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OberpfalzSPD: Wagner und Ertug wiedergewählt – klare Ansage gegen AfD

Vohenstrauß. Die Oberpfälzer Sozialdemokraten fordern ein Parteiausschlussverfahren gegen Gerhard Schröder. Beim SPD-Bezirksparteitag am Samstag in Vohenstrauß verabschiedeten die Delegierten einstimmig eine Resolution, in der der Bundesparteivorstand aufgefordert wird, die jüngsten Vorgänge rund um den Alt-Bundeskanzler Schröder rechtlich prüfen zu lassen. Bei der Zusammenkunft wurde auch die bewährte Führungscrew mit der Doppelspitze Carolin Wagner und Ismail Ertug wiedergewählt.

OberpfalzSPD: Wagner und Ertug wiedergewählt – klare Ansage gegen AfD

Der wiedergewählte Vorstand des SPD-Bezirksverbands Oberpfalz (von links): Stellvertreterin MdL Nicole Bäumler, Bezirksvorsitzende MdB Carolin Wagner, Stellvertreter Sebastian Koch, Bezirksvorsitzender Ismail Ertug, Stellverteter MdB David Mandrella, Stellvertreterin Marianne Schieder. Foto: Udo Fürst

Carolin Wagner aus Regensburg hatte sich wohl ein besseres Ergebnis erhofft als die 72,4 Prozent, die sie bei ihrer Wiederwahl zur Bezirksvorsitzenden von den 116 Delegierten (bei insgesamt 120 möglichen) bekam. Ismail Ertug, ihr Doppelspitzenpartner aus Amberg, erhielt immerhin fast zehn Prozent mehr Zustimmung (83,2 Prozent), obwohl der ehemalige Europabgeordnete in seiner neuen Position bei der Bundesbahn nicht mehr hautnah an den wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt ist.

Fünf Stunden mit Reden, Wahlen und Anträgen

Trotz der kräftezehrenden Dauer (circa fünf Stunden) ging der Bezirksparteitag in der Vohenstraußer Stadthalle recht reibungslos über die Bühne. Der zumindest für neutrale Beobachter spektakulärste Punkt kam ganz zum Schluss der insgesamt 17 Anträge: Ein Initiativantrag des SPD-Ortsvereins Regensburg-Stadt zum Parteiausschluss von Gerhard Schröder wurde einstimmig angenommen: Darin wird der Bundesparteivorstand aufgefordert, die neu bekannt gewordenen Vorgänge rund um den Altkanzler rechtlich prüfen zu lassen (siehe Infokasten).

Parteiausschluss von Gerhard Schröder gefordert

Die SPD Oberpfalz will einen erneuten Versuch unternehmen, Altkanzler Gerhard Schröder aus der Partei auszuschließen. Ein entsprechender Initiativantrag wurde beim Bezirksparteitag am 10. Oktober einstimmig beschlossen. Der Bezirksverband fordert den SPD-Parteivorstand auf, auf Grundlage neuer Vorgänge unverzüglich ein weiteres Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Ausschlusses zu beantragen.

Anlass sind Schröders Aufsichtsratsmandat bei der russischen Handelskette Hyperglobus und sein Besuch bei Russlands Präsident Wladimir Putin zu dessen Geburtstag. Die Antragsteller sehen in Schröders fortgesetzter Nähe zum Kreml einen schwerwiegenden Widerspruch zu den Grundwerten der Sozialdemokratie. Sie argumentieren, das Verhalten schade der Glaubwürdigkeit der SPD als Partei des Friedens, der Freiheit, der Demokratie und der internationalen Solidarität.

Frühere Ausschlussversuche scheiterten

Es ist nicht das erste Mal, dass Teile der SPD Schröders Parteiausschluss fordern. Bereits 2022 beantragten 17 Ortsvereine und Unterbezirke ein Parteiordnungsverfahren. Hintergrund waren hauptsächlich seine Verbindungen zu Putin und seine Tätigkeiten für russische Energiekonzerne. Die Schiedskommissionen sahen jedoch keinen ausreichenden Nachweis für einen Verstoß gegen die Parteiordnung. Im Mai 2023 verwarf die Bundesschiedskommission zudem die Berufungen zweier SPD-Ortsvereine als unzulässig. Damit blieb Schröder SPD-Mitglied.

