Kliniken Nordoberpfalz: Alle Häuser bleiben – Schwerpunkte ändern sich

Kliniken Nordoberpfalz: Alle Häuser bleiben – Schwerpunkte ändern sich
Die Kliniken Nordoberpfalz verteilen die Aufgaben ihrer Krankenhäuser grundlegend neu. Kemnath wird Fachkrankenhaus für Innere Medizin und Altersmedizin. Tirschenreuth wird Zentrum für Orthopädie und Gelenkersatz. Die Reha bleibt bis 2029 in der Steinwaldklinik in Erbendorf. Weiden bekommt eine eigene Akutgeriatrie dazu, also die stationäre Behandlung akut erkrankter älterer Menschen. Damit wird auch der demografischen Entwicklung in der Region Rechnung getragen: Es gibt immer mehr ältere, behandlungsintensive Patienten.
Dieses „Zukunftskonzept“ wurde vom Aufsichtsrat der Kliniken Nordoberpfalz AG am 24. September einstimmig beschlossen. Vorgestellt wurde es am Dienstagmittag in einer Pressekonferenz von Vorstand Ralph Junghans. Er betont, dass das neue Konzept „nicht aus Geldnot heraus“ entstanden sei. Vielmehr gebe es allen Häusern eine langfristige Perspektive. Ein „Weiter so“ sei aufgrund aktueller gesetzlicher Grundlagen nicht möglich. Ohne Kurswechsel hätte das Krankenhaus Kemnath Ende 2027 schließen müssen, so KNO-Sprecher Friedrich Peterhans.
Bei der Pressekonferenz stellen sich die kommunalen Gesellschafter hinter die Pläne. Vor Ort sind OB Benjamin Zeitler, Landrat Hubert Schicker und Landrat Andreas Meier. Der Weidener Oberbürgermeister Zeitler, derzeit Aufsichtsratsvorsitzender, sagt: „Mit dem neuen Konzept bleiben wir als der starke und verlässliche Gesundheitsversorger in der nördlichen Oberpfalz in der Fläche präsent.“
Kern des Konzepts:
- Kemnath wird Fachkrankenhaus für Innere Medizin und Altersmedizin. Es verliert seine stationäre Chirurgie und Orthopädie. Die Akutgeriatrie aus Tirschenreuth zieht ein.
- Tirschenreuth gibt die Akutgeriatrie nach Kemnath ab und wird dafür zum Orthopädie- und Endoprothetikzentrum des Klinikverbunds.
- Weiden bekommt 20 Betten der Akutgeriatrie dazu und übernimmt die Viszeral- und Allgemeinchirurgie aus Kemnath. Weiden bekommt zudem eine Wahlleistungsstation.
- Erbendorf: Die geriatrische Reha bleibt vorerst in der Stienwaldklinik und zieht nach aktuellem Stand erst 2029 nach Tirschenreuth.
Wir glauben an das Zukunftskonzept, wir glauben an die Mannschaft.
Aufsichtsratsvorsitzender OB Benjamin Zeitler
Bereits am Montag informierten Junghans und Klinikdirektor Tim Egger an allen Standorten die Mitarbeiter. Für die rund 3.100 betroffenen Beschäftigten gelte: „Die Arbeitsplätze bleiben im Wesentlichen erhalten.“ Wer aufgrund der Verlagerungen nicht an seinem bisherigen Arbeitsplatz bleiben kann, soll in Abstimmung mit dem Betriebsrat ein Angebot an einem anderen KNO-Standort erhalten.
Dr. Gerhard Jilge, Chefarzt für Innere Medizin in Kemnath, und Dr. Josef Pova, Chefarzt der Akutgeriatrie in Tirschenreuth, haben die Zusammenlegung ihrer Abteilungen in Kemnath mitentwickelt und empfehlen sie. Die Zentralisierung der Orthopädie in Tirschenreuth begrüßen Prof. Christian von Rüden, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie, sowie die Leitenden Ärzte aus Kemnath, Dr. Cornelius Schörle und Dr. Jörg Vogt.
Sie sehen zu meiner Linken keine externen Berater, niemanden, der den Leuten hier in der Region erklärt, wie es geht. An meiner Linken sitzen meine besten Berater: das Team des Klinikums.
KNO-Vorstand Ralph Junghans
In den nächsten Tagen will die KNO die nötigen Änderungen beim bayerischen Gesundheitsministerium beantragen. Die ersten Abteilungen sollen bereits im Frühjahr 2027 umziehen.
