Jahn in Liga 3: Noel Eichinger krönt beste Auswärtsleistung in Verl mit Tor des Monats
Jahn in Liga 3: Noel Eichinger krönt beste Auswärtsleistung in Verl mit Tor des Monats
Das haben sich die weitgereisten Jahn-Fans verdient: Nach der unvermeidlichen Zitter-Schlussphase, weil sich der ansonsten starke Benedikt Bauer einen Schnitzer vor dem 1:2 erlaubt, dürfen die Oberpfälzer auf der langen Heimfahrt aus NRW weiterfeiern.
Spielstarke Mannschaften liegen den Regensburgern offensichtlich. Wie schon im Hinspiel entzaubern die Rot-Weißen den Aufstiegsaspiranten, der zuvor zehn Heimspiele unbesiegt geblieben war, mit konsequentem Pressing zwingen sie die Ostwestfalen zu entscheidenden Fehlern – und haben mit Noel Eichinger den Unterschiedsspieler in ihren Reihen, der den Jahn mit Traumtoren belohnt.
Pressing als Waffe
Schon der Führungstreffer nach Balleroberung zeigt seine technische Finesse: Nach einem Fehlpass von Alessio Besio geht Eichinger allein auf Keeper Philipp Schulze zu, legt den Ball am Torwart vorbei und schiebt zum 0:1 (19.) ein. Dass sich der Jahn-Stürmer dann nach einer scharf gemachten Ecke von Adrian Fein die Kugel selbst hoch vorlegt und per Fallrückzieher zum 0:2 (36.) in den rechten Winkel hämmert, macht sogar Ragnar Ache im Wettbewerb um das „Tor des Monats“ Konkurrenz.
Dabei hätte der Gast wie in Essen schon in der ersten Minute in Führung gehen können: Flanke von Nicolas Oliveira, Christian Kühlwetter kommt frei zum Abschluss, scheitert aber am SC-Keeper (1.). Verl antwortet nur einmal zielstrebig mit Pfostenpech nach feiner Einzelleistung von Besio (33.). Doch trotz höherer Ballbesitzwerte ist das 0:2 zur Pause mehr als verdient. Die Regensburger haben die klareren Chancen, Verl findet kein Mittel gegen einen hellwachen, aggressiven Gast.
Zitterphase, Pfosten, Gebhardt
Nach dem Seitenwechsel erhöht Verl die Taktzahl. Berkan Taz prüft die Defensive mehrfach, Oualid Mhamdi zieht aus 15 Metern knapp vorbei (55.), Marco Wörner trifft aus 14 Metern nur den Außenpfosten (59.). Auf der anderen Seite verhindert Schulze gegen Philipp Müller das mögliche 0:3 (61.).
Der einzige echte Fauxpas der Oberpfälzer: Benedikt Bauer rutscht der Ball über den Schlappen, die Flanke von links bleibt zunächst hängen, Marco Wörner verzieht, doch Joker Jonas Arweiler drückt den Abpraller aus kurzer Distanz über die Linie – 1:2 (84.). Zuvor war Ens aus kurzer Distanz an Felix Gebhardt gescheitert, stand allerdings im Abseits (89.).
Letzter Tango um die Eckfahne
Damit der Anschluss nicht wie gegen Ulm mit zwei Punkten weniger bestraft wird, retten sich die Regensburger mit Ballkontrolle an der Eckfahne über die verbleibenden Minuten (90. +6). Gelb gibt es noch für Trainervertreter Munier Raychouni (86.) und für Nico Kijewski wegen Meckerns (90. +5).
Dann ist Feierabend. Verl verliert erstmals seit dem 30. August wieder ein Heimspiel. Auf der Tribüne hebt der gelbgesperrte Cheftrainer Michael Wimmer den Daumen Richtung Seitenlinie – sein Co verteidigt seine blütenweiße Weste.
Stimmen zum Spiel
Munier Raychouni (Jahn-Co-Trainer): „Wir freuen uns über den Sieg, wussten, wie schwer das Spiel werden würde – viele Rotationen. Wir haben’s gut gemacht, ein intensives Pressing gespielt, obwohl das eine große Laufbereitschaft erfordert. Die haben wir gezeigt und uns dafür belohnt.
