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Wasserkrise in Weiden zwischen Dürre, Starkregen und PFAS

Weiden. Sinkende Pegel und wachsende Starkregenrisiken stellen die nördliche Oberpfalz vor große Wasserfragen. Fachleute und MdL Laura Weber skizzieren Handlungsbedarf von Trinkwasser bis PFAS und fordern ortsnahe Lösungen.

Weiden. Sinkende Pegel und wachsende Starkregenrisiken stellen die nördliche Oberpfalz vor große Wasserfragen. Fachleute und MdL Laura Weber skizzieren Handlungsbedarf von Trinkwasser bis PFAS und fordern ortsnahe Lösungen.
Foto: Beate Luber – Büro Laura Weber

Wasserkrise in Weiden zwischen Dürre, Starkregen und PFAS

Sinkende Pegel, trockene Flüsse: Die Wassersituation in der Region spitzt sich zu. Wolfgang Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, ordnet mit seinem Expertenteam die aktuelle Entwicklung ein, während Landtagsabgeordnete Laura Weber politische Handlungsbedarfe sieht. Neben Niedrigwasser rücken auch Starkregen, Trinkwasserversorgung, Flächenversiegelung und PFAS-Belastungen zunehmend in den Fokus. Die Region steht vor vielen Herausforderungen im Umgang mit der Ressource Wasser.

Alarmierende Pegel in der nördlichen Oberpfalz

Die Lage ist ernst – und sie ist vielschichtig. Der aktuelle Niedrigwasser-Lagebericht Bayern zeigt für die nördliche Oberpfalz alarmierende Werte. Die Pegelstände der Tirschenreuther Waldnaab und der Schwarzach haben Niedrigstwerte erreicht, Signalfarbe Rot.

Doch das ist nur ein Teil des Problems. „Wir sehen insgesamt einen zunehmenden Druck auf unsere Wasserressourcen“, betonen Rosenmüller und seine drei Experten aus dem Wasserwirtschaftsamt bei einem Fachgespräch zum Wasser im Grünen-Büro mit großem Publikumsinteresse.

Die Grundwassersituation ist angespannt, bestätigt Beke Rosleff-Sörensen, Leiterin des Fachbereichs Wasserversorgung und Grundwasserschutz im Wasserwirtschaftsamt – selbst in Gebieten, die für die Trinkwasserversorgung wichtig sind.

Die Presseberichte der vergangenen Tage bestätigen diesen Trend: Die Stadt Nabburg und der Zweckverband zur Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe haben ihren dringenden Appell zum Wassersparen erneuert. „Die Pegel der Trinkwasserbrunnen der Stadt Nabburg befinden sich wegen der anhaltenden Trocken- und Hitzeperiode auf einem Tiefstand“, heißt es auf der Webseite der Stadt Nabburg.

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Foto: Beate Luber – Büro Laura Weber

Weiden derzeit stabil – aber nicht alle Versorger

Noch gibt es für Weiden Entwarnung. „Die Trinkwasserversorgung in Weiden ist nicht gefährdet“, erklärt Rosleff-Sörensen. Doch sie schränkt ein: Das gelte nicht für alle Wasserversorger in der Oberpfalz. Einige könnten künftig Probleme bekommen – und müssten sich besser aufstellen.

Sparkasse Nördliche Oberpfalz –
Sparkasse Nördliche Oberpfalz –

Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Wasserversorgung bei den Kommunen, nicht beim Wasserwirtschaftsamt, das vor allem eine Kontrollfunktion übernimmt, erklärt Rosenmüller. Die Stadtwerke Weiden sichern derzeit die Versorgung. Sie gewinnen Trinkwasser aus Tiefbrunnen im Waldgebiet westlich des Schätzlerbades, so Rosleff-Sörensen.

Zurück zur lokalen Versorgung

Ein Thema sorgt für überraschend breite Zustimmung: die Rückbesinnung auf ortsnahe Wasserversorgung. „Sie sprechen mir aus der Seele“, sagt Rosenmüller zu entsprechenden Forderungen aus dem Publikum. Denn in den 1970er- bis 1990er-Jahren wurden viele Brunnen aufgegeben – ein Fehler, wie sich heute zeigt. „Ein eigener Brunnen oder eine eigene Quelle kann für eine Gemeinde künftig ein Standortvorteil sein“, betont Rosenmüller. Rosleff-Sörensen ergänzt: „Wir kämpfen darum, jede kleine Wasserversorgung zu erhalten – weil jeder Tropfen Wasser in Zukunft zählen wird.“

Auch Laura Weber warnt vor neuen Konflikten: Bereits jetzt entstünden in Bayern erste Verteilungskonflikte um Wasser – Entwicklungen, die in anderen Ländern längst Realität sind.