Neuer Anlauf mit hohen Hürden

Mit dem Beschluss vom 10. Oktober will die SPD Oberpfalz nun einen neuen Anlauf ermöglichen. Der Parteivorstand soll die jüngsten Vorgänge dokumentieren und prüfen, ob sie ein erneutes Verfahren nach § 35 des Organisationsstatuts rechtfertigen. Die Entscheidung selbst soll der zuständigen Schiedskommission vorbehalten bleiben; Schröders Verfahrensrechte sollen gewahrt werden.

Ob der neue Vorstoß zu einem weiteren Verfahren führt und wie dieses ausgeht, ist offen. Die bisherigen Entscheidungen zeigen, dass ein Parteiausschluss hohe rechtliche Hürden überwinden muss.

SPD steht für Demokratie auf

In ihrer Rede stellte Carolin Wagner den Kampf gegen Rechtsextremismus ins Zentrum. Auch in den Grußworten des BayernSPD-Co-Vorsitzenden Sebastian Roloff und des Vohenstraußer Ortsvereinsvorsitzenden Manuel Dippold nahm die Auseinandersetzung mit der AfD breiten Raum ein. „Die AfD ist keine normale Partei“, sagte Wagner. Sie spreche Millionen Menschen die Würde ab und wolle sie aus Deutschland ausweisen. Wer die Partei unterstütze, könne sich nicht mehr auf bloßen Protest berufen. Auch wer ihr im Parlament zu politischen Führungsrollen verhelfe, müsse sich fragen lassen, ob er noch glaubwürdig für demokratische Werte stehe.

Scharfe Kritik übte Wagner zugleich an der Union. Deren Reaktionen auf die Wahl in Sachsen-Anhalt zeigten aus ihrer Sicht eine zunehmende Zerrissenheit. Sie warf Bundeskanzler Friedrich Merz vor, mit seiner Einordnung der Stimmen für die AfD als „false-flag-Aktion“ die Verantwortung auf SPD, Grüne und Linke abzuwälzen. Die SPD müsse deshalb bei der Verteidigung der Demokratie vorangehen und ein Prüfverfahren für ein AfD-Verbot vorantreiben.

Das Präsidium (von links): Marianne Schieder, Alexander Irmisch, Simon Grajer und Carolin Wagner. Foto: Udo Fürst
Co-Landesvorsitzender Sebastian Roloff. Foto: Udo Fürst
Es gab einiges abzustimmen beim Bezirksparteitag. Foto: Udo Fürst
Mit 116 von 120 Delegierten war der Bezirksparteitag einer der bestbesuchten der vergangenen Jahre. Foto: Udo Fürst
Die Delegierten aus dem Landkreis Tirschenreuth. Foto: Udo Fürst

Wagner widerspricht Bild vom „wirtschaftlichen Niedergang“

Auch die wirtschaftspolitischen Debatten griff die Bezirksvorsitzende auf. Die Warnungen von AfD und BSW vor einem angeblich bevorstehenden Staatsbankrott und einem Niedergang der deutschen Wirtschaft bezeichnete sie als gezielte Stimmungsmache. Deutschland stehe trotz gestiegener Schuldenquote im internationalen Vergleich solide da und verfüge weiterhin über die Bestnote bei führenden Ratingagenturen.

Die Aufnahme von 500 Milliarden Euro Schulden verteidigte Wagner als Investition in die Zukunft. Das Geld komme unter anderem Schulen, Straßen und öffentlichen Einrichtungen zugute und sichere Aufträge für die Bauwirtschaft – auch bei Unternehmen in der Oberpfalz wie Max Bögl in Neumarkt. Zugleich betonte sie, dass Arbeitnehmerrechte nicht unter die Räder kommen dürften. Menschen müssten von ihrem Lohn leben können. Bei der Gesundheitsreform räumte Wagner selbstkritisch ein, dass der SPD das nicht ausreichend gelungen sei. Die Partei müsse bei Reformen erkennbar bleiben und klare rote Linien ziehen. Einschnitte seien den Menschen zu vermitteln, wenn es gerecht zugehe.

