Kliniken Nordoberpfalz: Sie wollte Ärztin werden – und fand ihre Berufung in der Pflege

Kliniken Nordoberpfalz: Sie wollte Ärztin werden – und fand ihre Berufung in der Pflege
Als Lisa-Marie Bald im Jahr 2019 am Kepler-Gymnasium ihr Abitur machte, stand ihr Berufswunsch fest: Sie wollte Medizin studieren und Ärztin werden. Nur: Sie bekam – wie so viele andere Einser-Abiturienten – keinen Studienplatz. Die Wartezeit überbrückte sie mit einem Jahr Bundesfreiwilligendienst bei den Kliniken Nordoberpfalz. Danach war die Medizinerwelt um eine angehende Ärztin ärmer – und die Pflege um eine Krankenschwester reicher.
„Ich habe erkannt: So wie ich mir den Ärzteberuf vorstelle, so ist er nicht. Im Umkehrschluss habe ich als Bufdi die Pflege kennen und lieben gelernt.“ 2020 begann sie die Ausbildung zur Pflegefachkraft an der Akademie für Gesundheit „NEW Life“ in Neustadt/WN, untergebracht im früheren Krankenhaus auf dem Felixberg. Sie war im ersten Jahrgang, der generalistisch ausgebildet wurde. Sprich: Die Ausbildung zum allgemeinen Krankenpfleger, Kinder- und Altenpfleger sind neuerdings zusammengefasst.
Berufsbegleitendes Studium
Die junge Schönkircherin (Landkreis Tirschenreuth) schloss die Ausbildung 2023 als Jahrgangsbeste ab. Ihr Notendurchschnitt: 1,08. Sie stand vor vielen Weiterbildungsmöglichkeiten. Letztlich entschied sie sich für die Pädagogik. Heute ist sie selbst Lehrkraft an der Berufsfachschule in Neustadt/WN. Sie unterrichtet die angehenden Pflegekräfte überwiegend in medizinischen Fächern, wie Anatomie und Krankheitslehre.
Die Kliniken Nordoberpfalz ermöglichen ihr ein berufsbegleitendes Präsenzstudium der Medizinpädagogik an der Döpfer-Hochschule in Regensburg. Sie konnte dafür ihre Arbeitszeit reduzieren. So hat sie die Möglichkeit, an ihren freien Tagen die Vorlesungen in Regensburg zu besuchen und ist inzwischen im letzten Semester. Ab September leitet sie als Medizinpädagogin (B.A.) mit dem Beginn des neuen Ausbildungsjahrs erstmals eine eigene Klasse. Insgesamt starten knapp 70 Auszubildende.
Argumente für den Pflegeberuf
Eine ungewöhnliche Karriere der jetzt 25-Jährigen – und doch ein gutes Beispiel. Wenn Lisa-Marie Bald für den Pflegeberuf werben soll, fallen ihr tatsächlich tausend Argumente ein. „Es ist ein unheimlich vielseitiger Beruf“, sagt die junge Frau. Sie ist überzeugt: Die Kliniken Nordoberpfalz bieten mit ihren Standorten für jeden das passende Tätigkeitsfeld. Allein durch die Fachrichtungen – „von der Pädiatrie bis zur Geriatrie“.
Punkt zwei: „Es ist einfach ein schöner Beruf, der einem unheimlich viel zurückgibt“, sagt Lisa-Marie Bald. In ihrer Ausbildung war sie in Weiden und Tirschenreuth, im ambulanten Dienst, im Altenheim und im Bezirksklinikum eingesetzt. „Danach hatte ich das Gefühl, ich kenne 80 Prozent der Über-70-Jährigen in der Region“, scherzt sie. Sie habe viel fürs Leben mitgenommen, freue sich am täglichen Kontakt mit Menschen. Sie lerne gern von der Lebenserfahrung älterer Patienten.
Bezahlung besser als ihr Ruf
Auch wichtig: Die Bezahlung ist längst nicht so schlecht wie ihr Ruf. Die Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz werden nach öffentlichem Tarif bezahlt. Laut Kliniksprecher Friedrich Peterhans ist Pflegefachkraft der „am zweitbesten bezahlte nichtakademische Beruf nach dem Fluglotsen“. Lisa-Marie Bald hätte trotzdem den Wunsch an die Politik, Pflegefachkräfte künftig auch in einem Studium auszubilden, wie jetzt bei den Hebammen geschehen. Das würde Ansehen und Bezahlung vielleicht noch steigern.
„Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll. Das könnte man durchaus ein wenig mehr wertschätzen“, sagt die 25-Jährige. Der Schichtdienst bedeute gerade für Familien eine organisatorische Herausforderung. Sie sieht dabei aber auch die Vorteile, wie unter der Woche freie Zeit zu haben oder vier, fünf Tage am Stück freinehmen zu können.
Ab September für Ausbildungsstart 2027 bewerben
Wer sich interessiert, kann sich ab September für den Ausbildungsstart 2027 bewerben. Die zwei Klassen für September 2026 sind schon voll; es wird eine Warteliste geführt. Lisa-Marie Bald rät jedem Interessenten zur frühzeitigen Bewerbung für 2027, was die Chancen deutlich steigere. Voraussetzung ist die Mittlere Reife oder ein Mittelschulabschluss mit abgeschlossener Ausbildung. Es bewerben sich aber auch Abiturienten.
An Grundeigenschaften sind aus Sicht von Lisa-Marie Bald Lernbereitschaft und Offenheit nötig, außerdem die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Wem die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu anspruchsvoll ist, für den gibt es nach wie vor die Möglichkeit zur einjährigen Ausbildung zum Pflegehelfer (künftig 1,5 Jahre zum Pflegeassistenten). Manche werden dort „entdeckt“ und knüpfen die Pflegefachkraft noch an.
Im Heimatort Schönkirch fest verwurzelt
Lisa-Marie Bald schließt für sich persönlich aus, doch noch einmal auf die Idee zu kommen, Medizin zu studieren. „Dafür fühle ich mich an meinem Arbeitsplatz viel zu wohl.“ Sie ist zudem fest verwurzelt in der Region. „Das hängt mit meinem Heimatort Schönkirch zusammen.“ Sie engagiert sich mit Leidenschaft bei der Feuerwehr Schönkirch. Privat geht sie wandern und Ski fahren, sie bäckt und kocht gern.
Rückblickend war der Bundesfreiwilligendienst für Lisa-Marie Bald die wichtigste Entscheidung ihres Berufslebens – obwohl sie damals gar nicht geplant war. Deshalb sieht sie auch die Diskussion um ein soziales Pflichtjahr positiv. „Ich persönlich bin da sehr dafür.“ An ihrer eigenen Arbeit erlebt sie täglich, wie prägend die Ausbildung sein kann. „Sie starten oft schüchtern und verhalten. Drei Jahre später stehen sie als selbstbewusste Persönlichkeiten vor einem Beruf mit Zukunft.“