Und sie wird deutlich beim Thema Flächenverbrauch: „Wenn heute ein Discounter baut, versiegelt er eine riesige Fläche, aber er braucht keine Bäume und keine Photovoltaik.“ Ihr Gegenrezept: Schwammstadt-Prinzip, Zisternenpflicht und eine grundsätzlich andere Stadtplanung mit einem nachhaltig ausgerichteten Baukonzept.

Rosleff-Sörensen empfiehlt zudem dringend ein Umdenken beim Regenwasser: Statt es über Mischwasserkanäle abzuleiten, müsse es versickern oder genutzt werden.

Wenn der Regen zum Risiko wird

Während Wasser fehlt, kann es gleichzeitig zur Gefahr werden. Klassische Hochwasser spielen in Weiden jedoch kaum noch eine Rolle, erklärt Jürgen Festbaum, zuständig für Gewässerkunde und Hochwassernachrichtendienst. Stattdessen nehmen kleinräumige Starkregenereignisse zu – schwer vorhersehbar, aber mit großem Schadenspotenzial.

„Weiden steht gut da“, bestätigt Rosenmüller – schiebt aber hinterher: „Die nördliche Oberpfalz hatte bisher richtig Glück.“ Mit Blick auf die Jahrhundertflut 2002 ergänzt er: Wäre die Regenfront „50 bis 80 Kilometer weiter westlich gezogen, hätte es uns auch treffen können“.

Renaturierungen von Flüssen und Auen gelten als wirksame Gegenmaßnahme, vor allem gegen kleinere und mittlere Hochwasser. Doch sie scheitern oft an der Praxis: Flächen sind schwer zu bekommen, Landwirte verkaufen ungern ihre Felder, Förderstrukturen setzen falsche Anreize.

PFAS: Unsichtbare Belastung im Wasser

Ein weiteres Thema sind PFAS – sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, die unter anderem in Löschschäumen, aber auch in Kleidung, Haushaltsgeräten und Pestiziden vorkommen und zunehmend in Gewässern nachgewiesen werden. Rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr sorgen erhöhte Werte derzeit für Unruhe. Im Thumbach bei Kirchenthumbach wurden teils deutlich erhöhte Werte gemessen, die zulässige Grenzwerte überschreiten.

Eric Gellert, Sachgebietsleiter für Altlasten, berichtet von Messungen im Bereich von zwei bis drei Nanogramm im Zu- und Ablauf. „Wir haben das im Blick und es wird etwas passieren.“ Daraufhin habe er regelmäßige, mindestens jährliche Untersuchungen von Wasser und Sedimenten angeordnet – auch in Abstimmung mit der US-Armee.

Klar ist: Die Reinigung von PFAS ist technisch aufwendig. Zwar sind viele dieser Stoffe im Rahmen der EU-Verordnung verboten, doch ihre Altlasten bleiben ein langfristiges Problem.

Auch im Hinblick auf Mikroschadstoffe verweist Laura Weber auf die Kostenfrage: Laut EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) sollen 80 Prozent der Kosten von den Verursachern getragen werden. Sie kritisiert, dass Pharma- und Kosmetikindustrie immer wieder dagegen klagen und sich so ihrer Verantwortung entziehen.

Politik unter Zugzwang

Die Herausforderungen sind vielfältig – und sie hängen zusammen. Niedrigwasser, Starkregen, Trinkwasserversorgung, Schadstoffe und Flächennutzung greifen ineinander. Als Reaktion hat die Landtagsfraktion der Grünen einen 10-Punkte-Plan zum Schutz von Trinkwasser, Gewässern und Landschaftswasserhaushalt vorgelegt und in den Bayerischen Landtag eingebracht. Die Botschaft aus der Region ist klar: Noch ist die Lage beherrschbar – aber sie verändert sich. Und Wasser wird zur strategischen Ressource der Zukunft.

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