Junghans verwies auch auf die kurze Zeitschiene: Am 1. September habe die KNO das Gutachten erhalten, bereits am 24. September sei die Entscheidung gefallen. Er dankte den Gesellschaftern für das Vertrauen. Nach akribischer Vorarbeit habe man die richtungsweisende Entscheidung schnell getroffen, um frühzeitig die Weichen zu stellen. Junghans zeigte sich überzeugt, dass die KNO von der Krankenhausreform profitieren werde. „Wir werden als Gewinner aus dieser Reform gehen.“ Andere Krankenhäuser vergleichbarer Größenordnung würden seiner Einschätzung nach im kommenden Jahr Probleme bekommen. Entscheidend sei die Geschwindigkeit: „Es werden die Schnellen diese Reform zu ihrem Nutzen machen.“
Reaktion bei Betriebsversammlungen
Betriebsratsvorsitzender Thomas Beer berichtet auf Nachfrage von der gestrigen Betriebsversammlung. Der Speisesaal sei gut gefüllt gewesen: „Das ist gut aufgenommen worden. Es geht weiter, an allen drei Standorten geht’s weiter.“ Für Tirschenreuth und Kemnath könne er nicht sprechen; da waren die örtlichen Kollegen dabei.
Klinikdirektor Egger berichtet von der Reaktion der Tirschenreuther und Kemnather Mitarbeiter. „Herr Junghans hat Applaus bekommen. Den Leuten ist es wichtig, ihren Arbeitsplatz zu behalten.“
Das bestätigt Landrat Schicker: „Ich bin als Landrat sehr zufrieden.“ Er sei froh um den Erhalt der Standorte, auch wenn die Abgabe der Endoprothetik für Kemnath natürlich eine Zäsur bedeute. „Wichtig war uns, die Nordoberpfalz zu versorgen – einerseits die Arbeitsplätze zu sichern, andererseits die medizinische Versorgung.“ Das war nach seiner Schilderung nicht selbstverständlich: Das Ergebnis des Gutachtens (Kemnath hätte keine der sieben Strukturanforderungen erfüllt) war ein Schock; das Zukunftskonzept verhinderte letztlich eine Schließung.
Chefarzt: „Bisher hat noch nie einer zugehört“
Für die Ärzte sprach Dr. Gerhard Jilge, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Kemnath, der auf die häufigen Wechsel an der KNO-Spitze anspielte. In 13 Jahren sei Junghans bereits sein vierter Vorstand. Mit keinem seiner Vorgänger habe er so viel gesprochen. „Bisher hat noch nie einer zugehört.“ Aus medizinischer Sicht sei das Konzept sehr sinnvoll. Für die Mitarbeiter, die den Standort wechseln müssen, regte er aufgrund der Fahrtstrecke (gut 30 Kilometer) Unterstützung an.
Prof. Christian von Rüden ergänzte einen weiteren Aspekt. Eine Herausforderung sei es, sich innerhalb der politisch vorgegebenen Leitplanken zu bewegen. Wenn man sich für einen regionalen Versorger ein Konzept wünschen könne, dann sei das vorgestellte Konzept auch das, was man aus medizinischen Gründen machen würde. Die Strukturmaßnahme sei auch für die Aus- und Weiterbildung des eigenen Nachwuchses wichtig.
Das Konzept im Einzelnen:
Kemnath: Innere und Altersmedizin statt stationärer Chirurgie
Aktuell ist das Krankenhaus Kemnath mit 100 Betten (48 chirurgisch, 48 internistisch, 4 Überwachungsbetten) ein typisches Haus der Grundversorgung im ländlichen Raum. „Dieser Status quo ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht zu halten.“ Nach Angaben der KNO erfüllt es Stand Juli 2026 in keiner seiner sieben Leistungsgruppen die Strukturanforderungen. Ohne die Neuausrichtung müsste der Standort Ende 2027 schließen.
Der Plan: Das Krankenhaus Kemnath soll internistisch-geriatrisches Fachkrankenhaus werden, also ein Fachkrankenhaus für Innere Medizin und Altersmedizin. Die Akutgeriatrie aus Tirschenreuth zieht dorthin.
Ein solches Fachkrankenhaus darf nicht mit Chirurgie kombiniert werden. Die stationäre Allgemein- und Viszeralchirurgie zieht deshalb nach Weiden, die Endoprothetik (Gelenkersatz) mit geplanten Hüft- und Knieoperationen wandert nach Tirschenreuth. Niedergelassene Ärzte können weiterhin ambulant in Kemnath operieren.
