Zoff in Erbendorf: Wettstreit um den ehemaligen Meixenberger-Getränkemarkt
Zoff in Erbendorf: Wettstreit um den ehemaligen Meixenberger-Getränkemarkt
Stein des Anstoßes ist eine Pressemitteilung, die der Erbendorfer Unternehmer Erdem Cakmak kürzlich an die regionalen Medien verschickte. Quintessenz der Meldung war, dass er den ehemaligen Getränkemarkt Meixenberger in der Bahnhofstraße gekauft hat (oder kaufen will), um dort eine Lebensmittelproduktion und eine Wohnung zu realisieren. Das wiederum will der Kunst- und Kulturverein Erbendorf (KUKUVE) so nicht hinnehmen und schreibt, dass er die Zusage der Eigentümerin sowie der finanzierenden Bank für den Kauf habe und darüber auch schon vor einigen Monaten der Stadtrat informiert worden sei.

Lebensmittelproduktion und Wohnen im Meixenberger-Gebäude in Erbendorf
Erbendorf. Unternehmer Erdem Cakmak kauft das leerstehende Meixenberger-Gebäude und will es zu Lebensmittelproduktion und modernem Wohnraum umbauen. Wirtschaftsförderung und Landrat unterstützen, Baubeginn soll bald folgen.
275.000 Euro Förderung für Kulturzentrum
Erst vor wenigen Tagen habe der Verein die Zusage über eine Fraktionsförderung des Landtags in Höhe von 275.000 Euro für das Projekt „Kulturzentrum“ bekommen, teilt KUKUVE in einer Pressemitteilung mit. „Unser Ziel war und ist klar: ein öffentliches, ehrenamtlich getragenes Kulturzentrum im Herzen von Erbendorf, das allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt – ein Ort für Veranstaltungen, Begegnungen, Kunst und Kultur und eine nachhaltige Bereicherung für unseren Stadtkern.“
Nach „sehr positiven Gesprächen“ mit der Eigentümerin sowie der finanzierenden Bank
habe der Verein die mündliche Zusage für ein gemeinnütziges Kunst- und Kulturhaus
erhalten. Damit stehe dem nächsten Schritt für dieses wichtige Projekt nichts im Wege – es gehe nur noch um die Formalitäten, die vor der Förderzusage nicht abgeschlossen werden durften.
„Andere Interessen“
„Umso mehr überrascht uns die aktuelle Situation: In der Veröffentlichung wird behauptet, dass das betreffende Gebäude einen anderen Zweck erfüllen soll. Gleichzeitig sind dort bekannte Persönlichkeiten aus Erbendorf zu sehen, die in diesem Zusammenhang zwar als Unternehmer auftreten, aber derzeit auch andere Interessen haben.“ Hintergrund: Auf dem von Cakmak eingesandten Foto waren CSU-Bürgermeisterkandidat Matthias Fütterer und der neue CSU-Stadtrat Wolfgang Hertlein abgebildet. Wie beide betonen, seien sie aber nicht in politischer Funktion, sondern als Finanzberater (Fütterer) und Bauunternehmer (Hertlein) vor Ort gewesen. KUKUVE: „Diese Darstellung entsteht ausgerechnet in einer Phase, in der viele Bürgerinnen und Bürger besonders aufmerksam auf Entwicklungen in unserer Stadt blicken.“
„Erstaunlich ist die Entwicklung auch deshalb, weil wir alle Fraktionssprecher des Stadtrats in unserem Vereinsheim ausführlich über unsere Pläne informiert haben. Unser Projekt und unsere Absichten waren also bekannt.“ Umso enttäuschender sei es, zu sehen, dass persönliche Einzelinteressen nun wichtiger seien als das Allgemeinwohl. „Auch Ehrlichkeit, Offenheit und ein ‚Gemeinsam‘ scheinen vergessen.“ Der Verein habe sich bisher bewusst aus solchen Auseinandersetzungen herausgehalten. Da das Projekt jetzt jedoch zunehmend öffentlich diskutiert werde, sehe man sich veranlasst, die Situation transparent darzustellen.
Grüne irritiert über Fütterer und CWL
Die Erbendorfer Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zeigt sich in einer Mitteilung „irritiert“ über einen Bericht, in dem suggeriert werde, im „Meixenberger Anwesen“ solle eine Lebensmittelproduktion einziehen. „Dabei war der Erwerb des Gebäudes durch den Kunst- und Kulturverein Erbendorf längst den Stadtratsfraktionen bekannt – einschließlich der CWL und ihres
Bürgermeisterkandidaten Matthias Fütterer.“
Wie Grünen-Fraktionssprecher Josef Schmidt betont, habe der KUKUVE bereits eine Einigung mit der Eigentümerin erzielt und die Pläne für ein öffentliches
Kunsthaus in einem gemeinsamen Treffen mit den Fraktionssprechern vor
wenigen Monaten vorgestellt. „Matthias Fütterer war bei diesem Gespräch
anwesend und kannte die Absichten des Vereins“, bestätigt auch KUKUVE-Vorsitzender David Frischholz. „Dass nun kurz vor der Stichwahl eine solche Meldung lanciert wird, wirft Fragen nach der Seriosität des Wahlkampfs auf“, wundert sich Josef Schmidt.
Die Grünen werfen der CSU/CWL-Fraktion vor, mit der Veröffentlichung die
ehrenamtliche Arbeit des KUKUVE zu untergraben. „Ein solches Vorgehen ist
nicht nur respektlos gegenüber dem Engagement des Vereins, sondern
beschädigt auch das Vertrauen in die politische Kultur unserer Stadt“,
erklärt Ortssprecher Fabian Keppler-Stobrawe. „Nach sechs Jahren
Intransparenz braucht Erbendorf endlich ein ehrliches Miteinander – dazu
gehört, dass Zusagen auch eingehalten werden.“
Unklar bleibe, warum dem Unternehmer Erdem Cakmak offenbar Versprechungen für das Anwesen gemacht worden seien, obwohl die Nutzung des Anwesens längst geklärt gewesen sei. „Wir werden das Gespräch mit Herrn Cakmak suchen und nach alternativen Lösungen für sein Vorhaben suchen“, kündigt Schmidt an.
Ist das Gebäude verkauft und an wen?
Bürgermeister Johannes Reger bestätigt im Gespräch mit OberpfalzEcho, dass der KUKUVE die Stadträte im Oktober 2025 über seine Pläne informiert habe. „Das habe ich aber jetzt nicht so als endgültig gesehen und seitdem auch nichts mehr gehört.“ Seine Meinung zum Streit: „Als Stadt sind wir hier neutral. Ich halte aber eine private Nutzung für den besseren Weg. Auch eine Lebensmittelproduktion ist für das Gewerbe in der Stadt gut.“ Er sehe auch keine Notwendigkeit für ein zweites Kulturzentrum nach dem städtischen Bürgerhaus.
Ob und an wen das Meixenberger-Gebäude jetzt verkauft ist oder wird, bleibt einigermaßen unklar. Die Eigentümerin hat den Verkauf schon vor längerer Zeit an die Immobilienabteilung einer ansässigen Bank übergeben, die nichts zum derzeitigen Stand sagen will und auf den Datenschutz verweist.




