Jahn in Liga 3: Mit Chancenwucher und Abwehrfehlern punktlos in Essen
Jahn in Liga 3: Mit Chancenwucher und Abwehrfehlern punktlos in Essen
Bitterer Februarabend an der Hafenstraße trotz Blitzstarts: Nach 14 Sekunden (!) schaltet Eric Hottmann bei Regensburger Pressing schneller als RWE-Keeper Felix Wienand, der sich die Kugel etwas zu weit vorlegt, klaut den Ball und schiebt zum 0:1 (1.) ein.
Essen wirkt anschließend verunsichert, hat immer wieder Probleme im Spielaufbau – bringt sich mit Ballverlusten und einer unerzwungenen Ecke in Bedrängnis. Das bereits seit Wochen unzufriedene Publikum beginnt zu murren.
Essener Ausgleich nach geschenktem Standard
Anstatt die Verunsicherung zu nutzen, bringt Regensburg die Ruhrmetropole in Feierlaune. Es braucht ein Gastgeschenk von Felix Strauß, der sich die Essener Abwehrleistung zum Vorbild nimmt und beim Versuch eines Abwehr-Tiki-Taka seinerseits ohne Gegnerdruck eine Ecke anbietet – aus dem Standard dann im zweiten Anlauf der Ausgleich durch Lucas Brummes unhaltbaren Schuss aus 16 Metern ins linke Eck (33.).
In der zweiten Hälfte reißt der SSV Jahn das Spiel an sich, hat klar die besseren Chancen und hätte sich nach drei brandgefährlichen Ecken die Führung verdient. Es kommt anders. Mit dem ersten Schuss nach schöner Einzelaktion geht RWE durch Jannik Hofmanns platzierten Flachschuss ins linke Eck in Führung (61.). Die Oberpfälzer sind anschließend etwas unsortiert, kassieren eine Ecke, bei der Jahn-Keeper Felix Gebhardt den Ball nicht festhalten kann – im Getümmel stochert José-Enrique Rios Alonso ins leere Tor, die vermeintliche Vorentscheidung, 3:1 (65.).
Posselt bringt Hoffnung – Dietz fast mit dem Ausgleich
Die Gäste geben sich allerdings keinesfalls auf, erspielen sich abermals beste Chancen, schrauben das Eckenverhältnis auf 15 Flanken von der Eckfahne hoch – doch trotz aller brenzligen Situationen im Strafraum durch die Hereingaben von Adrian Fein: Erst der eingewechselte John Xaver Posselt bringt die Kugel nach starker Vorarbeit von Eric Hottmann über rechts im Essener Kasten unter (75.).
Die Hafenstraße zittert sich anschließend zu einem mehr als schmeichelhaften Dreier, weil auch Florian Dietz bei seinem erneuten Kurzeinsatz den Ball mit der Hacke aus drei Metern knapp über die Latte zirkelt (90.+4). Dass der ansonsten souveräne Schiedsrichter Felix Prigan, der viel laufen lässt und so diesem rasanten Schlagabtausch viel Raum bietet, trotz vieler Essener Kunstpausen an der Eckfahne pünktlich abpfeift, ist für die Regensburger wenig hilfreich.
Blitzstart, Brumme-Hammer und Doppelschlag
Aufstiegshoffnung gegen Abstiegsangst heißt es an der Hafenstraße – und der Jahn sorgt nach 14 Sekunden für den Paukenschlag. Wienand verschätzt sich bei der Ballannahme, Hottmann ist zur Stelle und schiebt ins leere Tor ein (1.). Ein Fehlstart für Rot-Weiss Essen, der das Stadion kurz verstummen lässt.
Doch Essen schüttelt sich. Safi taucht im Strafraum auf, wird leicht gehalten – kein Elfmeter (4.). Hofmann prüft Gebhardt aus der Distanz (8.), Abiama wirbelt über außen – allerdings meist überhastet und ohne Ertrag. Der Jahn steht zunächst kompakt, kontert über Eichinger, Kühlwetter und Schönfelder, bleibt aber im letzten Drittel unsauber.
Brumme trifft sehenswert – Chancen auf beiden Seiten
Nach mehreren weiten Einwürfen und Druckphasen ist es schließlich Brumme, der nach einer unzureichend geklärten Ecke aus 20 Metern in den Winkel hämmert (33.). Ein sehenswerter Treffer, verdient zu diesem Zeitpunkt.
Die Partie bleibt offen. Chrstian Kühlwetter verzieht per Direktabnahme, Janssen zielt in der Nachspielzeit knapp vorbei. Zur Pause steht es 1:1 – nach Blitzstart und Essener Druckphase.
Jahn dominant – Essen effizient
Nach Wiederanpfiff übernimmt der Jahn das Kommando. Der starke Neuzugang Malte Karbstein scheitert nach Ecke an Wienand (50.), Kühlwetter wird im letzten Moment geblockt (47.). Essen wirkt fahrig – bis Hofmann nach Ballstafette aus 18 Metern flach ins Eck trifft (61.).
Vier Minuten später folgt der Nackenschlag: Brummes Ecke rutscht Gebhardt durch die Hände, Rios Alonso staubt ab (65.). Binnen Minuten dreht sich das Spiel komplett.