Auch die Notfallversorgung verändert sich: Internistische Notfälle werden weiterhin rund um die Uhr ambulant und stationär in Kemnath versorgt. Ambulante chirurgische und orthopädische Notfälle können weiterhin jederzeit das Krankenhaus aufsuchen und werden dort ärztlich untersucht. Bei Bedarf steht werktags tagsüber zusätzlich das chirurgische MVZ zur Verfügung. Schwere chirurgische Notfälle werden in umliegende Häuser gebracht – laut KNO ist das bereits heute größtenteils der Fall.
Tirschenreuth: Zentrum für Orthopädie und Gelenkersatz
In Tirschenreuth geht die Entwicklung in die andere Richtung. Das derzeitige Fachkrankenhaus mit 70 Betten gibt seine Akutgeriatrie an Kemnath ab. Dafür sollen dort stationäre Orthopädie und Endoprothetik der KNO konzentriert werden. Geplante Eingriffe wie künstliche Hüft- und Kniegelenke aus Kemnath und Weiden werden künftig in Tirschenreuth vorgenommen. Das Ziel ist laut Vorstand Junghans: „Orthopädie auf einem Exzellenzniveau in einem Zentrum.“
Warum? Junghans begründet die Entscheidung unter anderem mit den „modernsten OP-Sälen der Kliniken Nordoberpfalz“, die 2020 im Rahmen einer Investition von insgesamt 30 Millionen Euro modernisiert wurden. Da es in Tirschenreuth weniger Notfalloperationen gebe, könnten geplante Eingriffe zudem verlässlicher durchgeführt werden.
Erhalten bleiben laut KNO die Notfallambulanz, das MVZ, ambulante Operationen, die BG- und KV-Sprechstunden sowie der Rettungswagenstandort. Die Notfallambulanz behandelte 2025 knapp 2000 Patienten, davon 97 Prozent ambulant.
Erbendorf: Neuer Umzugstermin erst 2029
Die geriatrische Rehabilitation bleibt zunächst in der Steinwaldklinik Erbendorf. Die Fachklinik verfügt über 80 Betten und war 2025 zu 90,4 Prozent ausgelastet. Insgesamt wurden 1161 Patienten behandelt.
Der ursprünglich früher vorgesehene Umzug der geriatrischen Reha nach Tirschenreuth wird verschoben. Nach der aktuellen Planung sollen die 80 Reha-Betten erst 2029 dorthin verlagert werden.
Grund ist die neue Prioritätensetzung der KNO: Zunächst sollen Kemnath und Tirschenreuth als Fachkrankenhäuser neu aufgestellt und damit die Standorte gesichert werden. Erst anschließend soll die Reha umziehen.
Das Gebäude der Steinwaldklinik ist nach Angaben der KNO stark sanierungsbedürftig. Eine Sanierung im laufenden Betrieb sei nicht möglich. Um den Betrieb in den kommenden fünf Jahren aufrechtzuerhalten, wären laut KNO Investitionen von rund 1,5 Millionen Euro notwendig.
Weiden: Neue Akutgeriatrie, mehr Allgemeinchirurgie
„Das große Klinikum der Region bleibt und bekommt ein Zusatzangebot.“ Das ist die Botschaft des KNO‑Vorstands. Das Klinikum Weiden bleibt mit seinen 649 Betten der zentrale Schwerpunktversorger der Kliniken Nordoberpfalz.
Neu aufgebaut wird eine Akutgeriatrie mit zunächst 20 Betten für die Krankenhausbehandlung akut erkrankter älterer Menschen. „Der Bedarf steigt“, sagt Vorstand Junghans.
Damit sollen vor allem Patienten aus Weiden und Umgebung kürzere Wege haben. Nach Angaben der KNO kommt bereits heute ein großer Teil der geriatrischen Patienten in Tirschenreuth aus Weiden. Gerade für schwer kranke Patienten, etwa Dialysepatienten, soll die Behandlung vor Ort eine Erleichterung bringen.
Außerdem übernimmt Weiden die Allgemein- und Viszeralchirurgie aus Kemnath. Im Gegenzug werden geplante orthopädische Eingriffe aus Weiden künftig im neuen Orthopädie- und Endoprothetikzentrum in Tirschenreuth gebündelt.
Durch die Verlagerung der Orthopädie sollen in den Weidener OP-Sälen Kapazitäten frei werden, unter anderem für die schnellere Versorgung schwerer Verletzungen. Zusätzlich plant die KNO in Weiden eine Wahlleistungsstation.





