher-Geuss schildert darin am Beispiel einer kasachischen Familie die Wohnungssuche – die danach prompt ein Angebot bekam. Sie würde sich das für viele andere ihrer Klienten auch wünschen: „Das ist unsere Zukunft. Da müssen wir uns öffnen. Wir brauchen die Menschen. Und die Menschen brauchen uns.“

Das ist unsere Zukunft. Da müssen wir uns öffnen. Wir brauchen die Menschen. Und die Menschen brauchen uns.

Ulla Roscher-Geuss, Wohnungslotsin der Diakonie

Hier können sich Vermieter melden

Ulla Roscher-Geuss ist Wohnungslotsin bei der Diakonie. Sie berät Vermieter und Mieter. Wer Wohnraum vermieten möchte, kann sich hier melden.

Wer sich ein Bild von ihrer Arbeit machen will: Hier der Link zu einem TV-Beitrag des Bayerischen Fernsehens.

Regierung schließt Camp Pitman - Bundeswehr braucht Platz für hunderte neue Soldaten

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Weiden. Die Regierung der Oberpfalz wird die große Flüchtlingsunterkunft neben der Kaserne schließen müssen. Hintergrund: Die Bundeswehr will am Standort Weiden aufstocken. Inoffziell ist von mehreren hundert weiteren Soldaten die Rede, die hier stationiert werden.