Wir haben auch zwei, drei gute Chancen zugelassen, hatten heute ein bisschen Glück auf unserer Seite, aber wir haben es uns erkämpft. Noel Eichingers Tor war einfach super, das zeigt seine Qualität – es war ein wichtiges Tor für uns, am Ende auch das Entscheidende.
Wir arbeiten sehr eng zusammen, sitzen jeden Tag viele Stunden und analysieren. Das sieht man dann auch, dass wir gut abgestimmt sind. Egal, wer an der Linie steht – die Mannschaft weiß, was zu tun ist. Und das liegt natürlich auch am Cheftrainer.“
Der Flötenjubel war ein Gruß an einen Freund.
Jahn-Doppelpacker Noel Eichinger
Noel Eichinger (Traumtorschütze): „Ich war leider schon etwas angeschlagen vorm Spiel und habe alles rausgehauen, deshalb bin ich jetzt auch platt. Die Schmerzen sind im Spiel sowieso egal. Beim Fallrückzieher ging alles ganz schnell – erst ein unsauberer Kontakt, dann sehe ich, dass der Ball vor mir ist, setze an und treffe ihn optimal. Beim 1:0 war’s ein hoher Ballgewinn. Ich wollte erst querlegen, sehe dann, dass das meine einzige Option ist – und es hat geklappt.
Der Flötenjubel war ein Gruß an einen Freund. Wir waren gut eingestellt. Verl spielt schönen Fußball, da heißt es für uns: Vollgas, jeden Zweikampf gewinnen. Klar wird’s am Ende eng, weil so eine Mannschaft über 90 Minuten zu verteidigen schwer ist. Aber ich glaube nicht, dass wir unverdient gewonnen haben. In puncto Effektivität: Wir sind auf einem guten Weg. Es ist immer besser, Chancen zu haben, als keine.“
Das zweite Tor war ein Traumtor.
SC-Trainer Tobias Strobl
Tobias Strobl (SC-Trainer): „Die erste Halbzeit war nicht gut, da beziehen wir uns alle mit ein. Wir sind zu viel über kurz-kurz gekommen und haben Regensburg damit in die Karten gespielt – wie beim ersten Tor, auch wenn es ein individueller Fehler war.
Das zweite Tor war ein Traumtor. Aber insgesamt war in der ersten Halbzeit zu wenig Tiefe und zu wenig Ballqualität. In der zweiten Hälfte haben wir es verändert. Du kannst eher das 1:2 machen, kannst aber auch das 0:3 bekommen. Das war heute eine verdiente Niederlage.“
Wir spielen ja nicht Kreisklasse.
Timur Gayret (SC-Spieler)
Timur Gayret (SC-Spieler): „Wir waren eigentlich gut am Ball, machen dann aber zu viele Fehler – der zum 1:0 war sehr bitter. Wenn wir Fußball spielen, nehmen wir Fehler in Kauf, aber in letzter Zeit sind es zu viele. Zu ungenau, nicht genug Durchschlagkraft.
Wir hatten genug Männer in der Box und genug Chancen. Aber wenn du in so einem Strudel bist, ist es schwer, da rauszukommen. Wir spielen ja nicht Kreisklasse.“
Am Samstag kommt Tabellenführer Osnabrück
Am Samstag (16.30 Uhr) wartet im Jahnstadion der nächste Prüfstein: Tabellenführer VfL Osnabrück reist mit breiter Brust an – und mit dem klaren Ziel, die Spitzenposition zu verteidigen.
Für den Jahn ist es die Chance, den nächsten Aufstiegsaspiranten zu ärgern – wie schon Verl. Mit sieben Punkten aus drei Spielen und einem Noel Eichinger in Galaform darf das Team selbstbewusst auftreten.
Die Gretchenfrage: Gelingt es erneut, mit aggressivem Pressing und Effizienz vor dem Tor die spielerische Qualität des Gegners zu brechen? Die Heimkulisse brennt auf die Fortsetzung der wachgeküssten Jahn-Truppe.








