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Jahn in Liga 3: Ulm reichen drei Torschüsse für einen Punkt

Regensburg. Zwei Schritte nach vorne, einer zurück. Der SSV Jahn tritt im Krebsgang auf der Stelle. Regensburg betreibt Chancenwucher, hat aber nach dem Remis gegen den SSV Ulm weiter acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

Jahn in Liga 3: Ulm reichen drei Torschüsse für einen Punkt

Christian Kühlwetter hat seinen zweiten Treffer auf dem Fuß: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Ob es an den Platzverhältnissen liegt, wie Jahn-Kapitän Christian Kühlwetter nach dem Abpfiff analysiert? Oder an der Marschrichtung, die Ulms Trainer Pavel Dotchev vorgibt, das Pressing der Regensburger mit langen Bällen ins Leere laufen zu lassen?

Jedenfalls schaffen es die Oberpfälzer gegen den akut abstiegsbedrohten SSV Ulm nicht ganz so überzeugend, ihre spielerische Überlegenheit auszuspielen, die sie noch beim Heimsieg gegen den favorisierten SV Wehen Wiesbaden vergangenen Samstag beeindruckend auf den Rasen zauberten.

Frühe Führung, verpasste Vorentscheidung

Dennoch haben die Regensburger vor allem in den ersten 45 Minuten wieder jede Menge Gelegenheiten, die frühe Führung nach dem Kopfballtreffer von Christian Kühlwetter (6.) kräftig auszubauen. Dem Treffer geht ein fataler Fehlpass von Marcel Seegert voraus, Benedikt Saller schaltet schnell, schickt Nicolas Oliveira, dessen Maßflanke der Kapitän präzise einköpft.

Kurz darauf scheppert es am Aluminium: Kühlwetter zieht aus anspruchsvoller Position ab, der Ball klatscht an den Außenpfosten (15.). Eric Hottmann taucht nach feinem Steckpass von Noel Eichinger frei vor Max Schmitt auf, schließt aber zu unplatziert ab (27.). Wenig später umkurvt Eichinger den Ulmer Keeper, bringt den Ball aus spitzestem Winkel von der Grundlinie jedoch nicht mehr aufs Tor (28.).

Ulm schwimmt. Nach einer Oliveira-Flanke setzt Kühlwetter den Ball aus fünf Metern ans Außennetz (41.). Und doch kippt die Statik des Spiels mit dem Pausenpfiff: Nach einer unnötigen Gelben Karte für Benedikt Saller (45.+2) wegen Meckerns landet ein abgewehrter Freistoß am Strafraumrand bei Dennis Chessa, der die Kugel mit links in den Winkel jagt (45.+2). Der erste echte Torschuss der Spatzen sitzt – schmeichelhaft, aber technisch brillant.

Früher Jubel, späte Enttäuschung: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Chancenwucher vor und nach der Pause

Schon in den ersten 30 Minuten rollt Angriff um Angriff. In der 9. Minute taucht Eichinger nach einem schlimmen Fehlpass halbrechts frei auf – Brdar pariert zur Ecke. Kurz darauf bedient er Hottmann mustergültig, doch dessen Direktabnahme gerät zu harmlos (21.). Saller prüft den Keeper aus zwölf Metern per Halbvolley (11.), setzt wenig später einen Schlenzer über die Latte (14.). Kühlwetter wird von Eichinger stark freigespielt, sein Schlenzer aus 15 Metern ist zu unpräzise (43.).

OTH Amberg-Weiden
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Immer wieder steht Brdar im Mittelpunkt: Gegen Eichinger aus vielversprechender Position rettet er per Beinabwehr (41.), gegen Bauer muss er sich bei einem scharfen Ball auf den zweiten Pfosten strecken (54.). Und nach einer Ecke bebt das Stadion – Wurms Kopfball landet zwar im Netz, doch die Fahne geht hoch (77.). Dazu Sallers Pfostenschuss aus 18 Metern (63.) – es hätte zur Pause gut und gerne 3:0 stehen können.

