So kam es zum Fehler im Stimmzettel für Stadt Weiden - 9.000 Briefwähler bekommen Post

So kam es zum Fehler im Stimmzettel für Stadt Weiden - 9.000 Briefwähler bekommen Post
Die Stadt will offen mit der Panne umgehen, die im eigenen Haus passiert ist. Dazu gehört auch die Pressekonferenz, die am Montagmorgen von OB Jens Meyer einberufen wird. Er will „Vertrauen und Transparenz“ schaffen. Begleitet wird er von Rechtsdezernentin und Stadtwahlleiterin Nicole Hammerl, stellvertretendem Wahlleiter Reinhold Gailer und Thomas Wührl, Leiter des Einwohnermelde- und Standesamtes.
Fehler bei der Erfassung
Kurz zusammengefasst: Der Fehler entstand bei der Erfassung der Kandidaten. Die Stadt nutzte dafür die Zustimmungserklärungen der Kandidaten, in denen diese festlegen, was sie an persönlichen Informationen preisgeben wollen (Jahrgang, Beruf, akademischer Grad, Rufname). Sie sind Teil des Wahlvorschlags, der von den Parteien eingereicht wird (in der Regel ein dicker Leitzordner).
Der Mitarbeiter ging davon aus, dass die Erklärungen nach Listenplatzierung sortiert sind. Nur: Das waren sie eben nicht bei allen. Natürlich hätten „einige Augenpaare“ den Stimmzettel auf Fehler aller Art geprüft, sagt Rechtsdezernentin Nicole Hammerl, aber nicht auf Reihenfolge.
Konkret hat es die AfD und die Grünen getroffen. Bei der AfD sind die Listenplätze 5 bis 14 vertauscht. Sie sind im Prinzip komplett durchgeschüttelt: Listenplatz 5 ist auf dem fehlerhaften Stimmzettel auf der 7, 6 auf 9, 7 auf 8, 8 auf 10, 9 auf 5, 14 auf 6 und so weiter. Bei den Grünen gibt es vier Dreher zwischen 7 und 11.
AfD meldete den Fehler
Stadtwahlleiterin Nicole Hammerl schildert den Schrecken, als sie am späten Donnerstagabend von einem Vertreter der AfD informiert wurde. Die Grünen hatten es nicht bemerkt. Am Freitagmorgen wurde im Rathaus eine Krisensitzung einberufen. „Der Fehler ist passiert“, sagt OB Meyer, man wolle da gar nichts relativieren: „Wir gehen offen damit um.“ Wichtiger sei die Bewältigung: „Wir haben sofort eine schnelle und rechtssichere Lösung gesucht.“
Schritt 1: Noch am Wochenende wurden neue Stimmzettel gefertigt. Der Dank gebührt der Weidener Druckerei Spintler ein. Die Mitarbeiter kamen aus dem Wochenende, um die großen grünen Stimmzettel – jetzt mit richtiger Reihenfolge – zu drucken. Zu erkennen sind sie an einem zweiten Stadtwappen, das aufgedruckt wurde. Ein kleiner Fehler bleibt enthalten: Der AfD-Kandidat Thorsten Fiedler ist „Banktechniker“, korrekt wäre „Bautechniker“. Ärgerlich, sagt OB Meyer, aber letztlich „dem enormen Zeitdruck geschuldet“.
9.000 Weidener bekommen jetzt Post
Fakt ist: Mit diesem Stimmzettel können die 33.000 Stimmberechtigten in Weiden ab sofort korrekt wählen. In den Wahllokalen wird am 8. März 2026 nur noch diese Version verteilt. 1.000 Briefwahlunterlagen, die sich am Freitag im Postausgang befanden, wurden zurückgehalten.
9.000 Briefwahlunterlagen sind bereits verschickt. Rund 400 Wähler haben ihre Stimmzettel sogar schon zurückgeschickt. Für alle 9.000 gilt: Sie bekommen in den nächsten Tagen Post von der Stadt Weiden. Darin wird ihnen genau erklärt, wo die Unterschiede liegen. Sie können dann entscheiden, ob sie einen neuen Stimmzettel wollen oder es dabei belassen. Das gilt auch für die 400, die schon wieder retours gegangen sind. Auch sie könnten noch einmal wählen. Sie müssen aber nicht: Ihre Stimmen werden korrekt gezählt.
Auszählung wird länger dauern
„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für die Bürger“, sagt OB Jens Meyer in der Pressekonferenz. Auch die städtische Juristin Nicole Hammerl entschuldigt sich für den Fehler, der unterlaufen sei. „Mir ist es wichtig zu betonen, dass die Wahl am 8. März stattfinden wird.“ Alle Stimmen, auch die auf den fehlerhaften Briefwahl-Stimmzetteln, werden korrekt gezählt.
Es wird damit gerechnet, dass die Auszählung der Briefwahl am Sonntag, 8. März, etwas länger dauern wird. Die Wahlhelfer können bei den 15 betroffenen Listenplätzen nicht mit ihrem Lesestift den Barcode scannen. Diese Stimmen müssen manuell ins System eingegeben werden. Egal wie: Die Stimmen fließen korrekt ins Wahlergebnis ein, sichert Juristin Hammerl zu.
FAQs zum fehlerhaften Stimmzettel für die Stadtratswahl
Die Stadt Weiden beantwortet alle Fragen zum fehlerhaften Stimmzettel auf ihrer Homepage. Dort kann sich jeder die Unterschiede ansehen.
Mit Regierung und Innenministerium abgestimmt.
Eine Nachfrage bei der Pressekonferenz betrifft das Listenkreuz: Vergibt ein Wähler ein Kreuz für eine Liste, werden seine Stimmen verteilt. Da bestünde doch die Gefahr, dass er das Listenkreuz vielleicht nicht vergeben hätte, wenn sich ein ungeliebter Kandidat auf vorderen Platzierungen findet. Amtsleiter Wührl sieht kein Problem: Der Wähler könne ungeliebte Kandidaten ja komplett streichen. Diese Möglichkeit sehe das Wahlrecht vor.
Im Rathaus geht man von Rechtssicherheit der Wahl aus. Die Lösung sei in Zusammenarbeit mit der Regierung der Oberpfalz und dem Innenministerium erarbeitet worden.
Ein Grünen-Kandidat ist verstorben
Einer der 290 Kandidaten ist verstorben. Es handelt sich dabei um Günter Stalinski auf Platz 24 der Grünen-Liste. Sein Name bleibt auf dem Stimmzettel, es zählt der Stichtag 22. Januar (Beschluss des Wahlausschusses). Alle Stimmen, die für ihn abgegeben werden, werden für die Sitzverteilung im Stadtrat für die Grünen angerechnet.