Offenes Visier bis zur letzten Sekunde
Doch der Jahn kommt zurück. Fein-Ecken sorgen für Dauerbrand im Essener Strafraum. Kühlwetter, Karbstein, Eichinger – immer wieder brennt es. In der 75. Minute ackert sich Hottmann rechts durch, Benedikt Bauer setzt nach, legt quer auf Posselt, der aus zehn Metern präzise ins lange Eck trifft. 3:2 – das Spiel lebt wieder.
In der Schlussphase wankt Essen. Abiama scheitert noch einmal an Gebhardt, doch die letzte Großchance gehört dem Jahn: Nach Kopfballverlängerung setzt Dietz die Hacke aus drei Metern knapp über die Latte (90.+4). Dann ist Schluss – und der Jahn steht trotz Übergewicht und 15 Ecken mit leeren Händen da.
Jahn-Trainer Michael Wimmer: „Auf Augenhöhe“
„In der Zweiten Halbzeit waren wir richtig gut im Spiel, dran, selber in Führung zu gehen, haben nach drei Ecken gute Möglichkeiten, bekommen zwei Tore aus dem Nichts, aus einem Standard und einem Schuss. Dann hat es Essen reif runtergespielt und gewonnen. Das zeigt dann auch die Qualität von RWE, aus dem Nichts so da zu sein. Wir haben nach dem 2:1 kurz den Faden verloren, bekommen dann das 3:1 durch einen Standard.
Aber nichtsdestotrotz, die Mannschaft hat ja nicht aufgegeben, sie war wieder da. Wir haben uns auch das 3:2 verdient, schönes Tor von John Posselt, der sein erstes Tor macht, freut mich auch für ihn – und dann waren noch ein, zwei Möglichkeiten da, aber er wollt halt dann nicht rein.
Was nimmt man mit? Dass man gegen eine Top-Mannschaft, in dem Stadion, bei der Atmosphäre auf Augenhöhe agiert hat, dass wir mit etwas mehr Glück hier ein oder drei Punkte mitnehmen können. Das muss uns Selbstvertrauen geben. Wir brauchen auch nicht nach links oder rechts schauen. Wenn wir die Leistung so fortsetzen, bin ich guter Dinge, dass wir die Punkte holen.“
RWE-Trainer Uwe Koschinat: „Zwei Dinge, die man in Essen sehen will“
„Auf jeden Fall ist es nicht leicht, in so einem Spiel so früh in Rückstand zu geraten. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, wir haben danach so weitergespielt, als hätte es den Rückstand nicht gegeben, auch sehr schnell das Spiel an uns gezogen, hätten auch schon in der ersten Halbzeit in Führung gehen können. Ich weiß auch nicht, wie Situation im Strafraum zu werten ist, als der Schiedsrichter sehr schnell abgewunken hat. Wir haben uns trotzdem nicht aus der Ruhe bringen lassen und verdient die Führung erzielt. Zum Schluss ist es uns etwas schwergefallen, die Dominanz aufrechtzuerhalten.
Mit den Unruhen im Vorfeld hat die Mannschaft das aus meiner Sicht hervorragend gemacht. Mir fehlt immer so ein bisschen bei der Analyse, dass es nicht nur Kampf war – ganz im Gegenteil: Das sind die Grundvoraussetzungen hier an der Hafenstraße, zu kämpfen. Das hat meine Mannschaft auch nie nicht getan. Aber aus meiner Sicht haben wir auch unheimlich viele gute fußballerische Momente gehabt. Wir haben den Gegner in vielen Situationen geknackt, darüber hinaus ein wahnsinniges Tempo angeschlagen. Deshalb bin ich schon der Meinung, dass hier zwei Dinge zusammenkamen, die man hier in Essen sehen will.“
RWE-Torschütze Jannik Hoffmann: „Fußballerische Aspekte heute super“
„Das letzte Spiel in Aachen war nicht unser bestes Spiel, da wollten wir unseren Fans etwas zurückgeben – hat nicht so gut angefangen, aber die Fans waren dann da. Es hat nicht alles geklappt, aber die fußballerischen Aspekte waren heute super.“
Jetzt müssen Punkte folgen: Wehen & Ulm im Jahnstadion
Der SSV Jahn Regensburg bleibt Tabellen-14., das Polster auf die Abstiegsränge beträgt vier Punkte. Die Leistung in Essen war über weite Strecken reif, mutig und offensiv strukturiert – allein die Effizienz und die Fehlerquote im Defensivverhalten verhinderten Zählbares.
Jetzt folgen zwei Heimspiele, die zur Wegmarke werden können:
- Gegen SV Wehen Wiesbaden wartet eine spielstarke Mannschaft mit klarer Struktur und viel Erfahrung im Aufstiegsrennen. Hier wird es auf defensive Disziplin und konsequente Chancenverwertung ankommen.
- Gegen SSV Ulm 1846 geht es gegen ein Team, das körperlich robust und im Umschaltspiel gefährlich ist – genau jene Art Gegner, gegen die der Jahn zuletzt phasenweise Probleme hatte.
Beide Spiele bieten jedoch auch die Chance, die zuletzt gezeigte Intensität endlich in Punkte umzumünzen. Mit 15 Ecken, hoher Laufbereitschaft und klarer Offensividee ist der Jahn kein Abstiegskandidat auf dem Platz – er muss es nur endlich auf der Anzeigetafel beweisen. Zwei Heimsiege würden das Team verdient ins gesicherte Mittelfeld katapultieren – und die Narrative der Saison nachhaltig drehen.




