Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker: Weiden setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker: Weiden setzt Zeichen gegen Antisemitismus
Es war ein Tag unvorstellbarer Gewalt. Am 7. Oktober 2023 drangen Tausende schwer bewaffnete Terroristen der islamistischen Hamas und weiterer extremistischer Gruppierungen aus dem Gazastreifen nach Israel ein. Sie überfielen Ortschaften, ermordeten Familien in ihren Häusern, erschossen Besucher eines Musikfestivals, verübten sexualisierte Gewalt und verschleppten Menschen als Geiseln. Rund 1200 Menschen wurden bei dem Terrorangriff getötet. Allein auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals bei Re’im ermordeten die Angreifer mehr als 360 Menschen.
Drei Jahre später ist das Entsetzen über dieses Massaker nicht vergessen. Rund 30 Menschen versammelten sich am 7. Oktober am Gedenkstein für die Weidener Shoa-Opfer in der Konrad-Adenauer-Anlage. Eingeladen hatte die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Weiden mit ihren drei Vorsitzenden, dem jüdischen Vorsitzenden Werner Friedmann, dem katholischen Pfarrer Alfons Forster und dem evangelischen Vorsitzenden Matthias Langer.
Unter den Teilnehmern waren Angehörige der Jüdischen Gemeinde, Freunde und Unterstützer sowie Vertreter der Politik, darunter Bürgermeister Stephan Gollwitzer und die Landtagsabgeordneten Laura Weber und Stephan Oetzinger.
Erinnerung an die Ermordeten und Verschleppten
Der evangelische Vorsitzende der GCJZ, Matthias Langer, erinnerte an das Ausmaß des Terrorüberfalls. Mehrere Tausend bewaffnete Angreifer seien an dem koordinierten Angriff beteiligt gewesen. Auch Zivilisten aus dem Gazastreifen hätten sich am Massaker beteiligt.
Langer zitierte Israels Staatspräsidenten Jitzchak Herzog, der bei der Gedenkfeier in Israel erklärt hatte: „Drei Jahre nach dem Tag unserer Katastrophe, dem 7. Oktober, neigen wir unser Haupt im Gedenken an die Ermordeten und an jene, die im Kampf gefallen sind, und wir stehen an eurer Seite, unsere teuren und geliebten Hinterbliebenenfamilien.“
Diesen Worten schloss sich Langer im Namen der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausdrücklich an.
„Woher wird meine Hilfe kommen?“
Andrea Heidenreich-Forster, Religionslehrerin und Mitglied der GCJZ, stellte ihre Ansprache unter ein Wort aus Psalm 121: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen, woher wird meine Hilfe kommen?“
Es sei die Frage eines Menschen in großer Bedrängnis, der nach Hilfe suche und offenbar niemanden finde, der ihm beistehe. Nach dem Glauben an Gott trage jeder Mensch die Verantwortung, dort zu helfen, wo Not herrsche, und einzuschreiten, wo Unrecht geschehe. Gott sei Dank gebe es Menschen, die dies täten, selbst wenn sie nicht an Gott glaubten, sondern auf ihr Gewissen hörten. „Aber der gläubige Jude – wie auch der gläubige Christ – die haben diese Verantwortung quasi verbrieft als Auftrag, dem sie nicht auskommen, wenn ihr Glaube keine Farce sein soll.“
„An der Seite Israels“
Besonders Christen hätten den Auftrag, „unseren älteren Brüdern beizustehen, den Juden“. „Wir haben die Aufgabe, dem Volk Israel beizustehen, das unsere Wurzel ist.“ Der Platz der Christen müsse an der Seite Israels sein. Und zwar gerade dann, wenn der Staat verleumdet werde, wenn dazu aufgerufen werde, ihn zu boykottieren, ihn auszugrenzen oder ihn zu vernichten. „Wie es auf den Straßen und an den Universitäten in propalästinensischen Demonstrationen gerufen wird.“
Sie zog den Vergleich zur Shoah, dem Versuch, das jüdische Volk zu vernichten. „Genau das geschieht heute. Und es sind nicht mehr nur Worte.“ Israel werde in der Tat angegriffen – aus allen Himmelsrichtungen, aus dem Jemen, dem Iran, von der Hamas und der Hisbollah. Sie zitierte den Propheten Jesaja: „Mein Herz schlägt für Jerusalem, darum kann ich nicht schweigen.“
Kaddisch für die Opfer
Vorsitzender Leonid Shaulov und Werner Friedmann von der Jüdischen Gemeinde Weiden sprachen Gebete für die Opfer des Terrorangriffs. Zu der Gedenkfeier gehörte auch eine hebräische Melodie. Mit dem Glockengeläut der benachbarten Josefskirche fand die Gedenkveranstaltung ihren Abschluss.







