Nathaniel Brown, ein Kümmersbrucker Stern am Fußballhimmel
Nathaniel Brown, ein Kümmersbrucker Stern am Fußballhimmel
Nathaniel Brown, hat am Dienstag doppelten Grund zum Feiern. Da ist zum einen sein 23. Geburtstag und zum anderen der gestrige Sonntag, an dem der Stern des in Amberg geborenen Linksverteidigers endgültig strahlend hell zu leuchten begann. In der WM-Auftaktpartie der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Curaçao (7:1) rechtfertigte „Nene“ das Vertrauen von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit einer ganz starken Vorstellung. Damit dürfte er sich auch das Stammelfticket für die nächsten Spiele im DFB-Trikot bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada gesichert haben.
Bescheiden, zurückhaltend, sympathisch
Nene Brown ist ein bescheidener, zurückhaltender und sympathischer Mensch. Kaum anzunehmen, dass sich dies trotz seines kometenhaften Aufstiegs eines Tages mal ändern wird. Gerüchten zufolge soll er noch vor wenigen Wochen sogar Bedanken gehabt haben, Torwart-Ikone Manuel Neuer mit Du anzusprechen. Das dürfte sich mittlerweile geändert haben. Seine Nationalmannschaftskollegen reden in höchsten Tönen vom jungen Kümmersbrucker, der in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt – noch – seine Stiefel schnürt. Wie Medien berichten, soll sich Branchenprimus Bayern München mit Brown über einen 55-Millionen-Euro teuren Wechsel zum Rekordmeister einig sein. Der nächste, fast logische Schritt auf der Karriereleiter des pfeilschnellen Linksverteidigers.
Auch vor der Kamera machte Brown nach dem Spiel eine gute Figur. Angesprochen auf seine Gefühlslage nach dem 7:1-Sieg, seinem Tor und seiner Vorlage, antwortete der Kümmersbrucker: „Es ist unbeschreiblich, in meinem ersten WM-Spiel zu treffen“, sagte der 22-Jährige und sprach vom „schönsten Moment in meiner Karriere“. Den werde er nie vergessen. „Wir haben sieben Tore gemacht. Natürlich, das eine Tor war unnötig. Ich bin stolz, dass wir den Kopf nicht haben hängen lassen. Jetzt müssen wir an unseren Schwächen arbeiten.“
Auch vor der Kamera eine Topfigur
Brown, der in der 68. Minute nach Hacken-Pass von Deniz Undav per Direktabnahme mit dem rechten Fuß sein erstes Länderspieltor im sechsten Länderspiel erzielte, war einer der besten Akteure in der deutschen Mannschaft. Auf der linken Abwehrseite leitete er viele Angriffe ein, mit Vordermann Florian Wirtz harmonierte er prächtig. Es war die richtige Entscheidung von Nagelsmann, Brown den Vorzug vor dem Leipziger David Raum zu geben. Das 2:1 durch Nico Schlotterbeck bereitete der Youngster zudem per präzisem Eckball vor (38.). „Das war genauso einstudiert auf den ersten Pfosten. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass es geklappt hat“, sagte Brown.
Nathaniel Bown präsentierte sich im ARD-Interview nach dem Spiel locker, redegewandt und sehr sympathisch. „Meine Familie ist da – und wie die Jungs mit mir gejubelt haben, das ist einfach unglaublich“, sagte er. Die Mitspieler fanden allesamt lobende Worte für den Linksverteidiger, der in der Mannschaft einen ganz anderen Stellenwert hat als noch vor einigen Wochen. „Er weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist“, sagte Nagelsmann kürzlich: „Ich wünsche mir manchmal, dass er sich noch mehr zutraut. Er ist einen Tick zu bescheiden für das, was er kann. Ich will bei ihm noch mehr Selbstvertrauen initiieren.“
Karrierestart beim TSV Kümmersbruck
Der Fußballverein TSV Kümmerbruck dürfte außerhalb der Oberpfalz wohl nur wenigen Fachleuten bekannt sein. Gleichwohl wird beim Amberger Kreisklassisten seit jeher ausgezeichnete Nachwuchsarbeit geleistet. So jagen an die hundert Mädchen und Buben in den sieben Jugendteams – durchgehend von den A- bis zu den G-Junioren, dem runden Leder nach. Ziemlich sicher werden viele der jungen TSV-Kicker in diesen Tagen von einer ähnlichen Karriere träumen wie der von Nene Brown. Ob der einst auch solche Träume hatte, kann nur spekuliert werden. Immerhin lernte der Deutsch-Amerikaner (sein Vater, zu dem er aber keinen Kontakt mehr hat, ist US-Bürger) einst beim Amberger Vorortverein das Fußballspielen, ehe man schon in jungen Jahren auf sein großes Talent aufmerksam wurde. Schon im zarten Alter von neun Jahren wechselte Brown in die Nachwuchsschmiede des SSV Jahn Regensburg. Seine nächste Station als Jugendlicher war der Nürnberger „Club“, wo er in der U 17 und U 19 kickte, anschließend Profi wurde und 2024 dem Ruf der Frankfurter Eintracht Frankfurt folgte.
Um Nathaniel Brown hatte sich auch der US-Fußballverband enorm bemüht, doch der Kümmersbrucker hat sich früh für die Deutsche Nationalelf entschieden. „Es war schon als Jugendlicher mein Traum, für Deutschland zu spielen“, sagte er kürzlich. Also doch ein Traum von Nene, der in Erfüllung gegangen ist …
Nene Brown ganz cool
Der Nagelsmann-Plan scheint aufgegangen zu sein. Nene Brown tritt mittlerweile auf wie ein Stammspieler. Fast schon Bayern-like, könnte man vermuten. Doch so leicht ließ sich Brown nicht locken. Ob er sich schon als Teil des Bayern-Blocks fühle, wurde Brown gefragt. Seine coole Antwort: „Ich fühle mich als Teil der Nationalmannschaft. Es macht einfach Spaß – egal ob mit Spielern von Bayern, Dortmund oder von anderen Mannschaften.“ Gut pariert.




