Interview mit Blue-Devils-Präsident Seeger: Wir sind nicht zur Unterhaltung gekommen
Interview mit Blue-Devils-Präsident Seeger: Wir sind nicht zur Unterhaltung gekommen
Die vergangenen Tage haben die Weidener Eishockey-Community stark bewegt – sportlich, wirtschaftlich und menschlich. Eine sportliche Negativserie, verletzungsbedingte Ausfälle und schließlich die Trennung von Cheftrainer Sebastian „Bassa“ Buchwieser haben eine Debatte ausgelöst, die weit über Ergebnisse hinausreicht. Zwischen Gerüchten, Fanprotesten und offenen Fragen stehen Präsident Stephan Seeger und die Birch-Group im Fokus.
Im Echo-Interview spricht Stephan Seeger über die Prozesse, die er eingeleitet hat, und macht deutlich: Die aktuellen Entscheidungen versteht er nicht als Bruch mit der Fankultur, sondern als Voraussetzung dafür, dass es in Weiden auch künftig Profieishockey geben kann.
Herr Seeger, die vergangenen Tage und Wochen waren für die Weidener Eishockey-Community emotional sehr aufgeladen – sportlich, wirtschaftlich und menschlich. Bevor wir konkret auf Gerüchte eingehen: Wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?
Stephan Seeger: Ich weiß nicht, ob ich das wirklich als Turbulenzen bezeichnen würde. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Emotionen hochkochen, wenn man jemanden wie den verdienten Trainer Sebastian Buchwieser verliert, mit dem man eng zusammengearbeitet hat. Das ist normal. Aber die Entscheidung war notwendig.
Trainerentscheidung: Prozess statt Persönlichkeit
Viele Fans würden wohl schweren Herzens nach der Niederlagenserie einen Trainerwechsel als Business as usual im Profisport akzeptieren, sie haben aber Schwierigkeiten mit dem Zeitpunkt und der Art der Umsetzung. Würden Sie rückblickend sagen: Die Entscheidung war richtig, aber das Timing unglücklich – oder war beides unter den Umständen notwendig?
Seeger: Das Timing wird missverstanden. Es war keine Entscheidung, die im letzten Moment gefallen ist. Wenn ich Probleme mit dem Trainer hatte, habe ich diese offen angesprochen. Ich habe alles versucht, um sie auszuräumen. Bassa war nicht bereit, Veränderungen vorzunehmen – und dann hatte ich keine andere Wahl.
Transparenz: „Strategische Anpassungen“
In Ihrer Stellungnahme war von strategischen Maßnahmen die Rede, die gemeinsam nicht umsetzbar waren. Können Sie uns sagen, was Sie damit konkret meinen?
Seeger: Ein Teil der sportlichen Vorschläge betraf zum Beispiel den Torhüterwechsel. Das Gerücht, dass dies allein der Auslöser für die Entlassung gewesen sei, ist falsch. Ich habe aber auch immer klar gesagt, dass wir nicht nur als stille Investoren kommen würden.
Wir haben Spieler verpflichtet, wir mussten Entscheidungen treffen.
Stephan Seeger

Blue-Devils-Serie (4): Merchandise mit Pizza, Bier und Bubble-Hockey
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Rolle des Investors: Einfluss und Grenzen
Ein Teil der Kritik richtet sich weniger gegen die Mitsprache der Investoren, die Sie als Präsident vertreten, sondern mehr gegen die Art der Einflussnahme. Wo ziehen Sie persönlich die Grenze zwischen sportlicher Verantwortung des Trainerstabs und der Rolle der Birch Group als Investor und Eigentümer?
Seeger: Diese Grenze definiere ich sehr sorgfältig. Der Trainer arbeitet grundsätzlich autonom. Wir erwarten aber Leistung. Als Präsident habe ich die Verantwortung, sicherzustellen, dass die Investition wirtschaftlich und sportlich sinnvoll umgesetzt wird. Unsere Prinzipien sind klar – unter anderem die Autonomie des Trainers.
Die entscheidende Frage ist: Wie lange bleibt man auf einem Weg, der zu Niederlagen führt? Wir haben eigene Analysen und Statistiken erstellt. Ich halte da nichts zurück.
Stephan Seeger
Gab es da Konsens in der Vereinsführung – etwa auch mit Jürgen Rumrich?
Seeger: Jürgen hat diese Sichtweise nicht geteilt – die Birch Group und ich hingegen schon. Die Entscheidung fiel etwa nach sieben oder acht Spielen. Es war eine sehr emotionale und schwierige Entscheidung.
Gerüchteküche: Seeger Jr.
Das Gerücht, Ihr Sohn könne Cheftrainer werden, hat starke Reaktionen ausgelöst. Ist da etwas dran oder ist das ein Hoax?
Seeger: Das ist eine Falschmeldung. Wenn er gekommen wäre, hätte er sich derselben Kritik stellen müssen wie jeder andere. Wir mussten tun, was notwendig war.
Mein Sohn geht seinen eigenen Weg. Das Gerücht ist lächerlich.
Stephan Seeger
Es gibt auch Kritik an Kaderentscheidungen und Neuverpflichtungen, die aus Fansicht noch nicht den gewünschten Effekt gezeigt haben. Sehen Sie das eher als Anpassungsphase – oder wurden aus Ihrer Sicht einige der nordamerikanischen Spieler nicht wie geplant integriert?
Seeger: Das sehe ich nicht so. Nick Jermain wurde nach längerer Verletzung erneut mutwillig verletzt. Bei Torhüter Michael McNiven ist die Qualität offensichtlich. Man muss sich nur den Kader anschauen – wir haben gute Leute geholt. Tyler Ward muss sich noch auskurieren. Glücklicherweise ist Alex-Olivier Voyer gesund und kann das Team führen.
Ticketpreise & Fanbeziehung
Ticketpreisanpassungen an die DEL2 sind wirtschaftlich nachvollziehbar, treffen bei Fans aber einen sensiblen Punkt – gerade in der augenblicklichen sportlichen wie wirtschaftlichen Lage. Welche Rahmenbedingungen waren ausschlaggebend – und welche Lehren ziehen Sie aus der aktuellen Fanreaktion mit Boykottankündigungen?
Seeger: Ich weiß nichts von einem Boykott. Wir haben 1,4 Millionen Euro durch den Wegfall der Ziegler Group verloren und mussten Entscheidungen treffen, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Wenn es nach mir ginge und wir viel verdienen würden, würde ich die Preise gerne senken. Aber in dieser Position sind wir nicht.
Wir sind hier, um zu bleiben, und mussten entsprechende Entscheidungen treffen. Ich denke, dass die Erhöhung in Verbindung mit einem Freigetränk vertretbar ist.
Stephan Seeger

