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Blue-Devils-Serie (5): Der Blick nach vorn – Teamgeist, Struktur und die Kunst, gemeinsam zu wachsen

Weiden. Wie sportlicher Ehrgeiz, wirtschaftliche Vernunft und eine lebendige Vereinskultur sich gegenseitig stärken: Die Fünfjahres-Perspektive von Club-Präsident Stephan Seegers ist geerdet und ambitioniert zugleich.

Blue-Devils-Serie (5): Der Blick nach vorn – Teamgeist, Struktur und die Kunst, gemeinsam zu wachsen

Echo-Interview mit den Blue-Devils-Machern Stephan-Seeger und Franz Vodermeier. Foto: Martin Zimmer

Stephan Seeger spricht über die Zukunft der Blue Devils weder als abgehobener Visionär noch als kalter Manager mit Kennzahlen. Er spricht als Fan-Präsident, der das Spiel verstanden hat: Man gewinnt nicht mit Einzelaktionen, sondern mit klaren Linien, die sich gegenseitig verstärken. Nicht mit Zweifeln, sondern mit Mut – und nie ohne die Menschen, die den Verein tragen.

Für ihn greifen sportliche Energie, wirtschaftliche Stabilität und regionale Identität ineinander wie Zahnräder. „Stabilität kommt nicht von oben“, sagt er, „sie wächst von innen.“ Und je länger man mit ihm spricht, desto deutlicher wird: Die Zukunft der Blue Devils entsteht nicht durch Druck von außen, sondern durch Orientierung. Nicht durch Spenden, sondern durch Begeisterung. Nicht durch Zufall, sondern durch Gemeinschaft.

Diese Reportage ist letzter Teil einer mehrteiligen Reihe über die neue Ära der Blue Devils Weiden: Wie der deutsch-kanadische Hockey-Enthusiast Stephan Seeger, Geschäftsführer Franz Vodermeier, Sportchef Jürgen Rumrich und Trainer Sebastian Buchwieser versuchen, gemeinsam eine Vision zu verwirklichen, die nur gemeinsam funktionieren kann. Jede Folge beleuchtet einen anderen Aspekt – von Seegers Vision über die nordamerikanische Hockeykultur bis zur wirtschaftlichen Perspektive und Erwartungen an die Zukunft.

Erfolg entsteht dort, wo Identität und Ehrgeiz dieselbe Sprache sprechen

Seeger betrachtet Siege als Ausgangspunkt. Erfolg auf dem Eis wirkt wie ein Magnet, der alles andere mitzieht: Fans, Sponsoren, Medien, neue Spieler, Kinder, die mit großen Augen an der Scheibe stehen. Gleichzeitig befeuert ein lebendiger Verein den sportlichen Motor: Eine volle Halle erzeugt Druck auf den Gegner, Begeisterung für die Mannschaft und Stolz auf die Stadt. Diese Rückkopplung zwischen sportlicher Leidenschaft und wirtschaftlicher Stärke ist Zentrum seines Denkens.

Der Kern seiner These: Wenn du sportlich brennst, springt auch der wirtschaftliche Motor an. Und umgekehrt. Darum legt er so viel Wert auf Energie, auf das Momentum, das im Eishockey oft mehr zählt als Statistiken. „Du musst ein Team stark reden“, sagt er, „nicht klein.“ Ein Satz, der zugleich sportlich und wirtschaftlich verstanden werden will. Denn wer sich selbst stark fühlt, überzeugt auch andere – kein Sponsor investiert lieber in Zweifel als in Begeisterung.

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Perspektive für die Blue Devils Weiden: Zusammen wird mehr daraus. Foto: Elke Englmaier

Impulse aus Kanada – Identität aus Weiden

Seeger bringt Erfahrung vom Weltmarktführer des Eishockeys mit, aber er weiß, dass man Identität nicht importieren kann. Die Atmosphäre in der Hans-Schröpf-Halle, die Nähe zwischen Spielern und Fans, die Kinder mit Gläser- und Vladi-Trikots – all das ist Weiden, nicht Kanada. Seine Rolle sieht er nicht darin, ein fertiges System überzustülpen, sondern Impulse zu setzen, die das Bestehende verstärken.

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Kanada liefert Inspiration – Mut, Experimentierfreude, keine Angst vor Fehlern. Weiden liefert das Herz – Nähe, Bodenhaftung, Tradition. Aus diesem Spannungsfeld entsteht etwas, das keines der beiden allein hervorbringen könnte: ein Verein, der modern denkt, aber regional fühlt; der von außen lernt, aber von innen wächst; der neue Wege geht, ohne seine Herkunft zu verlieren. Impulse von außen, Identität von innen – so wird aus regionaler Verbundenheit ein Wettbewerbsvorteil.