Auch in der zweiten Hälfte ändert sich das Bild lange nicht. Eichingers Abschluss kurz nach Wiederanpfiff streicht knapp vorbei (48.), Beckhoff scheitert in der 90. Minute im Eins-gegen-eins an Brdar – die Entscheidung bleibt aus.

Auch Adrian Fein hat die Führung auf dem Fuß: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Wirkungstreffer und vergebene Matchbälle

Nach der Pause lassen sich zunächst Spuren dieses Wirkungstreffers diagnostizieren. Pässe kommen nicht mehr an, Ulm wirkt beflügelt. Zehn Minuten lang sind die Oberpfälzer mehr mit Klärungsarbeit beschäftigt als mit Spielgestaltung. Doch der Auftrieb der Gäste verpufft rasch.

Der Jahn erspielt sich erneut Großchancen: Hottmann setzt sich an der Grundlinie durch, bleibt im Strafraum jedoch hängen, statt querzulegen (51.). Nach feiner Kombination über Phil Beckhoff und Adrian Fein pariert Schmitt stark gegen John Xaver Posselt (66.). Beckhoff scheitert erst aus kurzer Distanz am glänzend reagierenden Ulmer Keeper (73.), dann aus spitzem Winkel, als Mazagg auf der Linie klärt (69.). Fein zielt aus der zweiten Reihe knapp vorbei (63.).

Nicolas Oliveira flankt zur Jahn-Führung: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Dickes Ende: Vier Gelbsperren

Und beinahe kommt es noch dicker: In der Schlussphase wirkt die Jahn-Defensive unsortiert, nachdem Malte Karbstein mehrfach nach Kopftreffern zu Boden geht. Ein langer Einwurf rutscht durch zu Lucas Röser, der aus zehn Metern nur die Latte trifft (90.+4). Kurz zuvor hatte die Jahn-Abwehr eine Direktabnahme von Abu-Bekir El-Zein noch auf der Linie geklärt (88.).

So bleibt es bei einer Punkteteilung, die für die Regensburger nicht nur wegen der vergebenen Chancen schmerzt. Mit Gelbsperren für Benedikt Saller, Felix Strauss, Phil Beckhoff und sogar Trainer Michael Wimmer fehlen am Dienstag beim Tabellenvierten SC Verl zwei defensive Stützen, eine Sturmoption und der Chefcoach an der Seitenlinie.

Cheftrainer Michael Wimmer reibt sich angesichts der vergebenen Chancen die Augen: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: jrh

Wir schaffen’s einfach nicht, den Ball über die Linie zu drücken.

Jahn-Trainer Michael Wimmer

„Am Ende des Tages muss man dann trotzdem froh sein mit dem Lattenschuss, dass es ein Punkt ist und wir Ulm auf Distanz halten. Aber auf Strecke hatten wir wieder ein Riesen-Chancenplus und wir schaffen’s einfach nicht, den Ball über die Linie zu drücken. Dann wird’s genauso wie gegen Wehen vergangenes Wochenende in der Schlussphase noch einmal unnötig brenzlig. In der vergangenen Woche hätten wir auch in der ersten Halbzeit den Sack zumachen müssen, das hätten wir heute auch machen können.

Und wenn man’s nicht macht, ist es halt so, dass man irgendwann bestraft wird. Ich glaube, es war der richtige Torschuss von Ulm, auch wenn’s ein super Tor war. Es ist halt so, wenn sich die Gelben Karten häufen, kommt’s irgendwann zu Sperren, wie auch für mich. Ich glaube auch, dass der Schiedsrichter das Spiel unnötig heiß gemacht hat, dann wird’s hitzig und letzten Endes muss ich zuschauen.“

Kapitän Christian Kühlwetter fast mit dem Doppelpack: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: jrh

Wir haben immer noch genug Vorsprung, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.

Jahn-Kapitän Christian Kühlwetter

„Sehr ärgerlich, wenn man die vielen Chancen sieht, die wir vergeben haben. Auf der anderen Seite ist es gut, dass wir den einen Punkt wenigstens mitnehmen, wenn man den späten Lattentreffer sieht. Es ist gut, dass wir die Chancen haben, aber wir müssen sie halt auch nutzen.