Blue-Devils-Serie (2): Wo Kinder mit Schlittschuhen geboren werden
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Region & Kultur: Lernen in der Oberpfalz
Wir haben uns beim letzten Mal ausführlich über die kanadische und amerikanische Eishockey-Kultur unterhalten. Gab es Momente, in denen Ihnen bewusst wurde, dass Weiden anders tickt – und es dafür einen anderen Ansatz braucht?
Seeger: Natürlich gibt es unterschiedliche Traditionen auf der Welt. Aber Eis, Spieler und Ausrüstung sind überall gleich. Wenn man – egal wo – ein gutes Eishockeyprodukt anbieten will, muss man bereit sein, auch harte Entscheidungen zu treffen. Ich glaube nicht, dass Kultur dabei eine entscheidende Rolle spielt. Ich habe die Reaktionen nach der Trainerentlassung gesehen und verstehe, dass das für die Fans emotional ist. Wenn es anders gegangen wäre, hätten wir es anders gemacht.
Bassa wurde aber keineswegs respektlos entlassen – nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Stephan Seeger

Blue-Devils-Serie (3): Kabine, Charakter, Kader – warum ein Team von innen wächst
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Vertrauen wieder aufbauen
Natürlich ist Profisport keine basisdemokratische Veranstaltung, bei der Fans über Personalentscheidungen abstimmen. Würden Sie trotzdem sagen, dass man solche Weichenstellungen künftig früher vorbereiten und kommunizieren könnte, um die Anhänger nicht vor den Kopf zu stoßen?
Seeger: Ich habe alles getan, um meine Entscheidungen transparent zu erläutern. Aber wir sind nicht zur Unterhaltung gekommen, sondern um das Überleben zu sichern. Man kann Hockey und das Team nur genießen, wenn es liefert. Ich bin präsent, werde weiter Hände schütteln. Und wenn das jemand jetzt nicht mehr kann oder will, ist das für mich auch in Ordnung.
Anforderungen an den neuen Trainer
Wenn Sie einem langjährigen Fan gegenübersäßen, der aktuell nicht gut auf Sie zu sprechen ist – was würden Sie ihm in einem Satz sagen?
Seeger: Hockey ist Hockey. Die Ergebnisse überraschen mich nicht. Wir haben weitere Ausfälle, auch im Sturm. Alle Veränderungen dienen der Sicherung der Zukunft – das müssen die Fans verstehen. Die nächste wichtige Entscheidung betrifft den Trainer. Dazu gibt es nächste Woche Neuigkeiten.
Können Sie sich auch eine interne Lösung vorstellen?
Seeger: Eine interne Lösung ist nicht geplant, und ich bitte um Verständnis, dass wir dazu aktuell noch nichts sagen können.
Welche Kriterien muss der neue Coach erfüllen?
Seeger: Wir benötigen einen Trainer mit Erfahrung, der von den Spielern respektiert wird, der sowohl mit jungen Spielern als auch mit Routiniers arbeiten kann und der in der Lage ist, mit dem medialen Umfeld, dem Hintergrundrauschen und den Gerüchten souverän umzugehen.
Haben Sie sich eine Deadline gesetzt?
Seeger: Es gibt keine festgelegte Deadline. So lange trägt Jürgen die Verantwortung in einer Doppelrolle – als Trainer und als Sportmanager. Dafür kann ich ihm nicht genug danken.

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Die aktuelle Stimmungslage rund um die Blue Devils
- Nach einer sportlichen Negativserie und anhaltenden Verletzungssorgen wurde Cheftrainer Sebastian Buchwieser freigestellt.
- Zeitpunkt und Kommunikation der Entscheidung haben bei Teilen der Fans für Unverständnis und emotionale Reaktionen gesorgt.
- Gerüchte über mögliche Nachfolgelösungen – inklusive einer angeblichen Trainerrolle von Seegers Sohn – verstärkten die Unruhe, wurden vom Verein klar zurückgewiesen.
- Parallel stehen die Blue Devils unter erheblichem wirtschaftlichen Druck: Der Wegfall des Großsponsors (Ziegler Group) reißt ein Finanzloch von rund 1,4 Millionen Euro.
- Ticketpreiserhöhungen wurden als notwendige Maßnahme zur Sicherung des Spielbetriebs beschlossen, treffen jedoch auf eine sensible Fanbasis.
- Präsident und Investor betonen, dass sie nicht als stille Geldgeber agieren, sondern Verantwortung für sportliche und wirtschaftliche Entscheidungen übernehmen.
- Die Suche nach einem neuen Cheftrainer läuft, ohne öffentlich gesetzte Deadline; interimistisch trägt Jürgen Rumrich eine Doppelrolle als Trainer und Sportmanager.