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Sebastian Buchwieser bleibt ein weiteres Jahr in Weiden. Foto: Christian Kaminsky

Struktur bedeutet nicht Bürokratie – sondern Rückgrat

Wenn Seeger über Struktur spricht, meint er nicht starre Hierarchien, sondern zuverlässige Abläufe. Ein Sportchef braucht Handlungsspielräume, ein Trainer Rückendeckung, ein Geschäftsführer Klarheit – und alle drei ein gemeinsames Verständnis dafür, wohin der Verein geht. „Du brauchst ein starkes Fundament“, sagt er. Gemeint ist: keine hektischen Kurswechsel, keine überstürzten Transfers, keine Panikreaktionen nach zwei Niederlagen.

Struktur schafft Vertrauen: bei Spielern, die hierherkommen; bei Sponsoren, die investieren; bei Fans, die ihre Wochenenden opfern; bei Familien, die ihre Kinder zum Training bringen. Erst aus Stabilität entsteht Mut – und Mut ist die Voraussetzung für Wachstum. In diesem Dreieck aus Klarheit, Vertrauen und Spielraum sieht Seeger die Basis für einen Fünfjahresweg, der nicht von Tabellen abhängt, sondern von Haltung.

Echo-Interview mit Blue-Devils-Präsident Stephan Seeger und Geschäftsführer Franz Vodermeier. Foto: Jürgen Herda

Wachstum braucht Realismus

Seeger nährt nicht die Illusion, Weiden könne mit Geld zu einer Topadresse werden. „Eine Stadt trägt ihren Verein“, sagt er, „nicht ein Investor.“ Deshalb setzt er auf breite Schultern statt auf große Namen: viele lokale Unternehmen, viele kleine Beträge, viel Identifikation. Der Satz, der sein Sponsoringverständnis prägt, und den wir deshalb ein drittes Mal wiederholen, lautet:

Wenn einer keine Million hat, aber 5000 – dann ist das eine Botschaft, die uns mehr bringt als unser Logo.

Stephan Seeger

Damit formuliert er einen Gegenentwurf zu Vereinen, die sich von Scheichs oder Heuschrecken abhängig machen: Gemeinsam geht es stabiler. Gemeinsam geht es nachhaltiger. Gemeinsam geht alles besser. Wachstum heißt für ihn nicht: höher, schneller, teurer. Sondern: breiter, solider, verankerter.

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Blue Devils Weiden strahlen Selbstbewusstsein aus. Archivbild: Werner Moller

Fünfjahres-Perspektive: Mehr Haltung als Plan

Fragt man ihn nach einem Fünfjahresplan, winkt er ab. Nicht aus Unschärfe, sondern aus Prinzip. „Sport ist kein linearer Prozess“, sagt er. Und dennoch: Aus allen Gesprächen ergibt sich eine klare Richtung.

In fünf Jahren sollen die Blue Devils:

  • sportlich so stabil sein, dass der Klassenerhalt kein Thema, sondern Normalität ist,
  • wirtschaftlich so breit aufgestellt, dass nicht eine einzige Säule überlebenswichtig wird,
  • strukturell so verlässlich, dass Trainer und Sportchef nicht im Jahresrhythmus umbauen müssen,
  • kulturell so lebendig, dass Kinder nicht nur Trikots tragen, sondern Ambitionen.

Es ist kein klassischer Plan – aber es ist eine Orientierung. Eine Richtung. Ein Versprechen an die Stadt: Wir wachsen gemeinsam. Nicht schnell – aber richtig.

Feuer und Flamme für die Blue Devils: (von links) Franz Vodermeier, Dave Lasky und Stephan Seeger. Foto: Christian Kaminsky

Die Weidener Synthese

Die Zukunft der Blue Devils beruht auf einem Zusammenspiel aus sportlichem Ehrgeiz, wirtschaftlicher Vernunft und regionaler Identität. Stephan Seeger betont, dass Begeisterung – nicht Vorsicht – Wachstum erzeugt. Sportlicher Erfolg stärkt die Wirtschaftskraft des Vereins, während wirtschaftliche Stabilität sportliches Arbeiten erleichtert.

Impulse aus Kanada sollen Mut, Ideen und Experimentierfreude fördern; die Identität entsteht jedoch in Weiden selbst. Struktur dient nicht der Bürokratie, sondern der Verlässlichkeit. Sponsoring soll auf vielen Schultern ruhen, nicht auf einer einzigen. Der Fünfjahresweg ist kein starres Konzept, sondern eine Haltung: gemeinsam, nachhaltig, mit klarer Richtung.