Es war heute wieder ein ganz anderes Spiel wie vergangene Woche, der Platz hat’s nicht ganz so hergegeben, spielerische Lösungen zu finden. Dafür haben wir’s ganz gut gemacht. Wir haben immer noch genug Vorsprung, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.“

Ulms Trainer Pavel Dotchev ist mit der Leistung seiner Spatzen zufrieden: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: jrh

Wir hatten es mit einem sehr, sehr starken Gegner zu tun.

Ulms Chefcoach Pavel Dotchev

„Für mich zählt die Leistung. Natürlich ist ein Punkt für uns zu wenig. Ich habe zum Schluss versucht, offensiv zu wechseln, wir hatten auch eine Riesenchance zum Schluss. Uns fehlt vielleicht auch das Quäntchen Glück. Das ist unser Problem, dass wir sehr viel Aufwand betreiben und uns nicht dafür belohnen. So einer muss eigentlich reinrutschen.

Regensburg ist sehr formstark, die haben in den letzten vier Spielen sieben Punkte geholt, haben letzte Woche Wiesbaden hier geschlagen. Wir hatten es mit einem sehr, sehr starken Gegner zu tun. Wir haben versucht, das Spiel heute etwas anders anzugehen, nicht hintenrumzuspielen, sondern mal den langen Ball. Das ist nicht unbedingt unsere Spielweise. Max Schmitt hat uns heute über Wasser gehalten.“

Ulms Keeper Max Schmitt holt für die Spatzen die Kastanien aus dem Feuer: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: jrh

Drei Punkte wären natürlich super, aber im Abstiegskampf zählt jeder Punkt.

Spatzen-Keeper Max Schmitt

„Wir hatten am Ende auch nochmal die Möglichkeit, den Lucky Punch zu setzen. Drei Punkte wären natürlich super, aber im Abstiegskampf zählt jeder Punkt.

Regensburg hatte die Chancen, aber die haben enorme Qualität da vorne drin. Es klappt nicht immer, 90 Minuten hinten dicht zu machen, und dafür ist ein Torwart da.“

Kapitän Christian Kühlwetter fast mit dem Doppelpack: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Bene Saller verursacht kurz vor der Pause den Freistoß vor dem Ausgleich und seine fünfte Gelbe wegen Meckerns: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Eric Hottmann vergibt zwei Matchbälle: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Bene Saller verursacht kurz vor der Pause den Freistoß vor dem Ausgleich und seine fünfte Gelbe wegen Meckerns: Der SSV Jahn vergibt gegen Namensvetter und Mitabsteiger SSV Ulm Big Points gegen den Abstieg. Foto: jrh

Nächster Halt, SC Verl

Am Dienstag geht es für den Jahn zum Tabellenvierten SC Verl. Die Ostwestfalen gehören zu den formstärksten Teams der Liga, spielen mutig nach vorne und verfügen über eine der besten Offensivreihen im unteren Tabellendrittel.

Brisant: Der Jahn reist personell ausgedünnt an. Mit Bene Saller und Felix Strauss fehlen zwei defensive Konstanten, Phil Beckhoff als Option im Angriff, Chefcoach Michael Wimmer muss auf der Tribüne Platz nehmen. Gerade gegen eine Mannschaft wie Verl, die früh presst und schnell umschaltet, wird defensive Stabilität gefragt sein.

Das Hinspiel war intensiv, temporeich, phasenweise wild. Verl sucht häufig den direkten Weg in die Tiefe, während der Jahn auf Ballkontrolle und strukturierten Aufbau setzt. Entscheidend dürfte sein, ob die Regensburger ihre Chancen diesmal konsequenter nutzen – denn ein erneutes „Riesen-Chancenplus“ ohne Ertrag könnte gegen einen abgezockten Gegner schnell bestraft werden.

Mit weiterhin komfortablem Vorsprung auf die Abstiegsplätze hat der Jahn die Ausgangslage selbst in der Hand. Doch die Partie in Verl wird ein Charaktertest: Bleibt es beim Krebsgang – oder folgt der nächste echte Schritt nach vorne?