Witron – Nachmittag der Ausbildung
Witron – Nachmittag der Ausbildung

Der neue SPD-Bezirksvorstand

Vorsitzende: Carolin Wagner, Ismail Ertug

Stellvertreter: David Mandrella, Sebastian Koch, Marianne Schieder, Nicole Bäumler.

Kassierer: Peter Wein

Weitere Vorstandsmitglieder: Dominik Brütting, Muhammet Dal, Gregor Forster, Sema Tasali-Stoll, Michaela Treml, Sabine Zeidler, Alexander Irmisch, Bruno Lehmeier, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Christina Schindler, Monika Friedl, Lisa Hartinger.

Revisoren: Martin Hollweck, Christine Kleinletzenberger, Lydia Schimmer, Sarah Lehner

Bildungsbeauftragte: Anna Gmeiner

Pressebeauftragte: Lena Schäffer

AfA‑Vertreter: Thomas Rudner

AGS‑Vertreter: Carsten Burkhardt

60plus: Heinrich Rewitzer

Juso: Maximilian Knack

SPD-Frauen: Andrea Diermeier

Gewählt wurden auch die Delegierten zum Parteikonvent (2), zum Bundesparteitag (9) und zum Kleinen Landesparteitag (12).

Roloff: Pflege, Rente und Preise ernsthaft angehen

Sebastian Roloff sprach von herausfordernden Zeiten und dankte Wagner und Ertug für ihre Arbeit an der Spitze des Bezirks. Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt, bei der Stimmen demokratischer Politiker Rechtsextremen zugutekamen, nannte er einen Skandal. Ein mögliches AfD-Verbot allein löse die Probleme allerdings nicht. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass sich ihre Lebenssituation verschlechtere. Deshalb müsse die Politik Pflege, Rente und Preise ernsthaft und gerecht angehen.

Für ein Wiedererstarken der Sozialdemokratie brauche es eine stabile demokratische Mitte, eine klarere soziale Agenda und mehr Gerechtigkeit. Roloff sprach sich dafür aus, in Regierungsverantwortung zu bleiben, statt das Ende der Koalition zu fordern. Zugleich wünschte er sich mehr öffentlichen Protest und stärkeren Rückhalt aus der Parteibasis. Jedes neue SPD-Mitglied sei eine Antwort auf die politische Entwicklung in Magdeburg.

„Aus für schwarzes Heroin“

Der Vohenstraußer Ortsvereinsvorsitzende und Informatiker Manuel Dippold griff in seinem viel beklatschten Grußwort auch die jüngsten Vorfälle mit KI-Systemen in den USA auf. Wer für solche Vorgänge verantwortlich sei, gehöre ins Gefängnis, sagte er. Dippold kritisierte außerdem den Tankrabatt, der aus seiner Sicht vor allem Menschen mit „dicken Autos“ zugutekomme. Statt fossile Energien zu subventionieren, müsse der Ausbau erneuerbarer Energien vorankommen. Auch beim Deutschlandticket und bei der Förderung von Verbrennerautos vermisse er die richtigen Prioritäten. Zudem müsse die SPD ihre Erfolge sichtbarer machen und vor allem in sozialen Medien professioneller auftreten. Die Partei müsse sich klarer von der Union abgrenzen und dürfe nicht zu deren „Feigenblatt“ werden. Zum Abschluss forderte Dippold ein schnelles AfD-Verbot.

Verabschiedet wurden am Ende des Parteitags die ausscheidende SPD-Frauen-Sprecherin Petra Thomas und Vorstandsmitglied Simon Grajer. Beide erhielten kleine Geschenke.