Studie fordert 18.700 Sozialwohnungen jährlich, Weiden betroffen

Studie fordert 18.700 Sozialwohnungen jährlich, Weiden betroffen
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) richtet den Blick auf die Nordoberpfalz und sieht jüngere und ältere Menschen als Verlierer auf dem Wohnungsmarkt. Grundlage ist der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat und der für Bayern einen jährlichen Bedarf von 18.700 zusätzlichen Sozialwohnungen nennt, um bis 2035 landesweit 283.700 Wohnungen mit sozialer Bindung zu erreichen.
Azubis und Studierende geraten unter Druck
In Weiden betrifft die Lage nach Gewerkschaftsangaben rund 1.040 Auszubildende, im Landkreis Tirschenreuth etwa 990 und im Landkreis Neustadt/WN rund 1.730. Viele leben weiterhin im Elternhaus, weil sie sich eine eigene Wohnung nicht leisten können. „Etliche der rund 1.040 Azubis in Weiden in der Oberpfalz wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Manfred Götz von der IG BAU.
„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Götz. „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Manfred Götz.
Forderungen an Bund, Freistaat und Betriebe
Die IG BAU fordert, dass Bund und Freistaat den Neubau von Azubi-Wohnungen insbesondere an Ausbildungszentren stärker fördern und Unternehmen steuerlich begünstigen, wenn sie Wohnraum für Auszubildende bereitstellen. Auch Studierende bräuchten gezielte Unterstützung: „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, so Götz.
Zugleich warnt die Gewerkschaft vor „Wohnarmut im Alter“. In Weiden erreichen bis 2035 rund 5300, im Landkreis Tirschenreuth rund 9900 und im Landkreis Neustadt/WN rund 13.100 Baby-Boomer das Rentenalter. „Viele der Baby-Boomer in Weiden bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie in vielen Fällen auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, sagt Manfred Götz.
Mehr Sozialwohnungen als Weg zu bezahlbaren Mieten
Die IG BAU sieht steigende Mieten als Kernproblem und drängt auf mehr bezahlbaren Wohnraum. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir benötigen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert Götz. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, so Manfred Götz.
Der „Soziale Wohn-Monitor“ setzt die Zielmarke, den Bestand an Sozialwohnungen bundesweit von derzeit einer auf zwei Millionen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts zu verdoppeln. Für Bayern heißt das aus Sicht der IG BAU: „Bis 2035 muss es in ganz Bayern 283.700 Sozialwohnungen geben“, so Manfred Götz.
Einfacher bauen und Fortschritte veröffentlichen
Damit die Zielmarken erreichbar werden, verlangt die IG BAU zügige und verlässliche Förderung. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordert Götz.
Neben der Finanzierung rückt die Gewerkschaft die Baukosten in den Fokus und wirbt für den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläutert Manfred Götz. Zudem soll der Freistaat monatlich veröffentlichen, wo in Bayern wie viele neue Sozialwohnungen entstehen: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Bayern wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der IG BAU Oberpfalz.




